"Glücksfall" für Archäologen

Spektakulärer Fund in Freiham

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Hier heizten einst die Römer ein: Ein Archäologe kniet in Freiham in einer Grube. Dort soll 300 nach Christus ein Ofen gestanden haben.

München - Spuren aus längst vergangener Zeit: Bei Ausgrabungen im Münchner Westen haben Archäologen eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht. Sie bezeichnen den Fund als "Glücksfall".

Historische Fundstücke: die Siebgefäße stammen vermutlich aus dem 7. Jahrhundert nach Christus.

Hinter Axel Markwardt zeichnet sich eine Hügellandschaft ab. Der Kommunalreferent steht am Freihamer Weg südwestlich des Aubinger Friedhofs und spricht von der Zukunft. In 15 Jahren,so Markwardt, würden hier im neuen Stadtteil Freiham 20 000 Münchner wohnen und 7500 Menschen arbeiten. Dort wo später tausende Wohnungen gebaut werden, befindet sich aber momentan noch eine archäologische Ausgrabungsstätte. Markwardt ist gekommen, um die erstaunlichen Ergebnisse vorzustellen: Sich in Freiham anzusiedeln, ist keine neue Idee unserer Zeit. Seit Jahrtausenden wurde auf der Fläche am westlichen Stadtrand Münchens Siedlungsbau betrieben.

Wie bereits von der Baustelle am Marienhof bekannt, lässt die Stadt auch in Freiham Ausgrabungen durchführen, bevor die Bodendenkmäler durch Wohnungsbauten verdeckt werden. Das Projektgebiet erstreckt sich von der Bodenseestraße im Süden bis hin zum Aubinger Friedhof im Norden. „Wir wissen aus Luftaufnahmen, dass hier Siedlungsbefunde zu erwarten sind“, sagt Jochen Haberstroh vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Das Problem: Die Aufnahmen sind teilweise 40 Jahre alt. Er sei „erstaunt, was davon noch alles da war.“

Schon in der frühen Bronzezeit um 2000 vor Christus lebten Menschen hier. Die Archäologen fanden Reste eines Beinknochens und Hinweise auf eine Bestattung. Die meisten Funde stammen aber aus dem sechsten und siebten Jahrhundert vor Christus, der sogenannten Hallstattzeit.

Der Aushub legte Hirschgeweihe und Keramikscherben frei, die sich dieser Zeit zuordnen lassen. Aber auch schwarze Pfostenspuren: Sie lassen Hausgrundrisse erkennen. „Diese Lehmhäuser sind häufig niedergebrannt“, sagt der Ausgrabungsleiter Mario Hölzl. „Für uns ist das ein Glücksfall. So können wir die Hinterlassenschaften deuten.“ Die Archäologen haben die Strukturen nachgestellt. Kaum 25 Quadratmeter groß war ein Haus, in dem eine ganze Familie wohnte. „Damit kämen wir heute beim Sozialwohnungsbau nicht mehr hin“, scherzt Markwardt.

Die Siedlung löste sich mit den Jahren auf. Die Bewohner zogen weiter – bis sich nach Jahrhunderten an der selben Stelle wieder andere Menschen niederließen. Siedlungen aus verschiedenen Epochen überlagern sich in Freiham. Ein Grund für die Beliebtheit: Das Grundwasser liegt in dieser Gegend nur fünf Meter unter der Erde. „Das begünstigt den Brunnenbau“, sagt Hölzl.

Der Archäologe steht vor einem birnenförmigen Aushub. Für den Laien ist nur Gestein zu erkennen. „Hier war etwa im 3. Jahrhundert nach Christus ein römischer Ofen.“ Was für ein Ofen es war, ob er zu einer großen Villa oder einem ganzen Dorf gehörte – Hölzl kann es nicht sagen. „Wir hoffen, dass wir in den nächsten drei Wochen noch Erkenntnisse dazu gewinnen.“ So lange gehe das Ausgrabungsprojekt noch. Die Stadt, so verspricht Axel Markward, will die Fundstücke anschließend in einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Angelo Rychel

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