Baugrund in Freiham

Münchens größtes Neubaugebiet: Darum bewirbt sich keine einzige Genossenschaft

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Kämpfen für bezahlbaren Wohnraum: Rut-Maria Gollan von „Wagnis“ und Thomas Kremer von „Wogeno“ (re.). Der Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup von der SPD (Mitte) holte sich Inspiration für Berlin.

Keine Genossenschaftswohnungen in Freiham: das ist der aktuelle Stand. Trotz eigens dafür ausgeschriebener Grundstücke hat sich keine Genossenschaft beworben. 

Aubing - Die Mieten in München steigen immer weiter und ein Ende scheint nicht in Sicht. Immer mehr Münchner können sich die hohen Preise nicht mehr leisten. Für viele die letzte Hoffnung: eine Genossenschaftswohnung. Doch auch dieses Konzept ist in München in Gefahr. Jüngstes Beispiel: Münchens größtes Neubaugebiet Freiham. Geplant waren rund 1000 genossenschaftliche Wohnungen. Sechs Flächen hatte die Stadt dafür vorgesehen. Doch momentan sieht es so aus, als würde keine einzige dort entstehen. Keine der Münchner Genossenschaften hat sich auf die ausgeschriebenen Grundstücke beworben.

Der Grund sind die zu hohen Grundstückspreise. „Für uns war es dramatisch zu sagen, dass es unter diesen Umständen nicht geht “, sagt Rut-Maria Gollan von der Wagnis eG. Die Genossenschaft wurde 2000 gegründet und realisierte fünf Projekte mit rund 420 Wohnungen. Aktuell hat sie rund 1600 Mitglieder. Für Freiham stand die Wagnis eG quasi schon in den Startlöchern. „Seit einem Dreivierteljahr haben wir bereits eine Baugruppe“, so Gollan weiter. „Aber mit diesen Bedingungen geht das nicht.“

Preise innerhalb von zwei Jahren enorm gestiegen

Auch die Wogeno München eG wollte gerne in Freiham bauen. Die Genossenschaft wurde 1993 gegründet und realisierte 21 Häuser mit rund 580 Wohnungen. Aber auch für sie geht die Rechnung nicht auf. Innerhalb von zwei Jahren ist der Quadratmeterpreis von unter 1000 Euro auf über 1400 Euro geschossen, erklärt Thomas Kremer von Wogeno. „Das schaffen wir wirtschaftlich nicht.“

Doch wie soll das Wohnen in München bezahlbar bleiben, wenn selbst die Genossenschaften kapitulieren müssen? Eigentlich wollte die Stadt dieser Entwicklung mit dem Konzeptionellen Mietwohnungsbau (KMB) entgegenwirken. Die Stadt vergibt dabei ihre Grundstücke zum gängigen Verkehrswert. Wohnungen dürfen 60 Jahre lang nicht in Eigentum umgewandelt werden und die Mieten der Wohnungen, für die jeder sich bewerben kann, orientieren sich am Mietspiegel. All diese Vorgaben sollen sich eigentlich dämpfend auf die Grundstückspreise auswirken, so die Idee hinter KMB.

Stadt sucht nach einer Lösung und hat einen Plan 

Damit ist München beispielsweise Berlin ein ganzes Stück voraus. „Dort gibt es eine solche Regelung nicht“, sagt der Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup (SPD). Er war zusammen mit Berliner Genossenschaftsvertretern und seiner Parteikollegin und München-SPD-Chefin Claudia Tausend in München zu Besuch und besichtigte die Genossenschaftshäuser im Schwabinger Domagkpark. Doch warum können sich die Genossenschaften die Grundstücke dann trotzdem nicht leisten? „Die Entwicklung des Verkehrswerts ist ein Problem“, sagt Tausend.

Die Stadt will diesen für Freiham nun neu berechnen lassen. Anschließend sollen die Grundstücke entweder neu ausgeschrieben oder der KMB überarbeitet werden, heißt es aus dem Planungsreferat. Die Grundstücke zum Verkauf an andere Investoren freizugeben, steht aktuell nicht zur Debatte. Die Stadt sucht nach Lösungen. Und die Genossenschaften können weiter hoffen.

Von Lisa-Marie Birnbeck

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