Abriss droht

Aubinger sorgen sich um ihren „Burenwirt“

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„Ortsbildprägend“, findet Klaus Bichlmayer die 1899 eröffnete Gaststätte an der Altostraße 7.

In Aubing bemüht man sich seit Jahren um den Erhalt des ehemaligen Dorfkerns. Nun droht einem der ortsbildprägenden Häuser in der Hauptstraße, in dem seit mehr als einhundert Jahren die Gaststätte „Burenwirt“ beheimatet ist, womöglich der Abriss.

Der Förderverein „1000 Jahre Urkunde Aubing“ schlägt Alarm und hat bereits um Unterstützung bei der Stadt gebeten, auch wenn es sich bei dem Burenwirt um Privatbesitz handelt. „Aus zuverlässiger Quelle“, so heißt es in dem Schreiben an Stadtbaurätin Elisabeth Merk, will man beim Verein erfahren haben, dass für das Grundstück an der Altostraße 7 ein Käufer gesucht werde. Dort aber steht laut Verein ein „besonders schützenswertes und ortsbildprägendes Gebäude“, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreiche, sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Bichlmayer. 1899 wurde an der Stelle des ehemaligen Stadels ein Gasthof errichtet. Aus Zeichen der Sympathie für die damaligen Burenkriege benannte ihn der damalige Besitzer „Zum Burenwirt“. Der heutige „Burenwirt“ ist seit Jahrzehnten für die Aubinger und die zahlreichen Vereine ein beliebter Treffpunkt, sagt Bichlmayer. Seit 1933 gibt es dort außerdem eine Metzgerei.

Sollte das Haus verkauft und möglicherweise abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden, stehe ein Stück Identität auf dem Spiel, formuliert es der Förderverein drastisch in seinem Schreiben. Damit würde man aus dem Gesamtensemble ein wichtiges Teil herausbrechen und dessen Charakter empfindlich stören, argumentiert Bichlmayer. „Erst vor wenigen Monaten sind vom Landesdenkmalrat und vom Landesamt für Denkmalpflege die Denkmaleigenschaften des ehemaligen Ortskerns von Aubing bestätigt worden.“ Dazu zähle auch das Burenwirt-Haus, das laut den Experten für die ganze südliche Altostraße ein ortsbildprägendes Objekt darstelle.

Mit dem Schreiben an die Stadt, an das Landesamt für Denkmalpflege und auch den örtlich zuständigen Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied will der Verein frühzeitig erreichen, dass von dieser Seite aus an den Eigentümer appelliert wird, das Gebäude zu erhalten und möglichst zu sanieren, zum Beispiel aus Mitteln der Städtebauförderung.

Auf einem ähnlich großen Grundstück in Aubing sei der Förderverein leider zu spät gekommen, sagt Bichlmayer. Dort seien ebenfalls das Ensemble prägende Häuser abgerissen und durch Neubauten ersetzt worden. Deshalb wolle man sich mit allen Mitteln rechtzeitig dafür einsetzen, dass das erstmals um 1640 als Prödt- oder auch Predt-Hof erwähnte Anwesen, das dem Kloster Ettal gehört habe, nicht das Gleiche passiere. „Wir wollen die städtischen Behörden sensibilisieren“, begründet Bichlmayer das Vorgehen seines Vereins. Keinesfalls sollte ein Bauvorbescheid erlassen werden, bevor nicht denkmalrechtlich wichtige Punkte geklärt seien, fordert man die Stadtbaurätin auf. Sollte es dennoch zum Verkauf kommen, dann hat Bichlmayer die Hoffnung, dass eine Stiftung auf das Grundstück und das historische Gebäude aufmerksam wird und wie beim nahe gelegenen Gut Freiham in dessen Erhalt investiert.

Monika Wehrl-Herr

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