Überfall in Haidhausen

Kellner verjagt Räuber: Sein Augenzeugenbericht

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In dieser Bank (siehe Hintergrund) geschah der versuchte Überfall auf Vincent.

München - Zwei Unbekannte wollen einen Geldboten einer Pizzeria überfallen, der gerade die Tageseinnahmen aus dem Restaurant zu einer Bank bringt. Doch der 24-jährige Vincent (24) tut das einzig Richtige und holt sein Handy raus.

Vincent (24) hat Nerven aus Stahl. Der Beweis: Mitten in der Nacht und völlig auf sich gestellt trickste der Haidhauser Kellner (24) zwei Räuber aus, die ihm die Einnahmen abjagen wollten.

Vincent arbeitet seit drei Jahren im Haidhauser Ristorante L’Angolo de la Pizza in der Breisacher Straße. Wie jeden Abend brachte er auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Einnahmen zur Bank. Um 0.30 Uhr setzte sich der 24-Jährige in seinen BMW 318 und fuhr mit den Einnahmen zur 550 Meter entfernten Commerzbank am Ostbahnhof in der Wörthstraße. Er parkte direkt vor der Bank.

Ristorante-Chef Michelangelo Quaranta (r.) ist froh, dass Vincent bei dem Überfall in der Bank nichts passiert istFotos: Kruse

Da standen bereits zwei junge Männer mit dem Rücken zu ihm vor der Fensterfront. „Ich dachte, das sind zwei Betrunkene, die an die Wände pinkeln.“ Doch da irrte er sich: „Ich ging in die Bank und sah im Spiegel, dass mir jemand folgte!“ Das waren die beiden Typen, die ihn offensichtlich schon erwartet hatten. Sie trugen nun plötzlich Mützen mit Sehschlitzen auf den Köpfen. Einer schwang bedrohlich eine 80 Zentimeter lange, flaschendicke Holzstange!

Vincent reagierte blitzschnell. Er stieß die Tür zu, stellte seinen Fuß davor und lehnte sich dagegen. Dann fischte er mit einer Hand nach seinem iPhone 6 in der Hosentasche: „Ich tat so, als ob ich ein Foto von den beiden machen würde. Das gefiel ihnen nicht.“ Die beiden traten auf der Stelle den Rückzug an und verschwanden um die Ecke in die Belfortstraße.

Vincent wartete einen Augenblick. Dann zahlte er so schnell es ging das Geld am Automaten ein. „Ich bin dann sehr vorsichtig aus der Bank hinausgegangen. Aber es war niemand mehr da.“ Er stieg in sein Auto, fuhr zurück ins Restaurant und schloss alles ab. Ob er denn keine Angst hatte? „ Ein bisschen schon. Aber nicht sehr.“

In der Nacht rief Vincent noch seinem Chef Michelangelo Quaranta an und berichtete ihm von dem Überfall: „Ich bin vor allem froh, dass Vincent nichts Schlimmeres passiert ist. Ich bin wirklich beeindruckt von seinem Mut“, erkärte der Gastronom gegenüber der tz. Künftig wird keiner seiner Kellner mehr nachts allein die Einnahmen zur Bank bringen: „Das haben wir schon geändert.“

Gemeinsam erstatteten die beiden am nächsten Tag Anzeige wegen versuchten schweren Raubes bei der Polizei. Zur Zeit sichtet die Polizei (Kommissariat 21, Telefon 089/2910-0) die Aufnahmen der Videoüberwachung. Was darauf zu erkennen ist, ob die Täter vorher den späteren Tatort begutachtet haben, steht noch nicht fest.

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Kommentare

agniestaAntwort
(0)(0)

und hat der mutige kellner schon eine Freundin?
gibt's ein Foto von ihr?

BlindenhundAntwort
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Ganz oben steht es gleich dreimal geschrieben, aber lesen sollte man schon können? Er hat auch einen Namen!

CapitanoVicenza
(0)(0)

Falls Michelangelo ein monatliches Salär an jemanden abtritt, haben die zwei Räuber ein Problem außerhalb der Polizei, was weitaus schlimmere Strafen nach sich ziehen wird, hier vor allem als Exempel, Abschreckung und Warnung an andere Ahnungslose.
Dagegen spricht, dass die Polizei eingeschaltet worden ist, aber wie will man die Täter sonst irgendwie ausfindig machen, die betreffende Organisation ist nicht die NSA