Nachwuchs wird nur noch halbtags betreut

Schulsanierung stellt Eltern vor Probleme: „Wer kümmert sich um unsere Kinder?“

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Weiß nicht, wo sie ihre Tochter unterbringen soll: Cordula E. (o. li.) mit Tochter Linda (u. li.) und anderen Eltern und deren Kindern.

Die Grundschule am Mariahilfplatz wird saniert. Das hat für die Eltern Folgen. Denn die Kinder können nur noch vormittags betreut werden. Jetzt fordern die Betroffenen eine schnelle Lösung.

Viele Kinder freuen sich auf Mitte September, wenn sie zum ersten Mal zur Schule gehen. Cordula E. (45) graut es mittlerweile vor diesem Tag. Ihre Tochter Linda (6) wird die erste Klasse der Grundschule am Mariahilfplatz besuchen - vormittags. Wo sie die Nachmittage verbringt, wenn ihre Mutter in der Arbeit ist, steht noch in den Sternen. Denn rund um die Grundschule tut sich im Moment eine große Betreuungslücke auf, die viele Eltern der neuen Erstklässler vor große Schwierigkeiten stellt. E. spricht von einer „unglücklichen Verkettung vieler Umstände“, aber auch von einer „mangelnden Planung der Stadt“, die von dem Problem schon lange gewusst habe.

Und darum geht es: Die Grundschule am Mariahilfplatz wird umfassend saniert. Der Hort der Schule wird deshalb für das kommende Schuljahr keine neuen Schüler aufnehmen. Die Schüler, die bisher dort betreut wurden, werden für die Dauer der Umbauarbeiten auf andere Einrichtungen verteilt. Die Mittagsbetreuung der Schule muss wegen der Bauarbeiten vorübergehend in andere Räume ziehen, „höchstens Geschwisterkinder bekommen dort einen Platz“, sagt Cordula E.

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Personalangpass in zweiter städtischer Betreuungseinrichtung im Sprengel

Die zweite städtische Betreuungseinrichtung im Sprengel, das Haus für Kinder an der Kolumbusstraße, wo Linda derzeit den Kindergarten besucht, nehme ebenfalls keine neuen Schulkinder auf. Der Grund: Personalengpass. Als sie davon erfuhr, machte sich E. gleich auf die Suche nach Einrichtungen. „Bisher hagelt es nur Absagen.“ Was sie und viele Eltern ärgert: „Bei der Schuleinschreibung gab es keine Information zu dem drohenden Engpass.“

Gemeinsam mit anderen Eltern hat die Mutter nun einen Hilferuf an den Bezirksausschuss verschickt, ebenso an die Stadtschulrätin Beatrix Zurek. Die Eltern wollen wissen, warum die Stadt nicht früher etwas unternommen hat, wo doch seit Jahren feststehe, dass die Grundschule saniert werde. Zudem fragen sie sich, warum nicht vorübergehend Container für den Hort aufgestellt werden könnten. Nicht zuletzt wünschen sie sich mehr Informationen von der Stadt. E.: „Niemand kann uns sagen, wie lange die Sanierung dauert und wie es dann weitergeht.“

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Standorte für Interimspavillons geprüft

Das Schulreferat bestätigt, dass die zwei Kindergarten- und zwei Hortgruppen mit insgesamt 100 Kindern ab den Sommerferien auf vier umliegende Einrichtungen verteilt werden. Mögliche Standorte für Interimspavillons habe man geprüft: Der Mariahilfplatz sei wegen der Auer Dulten ungeeignet. Das Bildungsreferat habe Standorte geprüft, die aus verschiedenen Gründen nicht genehmigungsfähig gewesen seien. Auch Räume anzumieten, habe nicht geklappt. Betroffene sollten sich deswegen unbedingt an die Elternberatung der Stadt wenden.

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Diese Idee hatte auch Cordula E. schon. „Der Mitarbeiter war sehr freundlich, eine Lösung für mein Problem gab es nicht“, sagt sie. Laut Schulreferat sei sie eine von „vereinzelten Anfragen“, die bei der Beratungsstelle aus dem Bereich Au vorlägen. „Neben mir sind mindestens 23 andere Eltern betroffen“, hält Cordula E. dagegen. Zumindest hätten so viele auf dem Infoabend für Erstklässler an der Grundschule mit einer Unterschrift der Initiative von Cordula E. und den anderen Eltern zugestimmt.

Der Bezirksausschuss will sich in seiner kommenden Sitzung mit dem Thema beschäftigen. Die Eltern hoffen, dass dann vielleicht auch Vertreter der Stadt vor Ort sind.

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Doris Richter

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