Haidhausen

Unionsbräu: Neuer Pächter für Traditionswirtschaft

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Igor Divjak ist neuer Unionsbräu-Wirt.

München - Nach zwei Jahren Leerstand hat das Wirtshaus wieder einen Pächter - die Brauerei im Keller ist allerdings Geschichte.

Der Mann hat ein beeindruckend breites Kreuz, und das braucht er: Er hat die Anwohner im Nacken, die keinen Lärm dulden. Die Löwenbräu AG, die ihn zum Absatz sehr vieler Hektoliter Bier verpflichtet. Den Bezirksausschuss, der kostenlose Räume für Haidhauser Vereine erwartet – und eine Fläche von 2000 Quadratmetern, die den Anforderungen moderner Gastronomie nicht entsprechen. Igor Divjak ist der neue Pächter im Unionsbräu.

Igor, wer? Der Nachfolger von Wiggerl Hagn ist, wie er selbst sagt, „kein Wiesnwirt, sondern ein ganz normaler Wirt.“ 40 Jahre alt, gelernter Koch und Hotelfachmann. Er habe sich, so verkündet stolz die GWG, in der Münchner Gastro-Szene einen Namen gemacht – als Betreiber des „Huiras“ in Laim. Jetzt tritt er an, um das Unionsbräu zu bewirtschaften, das seit mehr als zwei Jahren leer steht. „Das ist eigentlich ganz einfach“, sagt Divjak, „man muss nur Leben reinbringen.“

Wie berichtet hatte der erfahrene und erfolgreiche Wiesnwirt Wiggerl Hagn das Unionsbräu 2012 aufgegeben. Ein Draufzahlgeschäft sei die Gaststätte mit Brauerei im Keller gewesen. Ohne die Einnahmen durch die Wiesn hätte er sich das gar nicht leisten können. Die über vier Stockwerke verteilten, denkmalgeschützten Räume seien für eine moderne Gastronomie ungeeignet. Tatsächlich hatte die Stadt als Eigentümerin Probleme, einen Nachfolger zu finden. „Dass es so lange gedauert hat, liegt nicht an der Trägheit des Systems, sondern hat juristische Gründe“, erklärt Kommunalreferent Axel Markwardt. Löwenbräu sei nicht bereit gewesen, die Grunddienstbarkeit aufzulösen, die auf dem Anwesen laste. Sie verpflichtet den Pächter, nur Löwenbräu-Bier auszuschenken und auch alle anderen Getränke von der Brauerei zu beziehen. Zu festen Preisen. „Von Tagesangeboten, die der freie Markt bietet, kann man so nicht profitieren“, sagt Divjak. Er ist nicht der einzige Gastronom, den das nervt. In der Branche weitaus beliebter sind deshalb Objekte ohne Brauereibindung.

Und doch hat er das Angebot der Stadt angenommen. Ob ihm die Stadt mit einer günstigen Pacht entgegenkommt? Dazu will sich Kommunalreferent Markwardt nicht äußern – die Vertragsdetails seien vertraulich.

Divjak, ein sympathischer Typ, will das Unionsbräu folgendermaßen wirtschaftlich machen: Statt die gesamte Immobilie zu bewirtschaften, konzentriert er sich auf den Gastraum im Erdgeschoss. Das Obergeschoss will er nur bei Bedarf – Hochzeiten, Taufen, Sitzungen der Haidhauser Vereine – in Betrieb nehmen. Außerdem ist er bereit, die Räume ohne sein Catering zu vermieten. „Wenn einer Sushi will, kann er auch einen externen Caterer beauftragen. Alles ist möglich.“ In den Keller will er an Freitagen und Samstagen Partyvolk locken. Zwar wolle er keine zweite Sonnenstraße etablieren, aber Tanzveranstaltungen möchte er schon durchführen. Die Brauerei im Keller ist Geschichte: „Ich habe Koch gelernt, nicht Brauer.“ Z

weitens will Divjak mit Cocktail-Happy-Hour, Fußballübertragungen auf Sky und fest angestelltem Personal eine Stammkundschaft aufbauen. „Die Gäste sollen nicht nur wegen des Essens und Trinkens kommen, sondern weil sie die Mitarbeiter kennen.“ Auf der Karte sind fast keine Gerichte, die mehr als zehn Euro kosten. Aber auch kein Schweinsbraten. Stattdessen Burger, Pizza und Pasta, Thai-Currys und Burritos. Und einige wenige gutbürgerliche Gerichte. Divjak hofft, bis 1. September Renovierung und Umbau abgeschlossen zu haben. Viel kann er wegen der Denkmalschutzauflagen eh nicht ändern – sogar der Wandfarbe muss die Behörde zustimmen. Zumindest entstehen im Erdgeschoss und im Keller neue U-förmige Theken, die den Räumen eine andere Struktur geben.

Bettina Stuhlweißenburg

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