Ausgenutzte Gefühle

Abgezockt und gedemütigt: So brachte ein Liebes-Betrüger diese kranke Münchnerin um 120.000 Euro

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Mit lieben Worten und falschen Fotos erschlich sich ein Betrüger Elisabeths Vertrauen.

Jedes Jahr nehmen Liebes-Betrüger tausende Menschen im Internet aus. Die perfide Masche: Mit geklauten Fotos und falschen Liebesbekundungen machen so genannte Love-Scammer (von englisch scam: Betrug) Jagd auf einsame Herzen und bringen sie um viel Geld. Auch Elisabeth Scholz aus Aubing.

München - Elisabeth Scholz klickt auf die Bilder, die ihr einst so viel Hoffnung gaben. „Ich wollte doch nur eine Familie haben“, sagt sie leise. Lange hat sich die schwer kranke Frau niemandem anvertraut. Zu groß war die Scham darüber, dass ihre Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung sie in den finanziellen Ruin getrieben hat.

Ihr Albtraum begann im Dezember 2016. „Mich hat ein Typ auf Facebook angeschrieben“, erzählt die 48-Jährige. Eine lockere Unterhaltung entwickelte sich zwischen ihr und „Donnald Smith“ – einem verwitweten US-Soldat, der in Syrien stationiert ist. So schrieb er. „Er hat ein Übersetzungsprogramm benutzt.“ Die ehemalige Büroangestellte ist seit zehn Jahren schwer an Krebs erkrankt. „Das Schreiben hat mich abgelenkt“, sagt sie. Fast täglich tauschten sie sich aus. Er offenbarte ihr, dass er Gefühle für sie habe. „Er hat mir sehr nette Dinge geschrieben und Fotos von sich und seinem Sohn geschickt.“ Später sollte sich herausstellen: Diese Bilder waren alle nur aus dem Internet geklaut.

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Liebes-Betrüger greift per Internet und Telefon zu perfiden Tricks

Der Betrüger sagte ihr auch, er wolle nach Deutschland kommen – zu ihr. Sie schickte ihm Fotos von ihrer Wohnung, stellte sich vor, wie ein Leben zu zweit – oder gar zu dritt mit dem Sohn, den er angeblich hatte – sein würde. Der Weg aus der Einsamkeit: Er schien zum Greifen nah. „Er hat mir geschrieben, dass er ein Spezialpaket fertig gemacht hat.“ Darin seien 300.000 Dollar, eine goldene Uhr sowie eine Rose für sie. „Ich sollte einen Teil des Geldes an seinen Sohn überweisen, der krank ist.“

Auch der Sohn schrieb ihr. Im Anhang ein Foto, das einen kleinen Buben mit Atemmaske zeigte. „Den Rest des Geldes sollte ich aufheben, damit er es auf sein Konto einzahlen kann, wenn er in Deutschland ist.“ Doch dann schrieb die „Frachtfirma“, dass das Päckchen nicht durch den Zoll komme. Sie müsse 11.000 Euro überweisen, damit es freigegeben werde. Sie zahlte.

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Doch wieder gab es Probleme. Sie sollte noch mal 80.000 Euro überweisen. Sie schrieb „Donnald“, dass sie nicht so viel Geld habe. Daraufhin rief ein angeblicher Mitarbeiter der Frachtfirma von einem deutschen Handy aus an. „Er hat gesagt, dass er Bekannte hat, die mir einen Teil des Geldes leihen können.“ Elisabeth wollte zum Flughafen fahren, die Sache regeln. „Aber das ging angeblich nicht, weil nur Mitarbeiter der Firma Zutritt haben.“ Die Aubingerin schickte wieder Geld.

Eine lockere Unterhaltung entwickelte sich mit einem verwitweten US-Soldat, der in Syrien stationiert ist. So schrieb er.

Es folgten weitere „Notlagen“, stets verknüpft mit Forderungen: „Er hat Geld gebraucht, damit er sich von der Armee freikaufen kann und für medizinische Notfälle seines Sohnes.“ Auch sein Flugticket nach Deutschland bezahlte sie. Wieder ging was schief. „Er konnte nicht zum Abflug in die Türkei, weil er in Syrien unter Beschuss war.“ 120.000 Euro überwies Elisabeth insgesamt auf Konten in der ganzen Welt: „Immer wenn ich Zweifel hatte, hat wieder jemand mit mir Kontakt aufgenommen, der mir die Geschichte bestätigt hat.“ „Donnald“ griff zu perfiden Tricks, um sie emotional unter Druck zu setzen. Sie ahnte langsam: Dieser Mann will nur ihr Geld. „Er hat sich Tag und Nacht gemeldet, mich tyrannisiert. Ich habe ihm mehrmals geschrieben, dass ich nicht mehr kann und nichts mehr habe. Da hat er geantwortet, dass ich mein Auto verkaufen soll.“

Erst als ihre Schwester die Überweisungen sieht, nimmt der Albtraum ein Ende. Die Frauen erstatten Anzeige. Wie es weitergehen soll, weiß Elisabeth nicht. „Mein gesamtes Erspartes ist weg. Ich habe 10.000 Euro Schulden.“ Geld, das sie für ihre Pflege dringend braucht. Und obwohl die vom Schicksal gebeutelte Frau fast nie weint – beim Gedanken an die so nah geglaubte „eigene Familie“ kommen ihr die Tränen.

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Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Aubing – mein Viertel“.

Daniela Schmitt

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