Seehofer und Reiter mit Radikallösung

Wird die Philharmonie am Gasteig abgerissen?

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Noch nicht bezahlt und schon vor dem Abriss: Der Gasteig.

München - Seehofer und Reiter wollen bei der Konzertsaal-Debatte Nägel mit Köpfen machen. Immer realistischer erscheint eine Radikallösung: Ein Abriss des Gasteig und ein Neubau einer Isar-Philharmonie.

Seit Monaten wabert die Konzertsaal-Debatte, die Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) anstieß, als er einen eigenen Konzertsaal für die BR-Symphoniker versprach. Am Montag wollen Seehofer und OB Dieter Reiter (SPD) Nägel mit Köpfen machen, und dabei ist sehr wahrscheinlich, dass eine neue Variante heraus kommt: Der Abriss des Gasteig und ein Neubau einer Isar-Philharmonie, die Stadt und Freistaat gemeinsam schultern.

Gut möglich, dass die beiden Politiker den gordischen Knoten durchschlagen und dafür sorgen, dass zwei Probleme auf einmal gelöst werden: Die der 1984 eröffneten Gasteig-Philharmonie ist gefürchtet. Damit müssen die Münchner Philharmoniker, eine städtische Einrichtung, zurecht kommen.

Und gleichzeitig wollen die BR-Symphoniker die sozusagen als Untermieter ebenfalls im Gasteig spielen, einen eigenen Konzertsaal. Den versprach Seehofer vor der Landtagswahl 2013, und seitdem gibt es schon ein Dutzend Vorschläge für einen Standort.

Beteiligt sich der Freistaat?

Zuletzt legte sich eine Kommission des Freistaates auf den Finanzgarten an der Galeriestraße fest. Die Stadt müsste derweil für die Sanierung des Gasteiges 300 Millionen Euro in die Hand nehmen, dabei ist das Kulturzentrum nicht einmal abbezahlt, noch bis 2030 läuft der in den 80er-Jahren von OB Erich Kiesl (CSU) durchgesetzte Leasingvertrag, rund 50 Millionen Euro müsste die Stadt an Ablöse bezahlen.

Die Lösung: „Seit Oktober ist im Gespräch, dass sich der Freistaat an der Finanzierung des Umbaus beteiligen könnte“, so Bürgermeister Josef Schmid (CSU) zur tz. „Wenn sich Seehofer wirklich beteiligt, würde das für die Maximalvariante Neubau sprechen.“

OB Reiter will sich vor dem Gipfel nicht äußern, aber seine Sprecherin Petra Leimer-Kastan sagt: „Das wäre eine interessante Variante.“ Das Problem bei der Sache: Es gäbe weiterhin nur einen Konzertsaal. Dafür hat der kulturpolitische Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion, Richard Quaas, eine Lösung: „Innerhalb der Residenz-Außenmauern könnte ein neuer, größerer Saal mit den erforderlichen Funktionsräumen errichtet werden, der den heutigen akustischen und betrieblichen Ansprüchen genügt.“

Den Denkmalschutz für den 50er- Jahre-Innenausbau sollte man überdenken.

Wo wird nun gespielt

Ob Abriss oder Sanierung: Die Philharmonie im Gasteig wird dem Münchner Klassik-Publikum auf Jahre nicht zur Verfügung stehen. Die Suche nach Ersatzspielflächen läuft schon.

Der Herkulessaal in der Residenz könnte als eine Ausweichstätte dienen, doch das reicht bei weitem nicht aus, zumal auch dieser Saal saniert werden soll. Richard Quaas, der kulturpolitische Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion, hat schon Ideen, wo die Orchester während der Bauzeit spielen könnten: „Da wäre zum einen die nicht ausgelastete kleine Olympiahalle, die man mit einigen Einbauten zum provisorischen Konzertsaal umfunktionieren könnte“, so Quaas.

Auch ein Zelt könne er sich vorstellen. „Das Deutsche Theater war während des Umbaus in eine Zeltstadt in Fröttmaning umgezogen.“ Und dann hat Quaas den Kongress-Saal des Deutschen Museums im Auge: Hier fanden bis in die 80er Jahre die Jahreshauptversammlungen von Siemens statt, vor dem Bau der Olympiahalle war es DIE Halle für Pop- und Rockkonzerte in München schlechthin, bevor es zum Kinopalast umfunktioniert wurde, der 2010 wieder schloss.

Quaas: „Das Museum will zwar langfristig die ehemalige Kongresshalle wieder zu einem repräsentativen Eingangsbereich umbauen, bis es so weit ist, werden aber noch Jahre vergehen, solange könnte die Kongresshalle durchaus als Philharmonie-Ersatz dienen.“

Johannes Welte

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