„Ich fand es demütigend“

Trotz Schwerbehinderung: Münchnerin muss im KVR lange warten

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Sauer auf die Behörde: Rentnerin Verena Winkler ist froh, dass sie erst in 15 Jahren wieder einen Pass braucht.

Lange Warteschlangen im KVR sind normal. Für Menschen mit körperlichen Behinderungen kann das ewige Warten sogar schädlich sein. So erging es Verena Winkler.

München - Lange Wartezeiten in Behörden kennt jeder. Für die meisten Bürger ist das Warten lästig, für Menschen mit körperlichen Behinderungen kann es schnell zur gesundheitlichen Belastungsprobe werden. So auch für Rentnerin Verena Winkler (71). Lungen- und Herzprobleme machen ihr zu schaffen, langes Stehen bereitet ihr Schwierigkeiten, in Räumen voller Menschen bekommt sie Atemnot. Winklers Schwerbehindertenausweis bescheinigt ihr einen Behinderungsgrad von 70 Prozent.

Als die Münchnerin Ende April einen neuen Pass braucht, erkundigt sie sich deshalb vorab beim Bürgerbüro in der Orleansstraße, wie das Warten für Menschen mit Behinderung geregelt sei. „Am Telefon wurde mir erklärt, ich solle einfach an irgendeine Tür klopfen, mich als schwerbehindert ausweisen, und dann würde man mich so schnell wie möglich drannehmen“, erzählt sie.

Nummer ziehen wie alle anderen

Als Winkler im Bürgerbüro ankommt, bietet sich ihr ein anderes Bild. Am Service-Point fordert man sie trotz Schwerbehindertenausweis auf, eine Nummer zu ziehen wie alle anderen. Aufgerufen wird gerade die 101, Frau Winkler zieht die 303. Sie klopft, wie empfohlen, an eine der Türen: „Aber die Mitarbeiter haben gesagt, sie können nichts machen und haben mich wieder in den Wartebereich geschickt.“

Dort wartet Winkler eine Stunde. Da es ihr zunehmend schlechter geht, wendet sie sich erneut an den Service-Point. „Dort wurde mir ziemlich pampig mitgeteilt, dass die anderen auch warten müssen und man mir bei so einem Andrang nicht helfen könne“, erzählt Winkler. Nach weiteren 20 Minuten Wartezeit wird sie dann doch 20 Nummern vorgezogen. Für sie kein Trost: „Ich fand es wirklich demütigend, wie wenig sich gekümmert wurde.“

Beim Kreisverwaltungsreferat ist man empört: „Ein Verhalten wie beschrieben entspricht absolut nicht unserem Selbstverständnis von einem zuvorkommenden und höflichen Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern“, so Sprecher Johannes Mayer. Selbstverständlich gebe es in allen Bürgerbüros Regeln für den Umgang mit Behinderten, die auch für Schwangere und Personen mit Kleinkindern gelten. Dass die bevorzugt behandelt würden, sei auch in der allgemeinen Geschäftsanweisung der Landeshauptstadt München vorgeschrieben. Wie das konkret aussieht, hängt vom Standort des Bürgerbüros ab.

KVR räumt ein: Bevorzugte Nummern müssen auch länger warten

Im Büro an der Orleansstraße hätte Verena Winkler laut KVR am Service-Point eine Sondernummer erhalten sollen. Dass auch die nicht immer ein sofortiges Drankommen garantieren kann, räumt die Behörde ein: „An Tagen mit hohen Besucherzahlen, an denen auch viele bevorzugte Nummern ausgegeben werden, kann es leider auch für diesen Personenkreis zu Wartezeiten kommen“, so Mayer. Winkler jedoch glaubt nicht, dass in ihrem Fall überhaupt Sondernummern vergeben wurden: „Der Mitarbeiter schrieb lediglich ein B auf meine Nummer, aber das sehe ja nur ich“, berichtet sie.

Inzwischen versucht sie, den Vorfall mit Humor zu sehen: „So schnell muss ich zum Glück nicht wieder zum KVR. Der Pass ist 15 Jahre gültig. Für andere Menschen in meiner Situation fände ich es aber schön, wenn so etwas nicht öfter vorkommt.“

Schon im vergangenen Jahr gab es regelmäßig zum Chaos im KVR. Es kam sogar zu einer Hass-Kampagne. Deshalb plante die Stadt eine gravierende Änderung, sodass es keine lange Warteschlange mehr geben soll.

Annika Schall

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