Ungewöhnliche Verwarnung

Über dieses Knöllchen freut sich jeder Falschparker

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Dieses Knöllchen ist nur auf den ersten Blick unheilbringend - denn wenn man die Seite wendet, wird man darüber aufgeklärt, dass man nur vorgewarnt wird. Eine Sonderregelung für die "Park& Ride"-Plätze in München.

München - Oh nein, ein fieser weißer Zettel klemmt unter dem Scheibenwischer: Das kann einem so richtig den Tag versauen - nicht unbedingt. In München gibt's ein ganz besonderes Knöllchen.

"Bitte lass es Werbung sein oder eine dieser Visitenkarten, mit denen jemand ausdrücken will, wie unglaublich toll er dein Auto findet und dass er es sofort kaufen will." Solche oder ähnliche Gedanken dürfte jeder Autofahrer kennen, der sich gerade seinem Gefährt nähert und diesen verräterischen weißen Zettel unter dem Scheibenwischer entdeckt. Vor allem, wenn man weiß, dass man aus irgendwelchen Gründen kein Parkticket gelöst oder falsch geparkt hat. Mit Zähneknirschen zieht man das Papier heraus - und hofft nur noch, dass der Strafzettel nicht allzu teuer wird.

Ganz anders kann es laufen, wenn man sich auf einem der 34 Münchner "Park & Ride"-Parkplätze befindet. Da kann einem das Knöllchen sogar ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Denn in München und der direkten Umgebung gibt es etwas, das nicht viel mit dem üblichen Strafzettel zu tun hat: ein Knöllchen, das einen nur vor einem richtigen Knöllchen warnt. Dieses Mal kommt man noch ohne Strafe davon, das Kennzeichen ist aber notiert, und beim nächsten Mal werden dann 30 Euro fällig. Dann ist Schluss mit lustig. Jetzt fragt man sich aber schon: Werden Falschparker hier verschont? Warum?

Verständnis für "einmaliges Falschparken"

Ganz so einfach ist das natürlich nicht, betont Stefan Reinhold, Prokurist der Münchner "P+R Park & Ride"-Gesellschaft. "Wir drücken ein Auge zu, weil es zum Beispiel passiert, dass der kleine Parkschein in den Fußbereich gerutscht ist und deswegen von außen für die Kontrolleure nicht zu sehen ist." Außerdem könne es sein, dass der Autofahrer die Schilder mit den Einstellbedingungen übersehen hat. Auf dem Vorab-Knöllchen heißt es ganz klar: "Für ein einmaliges Falschparken [...] haben wir durchaus Verständnis."

Reinhold warnt aber strikt davor, das Vorab-Knöllchen als Freifahrtschein zu betrachten. Die Kontrolleure könnten abschätzen, ob es sich um bloßen Missbrauch dieser Regelung handelt. Auf nähere Details will er nicht eingehen. Ist verständlich. Genauer erklären kann er dafür, warum das Vorab-Knöllchen überhaupt eingeführt wurde.

So kam es zu dem Vorab-Knöllchen

Dazu muss man in die Vergangenheit schauen. 2001 wurden die "P+R"-Anlagen, neben den 34 in München (rund 7600 Stellplätze) gibt es noch 18 Anlagen (rund 4400 Stellplätze) außerhalb der Stadt, kostenpflichtig. München verlangte damals laut Reinhold als erste Kommune Deutschlands Gebühren für "P+R"-Anlagen. Das Kritische dabei:  Diese speziellen Parkplätze, die direkt an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind, gehören zu einem Prinzip der städtischen Verkehrsplanung. Sie sollen die Straßen in der Stadt entlasten. Pendler können ihren Pkw am Stadtrand abstellen und mit der Bahn in die City fahren. Die Motivation, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, wäre bei Gratis-Stellplätzen natürlich höher als bei kostenpflichtigen.

Das Entgelt, das sich so zwischen 1 und 2 Euro bewegt, braucht es aber laut Reinhold. "So können wir wenigsten einen Teil der Kosten für den Unterhalt der Stellplätze decken", erklärt er. Damit der Gebühren-Schock die Pendler nicht ganz so hart erwischte, wollte man nicht gleich Strafen verhängen, wenn Autofahrer kein Parkticket hinter die Windschutzscheibe legten. Deshalb wurde das Vorab-Knöllchen eingeführt. Das gibt es bis heute.

Mittlerweile ist München übrigens nicht mehr die einzige Kommune, die Gebühren für die Pendlerparkplätze verlangt. Hamburg etwa zog Mitte 2014 nach - und auch im hohen Norden gibt es jetzt Knöllchen, das die Falschparker zum Lächeln bringt.

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