Friedhof der Ur-Bayern entdeckt!

Spektakulärer Fund bei Ausgrabungen in Freiham

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Dr. Jochen Haberstroh vom Landesamt für Denkmalpflege (oben, v.l.), Grabungsleiter Matthias Leicht und Kommunalreferent Axel Markwardt wagen einen Blick in die Frühzeit.

München - Was für ein Fund! Archäologen haben einen spät-römischen Friedhof mit 20 Gräbern in Freiham freigelegt. Dort bestattet: Die "Vorläufer der Bayern".

Es ist eines der großen Rätsel der Geschichte: Wer waren die Bajuwaren? Wo kamen sie her? Archäologen ist es jetzt gelungen, in Freiham einen Blick in jene Zeit zu werfen, als aus der römischen Provinz Rätien das Kernland des heutigen Bayerns wurde. Die Forscher haben in den vergangenen Monaten dort einen spät-römischen (oder früh-bajuwarischen?) Friedhof mit 20 Gräbern freigelegt.

Dr. Jochen Haberstroh, für München zuständiger Referatsleiter des Landesamtes für Denkmalpflege, schwärmt, wenn er an den flachen Grabmulden steht. „Ein außergewöhnliches Großprojekt“ nennt er die Grabungen, die das Kommunalreferat durchführen lässt. Acht Millionen Euro kosten die Arbeiten auf vier Hektar Fläche – um der Wissenschaft vor dem Bau des neuen Stadtteils Freiham einen Blick in die Vergangenheit zu ermöglichen.

Zwei Gewandspangen sind aufschlussreich

Was die Archäologen hier fanden, wo bald Wohnhäuser stehen werden, sind für Haberstroh „Vorläufer der Bayern“. Die Menschen, die am Ende des vierten und am Beginn des fünften Jahrhunderts in der Nähe gewohnt haben, wurden mit Blick exakt nach Norden, Süden, Westen oder Osten beerdigt. Außerdem entdeckten die Archäologen eine Grube mit Knochenresten, die auf Feuerbestattungen hinweist.

Speckstein-Schüsseln wurden unter anderem in den Gräbern gefunden.

Letzteres wäre typisch für heidnische Römer. Die 20 Gräber deuten dagegen auf einen Übergang zur christlichen und bajuwarischen Bestattung hin. Auch zwei Gewandspangen sind aufschlussreich: Ein Mann wurde mit einem aufwändigen römischen Exemplar bestattet, ein anderer in späterer Zeit mit einer einfacheren germanischen Gewandspange.

Forscher gehen schon lange davon aus, dass sich die römischen Siedler, die auch keltische Vorfahren hatten, schon vor dem Ende des römischen Reichs allmählich mit germanischen Zuwanderern aus Gegenden jenseits der Donau vermischt hatten und so der Stamm der Bajuwaren entstand. Zwei Generationen nach dem Ende der Bestattung in Freiham wurden bei Aubing im späten fünften Jahrhundert der älteste bekannte bajuwarische Friedhof angelegt.

Etwas später tauchen die Ur-Bayern auch in den frühmittelalterlichen Aufzeichnungen auf.

J. Welte

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