Neue Serie mit alten Bildern - Teil 10

Zeitreise durch München: So sahen Hauptbahnhof, der Wiener Platz und der Hirschgarten damals aus

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Der Münchner Hauptbahnhof 1839 stand damals noch nicht an der Stelle des heutigen Baus. 

München hat sich rasant verändert. Der Geschichte der Stadt wollen wir mit einer neue Serie gedenken. Wie sahen bekannte Straßen oder Plätze früher aus? Wir zeigen es Ihnen!

Wer blättert nicht gern durch ­alte ­Fotoalben? Einfach kurz mal Luft holen und in Erinnerungen schwelgen – herrlich! Meist fällt dann schnell der Satz: „Mei, schau, wie das früher ausg’schaut hat!“ Und genau das wollen wir jetzt tun, liebe Leser. Wir werfen einen Blick zurück in unserer großen Serie München ­damals und heute. Unsere Stadt hat sich über all die Jahre stark verändert. Die Industrialisierung, später die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dann die Boom-­Jahre. Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 1850 hatte München knapp 100 000 Einwohner, ein Jahrhundert später waren es 831 000 Bürger. Heute sind es rund 1,5 Millionen, Tendenz steil steigend. Doch wie hat sich die Stadt im Detail verändert? Unser Fotograf Heinz Gebhardt (r.) hat sich auf Spurensuche begeben, tagelang in ­alten Archiven gekramt. Hier präsentieren wir die Ergebnisse seiner Zeitreise. Und ­seien Sie sich sicher – es wird nicht lange dauern, bis Sie rufen: „Mei, schau, wie des früher ausg’schaut hat!“

Der Hauptbahnhof: Als die Stadt zum Zug kam

Sieht fast ein bisserl aus wie ein Wimmelbild – die Zeichnung vom Münchner Bahnhof, die Sie auf dem Bild sehen. Es handelt sich um eine Lithografie von Gustav Kraus, und sie zeigt den 1. September 1839. Damals begann in München das Eisenbahnzeitalter: Mit einer Probefahrt der Lokomotive Vesta testete man die erste Strecke bis Lochhausen.

Der Münchner Hauptbahnhof 1839 stand damals noch nicht an der Stelle des heutigen Baus. 

Ab dem 4. Oktober 1841 konnte man dann mit der 105 PS starken Lokomotive „Der Münchner“ aus der Fa­brik von Josef von Maffei mit damals sensa­tionellen 59 Stundenkilometern bis nach Augsburg dampfen. Vor der Jungfernfahrt wurde die Lok in einem Triumphzug vom Maffei-Werk in der Hirschau quer durch die Stadt zum Bahnhof begleitet.

Was man auf dem Bild – durch den Dom im Hintergrund – auch deutlich erkennen kann: Der Bahnhof, stand damals noch nicht an der ­Stelle des Hauptbahnhofs, sondern auf Höhe der heutigen Marsstraße mit dem Circus Krone. Als das Bahnfahren immer populärer wurde, musste der Bahnhof weiter in die Stadt hineinverlegt werden. Und ab 1847 baute Friedrich Bürklein im Auftrag König Ludwigs I. an der heutigen Stelle den ersten großen Hauptbahnhof in München.

Der Wiener Platz: Zeitloser Anblick

Es gibt sie noch in München: Plätze, bei denen man meinen könnte, die Zeit sei stehengeblieben: Einer davon ist der Wiener Platz, das Herz von Haidhausen. Natürlich mit der neuen Johann-Baptist-Kirche im Zentrum, die von Matthias Berger 1878 gebaut und zur selben Zeit von Ferdinand Joel gemalt wurde. Mit seinen 97 Metern ist der Turm einer der höchsten in München.

Der Wiener Platz von 1878 hat sich im Vergleich zu heute nur wenig verändert. 

Der Platz davor war der Ausgangspunkt für die Kutschen nach Wien gewesen. Und so lag es nahe, ihn nach der Eingemeindung von Haidhausen 1854 „Wiener Platz“ zu benennen.

Auch der Wiener Markt mit dem Maibaum hat ­seine langsam gewachsene Ansicht behalten. Neu dazugekommen ist nur der Fischerbuberl-Brunnen, der nach dem Wiederaufbau der Schrannenhalle auf dem Viktualienmarkt 2005 dort keinen Platz mehr hatte und nach Haidhausen durfte. Das bronzene Brunnenbuberl von Ignatius Taschner wurde erst so angebracht, dass es den Blick zum Isarhang richtete. Weil der Knabe dadurch den Standl­besitzern den ­nackerten Po entgegenstreckte, beschwerten sich diese. Also drehte das Bau­referat die Figur einfach um.

Der Hirschgarten: Die Wüste lebt wieder

Der Hirschgarten 2007 und heute. 

Erst vor einem Jahrzehnt war hier eine riesige Bauwüste: Im Jahr 2007 hatte die Bahn das riesige Gelände am Hirschgarten aufgegeben. Die Stadt stürzte sich regelrecht auf das Areal, um neue Wohnungen entstehen zu lassen. Heute ist die ehema­lige Kieswüste mit Stadtleben gefüllt.

Ursprünglich gehörte das Areal zu einem 44 Hektar großen Jagdrevier von Kurfürst Karl Theodor (1724–1799), der auch den Englischen Garten anlegen ließ und nach dem der Karlsplatz benannt ist. Der Wald wurde seit dem 18. Jahrhundert als Fasanerie genutzt. Und damit nicht genug: Seit 1767 gab es dort Hopfengärten für die kurfürstlichen Brauhäuser, ehe man 1786 die Fläche für 17.000 Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht des Kurfürsten brauchte. Jaja, der Adel und seine Hobbys…

Erst viel später wurde auf dem südlichen Teil des Hirschgartens ein Rangierbahnhof angelegt.

Lesen Sie morgen: Der Steg am Stachus

Sie wollen noch mehr alte Fotos von München sehen? Hier finden Sie alle Teile der Serie:

Zeitreise durch München: So sahen Maximilianstraße und Co. früher aus

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Heinz Gebhardt

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