Vor Gericht

Streit eskaliert: Unser Nachbar hat Fleckerl totgefahren

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Monika Fischer und Lebensgefährte Wolfgang (re.) hatten Peter W. (Name geändert) angezeigt, weil er ihren Kater Fleckerl überfuhr. Er wurde aber freigesprochen.

Absicht oder Unfall? Nachbarn, die seit 20 Jahren zerstritten sind, haben sich nun vor Gericht getroffen: Der Vorwurf: Kater Fleckerl soll absichtlich überfahren worden sein. 

München - Sein weiches Fell wird Monika Fischer (57) nie vergessen. Und den schwarzen Punkt am Kopf. Fleckerl nannte sie ihren Kater deshalb liebevoll – vor Jahren war er der Angestellten in Lochhausen zugelaufen, sie päppelte ihn auf und zog ihn groß. Doch vor ihrer Haustür, wo sie so oft mit ihm saß, musste Monika Fischer ihren Fleckerl auch verabschieden. Ein Nachbar hatte den Kater am 3. März überfahren. Er war sofort tot.

„Das war Absicht“, glaubt Fischer und zeigte den Nachbarn an. Mit ihm schwelte schon seit Jahren ein Streit, seit Peter W. (Name geändert) ein zweites Haus auf das Familien-Grundstück setzte. Die Bauarbeiten gingen Monika Fischer und ihrem Lebensgefährten Wolfgang auf die Nerven. Ebenso das Gezanke um ihre fünf Katzen. „Er hasst Tiere“, sagt Fischer. „Ich war gerade in der Mittagspause zu Hause, als er in hohem Tempo ankam. Er beschleunigte sogar noch, plötzlich sprang Fleckerl auf die Straße, da war es schon passiert.“ Peter W. überrollte das Tier, jede Hilfe kam zu spät. „Unser Fleckerl hat sich noch zweimal geschüttelt, dann war er hin.“

„Er hat sie nie entschuldigt“

Traurig sagte Monika Fischer gestern gegen ihren Nachbarn aus, der wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz vor Gericht stand. „Ich habe ihn angeschrien: ‚Schau, was du angerichtet hast‘. Aber er hat nicht reagiert und war ganz abwesend“, berichtet sie. Ihre Vermutung: Der Nachbar leidet an Diabetes und hatte wohl Unterzucker, als es zu dem Unfall kam – aber er wolle das nicht zugeben. „Bei uns hat er sich nie entschuldigt. Das ist eine Frechheit.“

Peter W. schildert die Szene anders: „Ich habe die Katzen schon aus der Entfernung gesehen, sie haben gespielt. Drei Meter vor mir sprang die eine auf die Straße. Ich konnte leider nicht mehr bremsen.“ Dann habe er nur noch den Aufprall gehört. „Ich habe den Kater mit dem rechten Rad erwischt und gehofft, dass er überlebt.“ Doch Fleckerls Verletzungen waren zu schwer.

„Ich habe dann selbst die Polizei gerufen“, sagt W. „Weil die Nachbarn mich schlagen wollten. Wir haben seit 20 Jahren kein gutes Verhältnis.“

Eine Absicht konnte nicht nachgewiesen werden

Ein toter Kater, jahrelanger Streit – und jetzt dieser Prozess. „Mein Mandant ist schwer geknickt. Und ganz sicher kein Katzenmörder“, sagte Verteidigerin Berna Behmoaram. So sah es auch das Amtsgericht: Eine Absicht könne dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden. Deshalb gab es Freispruch!

„Ich bin enttäuscht“, sagte Monika Fischer. „Bei dem Unfall hätte auch ein Kind sterben können. Aber Tiere sieht die Justiz nur als Sachen an.“ Ihren Fleckerl hat sie auf einer Wiese begraben.

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