Rentnerin (73) verzweifelt

Hilfe, mein Haus wird zur Bruchbude - ist der Aubinger Tunnel Schuld an der Wasser-Hölle?

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Gertrud Schlickenrieder zeigt die Schäden in ihrem kleinen Häuserl in Aubing.

Die Wände sind feucht, Schimmel hat sich gebildet, Kabel stehen aus dem Mauerwerk. Gertrud Schlickenrieder ist verzweifelt. Seit unter ihrem Haus der Aubinger Tunnel gebaut wurde, bricht ihr Haus immer mehr zusammen.

München - „Der Tunnel macht mein Haus kaputt!“, klagt die 73-Jährige unter Tränen. Der Fall: Unter dem Häuschen der alten Dame verläuft der Aubinger Tunnel. „Als ich 1998 mit meinem Mann eingezogen bin, war es trocken.“ 2002 startete der Tunnelbau – die Odyssee begann. „Wir sind eines Abends heimgekommen und das Haus stand unter Wasser – es war alles kaputt! Wir haben mehrere Zehntausend Euro für die Renovierung bezahlt.“

Doch es kam noch schlimmer – weitere Überschwemmungen suchten das Häusl heim. „Die schlimmste war 2013. Die Wände waren bis oben nass. Es gab Schmorbrände, weil sich die Leitungen erhitzt haben.“ Sie versuchte, die Wände selbst zu sanieren. Ihr Ehemann war mittlerweile verstorben.

Unter dem Haus Am Langwieder Bach verläuft der Tunnel.

„Als ich die Fliesen abgeschlagen habe, kam mir das Wasser entgegen!“ Bei Stark­regen werde das Grundwasser von unten hochgedrückt. Ihr Vorwurf: Baupfusch! „Die haben beim Tunnelbau keine Drainagen zur Entwässerung gelegt. Das Wasser kann nicht ablaufen!“

Auf tz-Anfrage weist die Autobahndirektion Südbayern die Vorwürfe zurück. Der Tunnel sei ordnungsgemäß errichtet worden. „Durch zahlreiche Grundwassermessstellen wird regelmäßig überprüft, ob die Auflagen aus dem Genehmigungsverfahren, dass maximal ein Aufstau des Grundwassers von 30 Zentimetern zulässig ist, auch eingehalten wird. Alle Messungen haben die Einhaltung dieser Grenzwerte bestätigt“, teilt ein Sprecher mit.

Sebastian Kriesel ist skeptisch. Der Chef des Aubinger Bezirksausschusses ist in der Nähe aufgewachsen. „Wenn die Autobahndirektion sagt, dass da nichts dahintersteckt, kann ich mir das erst mal nicht vorstellen.“ Der Grundwasserspiegel in Aubing sei von vornherein an manchen Stellen sehr hoch. Denn: Durch die Bodenbeschaffenheit mit Lehm und Torf hat es früher in Aubing und Lochhausen viele Ziegeleien gegeben.

Lehm versiegelt eigentlich den Boden – aber nicht überall: „Das Wasser fließt mal über und mal unter den versiegelten Schichten vorbei. Deshalb verläuft das Grundwasser wellenartig. In manchen Bereichen ist es nur einen Meter unter der Erdoberfläche.“

So wie bei Gertrud Schlickenrieder. Kriesels Mutmaßung: „Das Haus liegt südlich vom Tunnel. Das Grundwasser fließt von Süd nach Nord.“ Durch die Spundwände in den unterirdischen Grundwasserstrom staue sich das Wasser vermutlich vor den unterirdischen Wänden auf und werde dann nach oben gedrückt. „Auch wir hatten in meinem Elternhaus seit dem Bau der Autobahn immer wieder Wasser im Keller. In halb Aubing sind die Keller vollgelaufen.“

Schlickenrieders Anliegen sei geprüft worden, betont der Sprecher der Autobahndirektion. Eine Verursachung von eventuellen Schäden durch Bau und Bestand der Autobahn sei jedoch ausgeschlossen worden. „Unsere Mitarbeiter haben mehrfach mit Frau Schlickenrieder gesprochen und versucht, mit ihr eine Lösung zu finden.“

Von wegen, kontert sie: „Die haben versucht, mich mit 1000 Euro abzuspeisen!“ Trotz allem will sie in dem Haus ausharren. „Hier ist meine Heimat, wo ich mit meinem Mann einmal sehr glücklich war. Aber das ist lange her …“

Daniela Schmitt

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