Rentner handelte aus Mitleid

Er erstickte demente Ehefrau im Schlaf – darum bleibt er trotzdem frei

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Reimund F. (86) wird in Kürze zurück in sein Pflegeheim gebracht.

Aus Mitleid hatte ein 86-Jähriger an Weihnachten vor einem Jahr seine Ehefrau im Schlaf erstickt. Doch der Rentner muss dafür nicht ins Gefängnis. Aus diesem Grund.

München - Im gemeinsamen Ehebett hatte Reimund F. seine Frau Maria (85) erstickt – weil er sie von ihrem Leid erlösen wollte. Seit Jahren hatte die 85-Jährige Herzprobleme, litt an Demenz und Atemnot. Das konnte ihr Mann nicht mehr ertragen und drückte ihr am zweiten Weihnachtsfeiertag 2016 einen Waschlappen ins Gesicht, bis sie nicht mehr atmete.

Für die Tat muss er jedoch weder in die Psychiatrie noch ins Gefängnis. So entschied das Landgericht am Donnerstag. Wegen Totschlags war Reimund F. eigentlich angeklagt. Von Anfang an ging es im Prozess aber nicht um eine Haftstrafe, sondern um die Frage, ob der Rentner dauerhaft in die Psychiatrie muss.

In Kürze soll der 86-Jährige in sein Pflegeheim zurückzukehren

Seine Unterbringung lehnte Richter Norbert Riedmann am Donnerstag ab. Die Begründung: Reimund F. sei nie aggressiv gewesen, bei der Tat handle es sich vielmehr um eine „einmalige spezielle Situation“. Laut Urteil gehe von dem Rentner keine Gefahr mehr aus. „Von ihm sind keine Straftaten zu erwarten“, glaubt Riedmann. Obwohl Reimund F. einen Menschen umgebracht hat, entließ ihn das Gericht damit als freien Mann. In Kürze wird er zurück in sein Pflegeheim gebracht, wo er seit Jahren betreut wird. Zum Urteil trugen auch die Tatsachen bei, dass F. unter Demenz leidet und an den Rollstuhl gefesselt ist. Im Prozess konnte er sich nicht mal an den Namen seiner Eltern erinnern. Auf die Frage nach seiner Frau sagte er nur: „Sie ist gestorben.“ Mehr als sechzig Jahre lang waren beide verheiratet und lebten gemeinsam in Aubing. Bis Reimund F. das Röcheln seiner Frau nicht mehr ertrug und ihr Leben beendete.

Danach hatte er versucht, sich selbst mit einem Messer zu verletzen. Sein Sohn, der im selben Haus lebt und Reimund F. am Weihnachtsmorgen besuchte, konnte aber Schlimmeres verhindern und rief die Polizei. Kurz darauf nahmen Beamte den blutverschmierten Rentner fest, das Messer hatte er in die Badewanne geworfen. Seine tote Frau lag noch im Bett. „Sie wollten gemeinsam sterben“, sagte die Tochter vor Gericht. So hatte es Reimund F. auch in der Vernehmung bei der Polizei erzählt. Ein Leben ohne seine Frau mache für ihn keinen Sinn. Er habe sie von ihrem Leid erlösen wollen. Reimund F. sah den gewaltsamen Tod seiner Frau als Akt der Nächstenliebe, das wurde vor Gericht klar.

Trotzdem musste sich der 86-Jährige dem Prozess stellen. Selbst die Staatsanwaltschaft hatte für ihn am Ende nur die Unterbringung auf Bewährung gefordert mit dem Ziel, dass der Rentner zurück ins Pflegeheim kann. Er solle nur dann wieder in die Psychiatrie, wenn er noch einmal eine Straftat begehe. Strafrichter Norbert Riedmann sah dann auch keinen Sinn in einer psychiatrischen Unterbringung.

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thi

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