Hygienestandards: mangelhaft

Wiener Platz: Standl werden wohl abgerissen

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Hübsch, aber nicht hygienisch: Der Markt am Wiener Platz wird abgerissen.

München - Münchens Märkte erfüllen die Hygienestandards nicht. Ein Studie zeigt, wie die drei betroffenen Ensembles am Wiener Platz, am Elisabethplatz und in Pasing sauberer werden können, ohne ihren Charme zu verlieren. Obwohl sie wohl abgerissen werden müssen.

Der kleinste der sogenannten kleinen Münchner Lebensmittelmärkte verursacht den größten Aufschrei: 5000 Bürger haben die Petition gegen den Abriss der Standl am Wiener Platz unterschrieben. Doch der Protest hilft nichts, wie die jetzt präsentierte Machbarkeitsstudie des Kommunalreferats zeigt. „Wir werden um einen Abriss nicht herumkommen“, sagt Kommunalreferent Axel Markwardt. Denn auch wenn die Standl putzig aussehen - sie sind so windig, dass für eine Modernisierung jegliche Substanz fehlt. Vor allem erfüllen sie die modernen Hygienestandards nur bedingt, die unter anderem Personaltoiletten samt Handwaschbecken vorschreiben.

Auch die Standlbetreiber auf dem Schwabinger Elisabethmarkt und dem Pasinger Viktualienmarkt haben Probleme, die Anforderungen zu erfüllen. Dass die Bezirksinspektion die Märkte noch nicht dicht gemacht hat, liege an den Bemühungen der Betreiber um Sauberkeit - und an den konkreten Planungen des Kommunalreferats, den Ist-Zustand zu ändern, sagt Markwardt.

Klar ist: Die Standl auf allen Märkten müssen größer werden, um den Hygienestandards zu genügen. Klar ist aber auch, dass die Zahl der Buden nicht reduziert werden darf. Das hatte das Kommunalreferat dem mit der Machbarkeitsstudie beauftragten Architekturbüro Bogevischs zur Bedingung gemacht. Ein Spagat, der den Planern gelungen ist, indem sie die Standl auf den Märkten neu angeordnet und damit Zwischenräume eingespart haben.

Für den Wiener Markt stehen zwei Varianten zur Auswahl. Die eine sieht vier Gebäude vor, die jeweils mehrere Standl unter ihrem Dach vereinen. Die andere sieht einen Rundbau vor, der alle Standl vereint. Derzeit haben die Buden auf dem Wiener Markt eine Gesamtfläche von nur 240 Quadratmetern. Die Betreiber wünschen sich fast 400 Quadratmeter, wie eine Befragung ergab. Möglich sind laut der Studie immerhin 307 Quadratmeter, also 67 Prozent mehr. Den Standln ein Obergeschoss zu verpassen, ist nicht vorgesehen, da der spezielle Charakter des Wiener Marktes nicht zuletzt im Kontrast der Maßstäbe zwischen Hütten und umliegenden Bürgerhausern bestehe, erklärt Rainer Hofmann von Bogevischs.

Auch den Standln auf dem Elisabethmarkt droht wohl der Abriss. Derzeit nehmen sie dort insgesamt 1087 Quadratmeter ein, die Händler wünschen sich 1773 Quadratmeter. Die Varianten, die die Stadt vorschlägt, schaffen zirka 25 Prozent mehr Standlfläche. Variante eins sieht für alle Standl zwei Gebäude vor, die von einem Dach überspannt werden. Variante zwei besteht aus mehreren Einheiten, die jeweils drei Standl umfassen. Lagerflächen und Parkplätze sollen unter die Oberfläche verlegt werden.

Für Pasing, derzeit 714 Quadratmeter groß, schlagen die Planer einen Neubau vor, der dem Grundriss des alten folgt, aber breitere Gebäude hat. Damit könnten 27 Prozent mehr Fläche geschaffen werden. Alternativ ist ein Obergeschoss denkbar.

Markwardt betont, die Konzepte sagten nichts über die äußere Gestaltung der Standl aus. Material, Dachformen, Fassaden - alles noch offen. Priorität habe, den individuellen Charakter eines jeden Marktes zu erhalten. „Wir wissen, dass die Märkte keine Discounter sind, in denen man schnell das Notwendige kauft. Sie haben Aufenthaltsqualität.“

Damit der Marktbetrieb während der Modernisierung weitergehen kann, strebt die Stadt Zwischenlösungen an. Wie die aussehen, kann Markwardt noch nicht sagen. „Wir wissen ja noch nicht, welche Varianten realisiert werden, und davon hängt die Zwischenlösung ab.“ In die weitere Diskussion sollen auch die Anwohner einbezogen werden. Anfang 2016 soll der Stadtrat entscheiden.

Bettina Stuhlweißenburg

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