Weil ihre Kinder stritten

Aubing: Vater sticht auf Vater ein

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Alexander M. (42) zeigt seine Schnittwunden am Hals. Nur einen Zentimeter weiter rechts verläuft die Schlagader.

München - Alles begann mit einer Prügelei unter Kindern:  Als der eine Vater den anderen zur Rede stellen wollte, wartete Sandro Z. (45) bereits mit einem Messer hinter der Tür:

Mit zitternden Fingern greift sich Alexander M. (42) an den Hals. Vorsichtig tastet er über seine rotblonden Bartstoppeln, dann berührt er die wulstigen Nähte, unter denen sich drei dunkelrote Narben gebildet haben. „Es hat nicht viel gefehlt, dann wäre ich jetzt tot“, sagt der Aubinger Familienvater – Nachbar Sandro Z. (45) hat ihm am Montagabend im Streit ein Jagdmesser in den Hals gerammt. Mit acht Stichen nähen die Ärzte seine gefährlichen Wunden in der Notaufnahme.

„Ich war blutüberströmt“, erzählt das Opfer. „Die Krankenschwester sagte mir, ich soll mich beim lieben Gott bedanken, denn das Messer hat meine Schlagader um einen Zentimeter verfehlt.“

Der irre Nachbarschaftsstreit – er beginnt mitten am Nachmittag. In den Mehrfamilienhäusern der Wildenrother Straße spielen Kinder unten im Hof – darunter auch der Sohn (6) und die Tochter (9) von Alexander M. „Beide kamen völlig aufgelöst zu mir und haben gesagt, dass der Sohn von Sandro sie gewürgt und beschimpft hat.“

Als Waffennarr bekannt

Das Mehrfamilienhaus in der Wildenrother Straße - hier stach Sandro Z. zu.

Der Familienvater will das klären und ruft bei seinem Nachbarn an, der im Gebäude nebenan wohnt. In der Hausgemeinschaft ist Sandro Z. gut bekannt – als Hausmann, Einzelgänger und Waffennarr. Zuhause trägt er Tarnanzüge, im Internet bewertet er Messer in Foren und tauscht sich mit Kennern aus. „Er war überhaupt nicht gesprächsbereit, hat mich am Telefon gleich übel beschimpft und gesagt, dass sein Sohn nichts gemacht habe“, sagt Alexander M., der als IT-Systemelektroniker arbeitet. „Als ich mit dem Jugendamt gedroht habe, ist er dann völlig ausgeflippt. Mich hat das so aufgeregt, dass ich gesagt habe: Ich komm jetzt zu dir rüber und wir klären das wie Männer.“ Daraufhin geht Alexander M. zum Nachbarhaus, fährt mit dem Aufzug in den fünften Stock und klingelt an der Tür von Sandro Z.
Was dann passiert, ist schwer zu fassen: Noch hinter der verschlossenen Tür hält Sandro Z. ein Jagdmesser mit einer 25 Zentimeter langen Klinge verdeckt in der Hand. „Er wusste, dass ich komme“, sagt Alexander M. „Auf einmal hat er die Tür aufgerissen und sofort nach mir gestochen.“ Instinktiv weicht Alexander M. einen Schritt zurück – das Messer erwischt ihn nach Angaben der Polizei nur leicht. Dennoch ist der Familienvater benommen und blutet heftig aus dem Hals. „Ich habe sofort die Hand auf die Wunde gepresst und bin rückwärts in den Fahrstuhl gefallen.“ Als Sandro Z. sieht, wie schwer er sein Opfer verletzt hat, lässt er den blutenden Mann einfach liegen. „Er hat noch gegrinst und dann ist er wieder reingegangen.“

Kurz vor 20 Uhr nimmt die Polizei den brutalen Messerstecher in seiner Wohnung fest. In der Vernehmung gibt er an, dass er nur seine Familie schützen wollte. Der Ermittlungsrichter hat Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen – Sandro Z. sitzt in Untersuchungshaft.

A. Thieme, S. Arbinger

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