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„Eine Katastrophe“: Münchner soll nach Sanierung doppelt so viel Miete zahlen

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Götzfried Winterfeld vor dem Haus in Aubing, das er für sich und seine Töchter mietet.
Götz Winterfeld kann sich die Miete in dem kleinen Häuschen nicht mehr leisten. © Jens Hartmann

In Aubing ist ein Vater von zwei Töchtern verzweifelt. Nach einer Sanierung verlangt sein Vermieter plötzlich doppelt so viel Miete - und wird für ihn unbezahlbar.

München - Götz Winterfeldt ist Professor an der Technischen Hochschule in Deggendorf und gehört damit zu den Besserverdienern. Seit 2018 wohnt er mit seinen neun und elf Jahre alten Töchtern in der Rabensteinstraße in Aubing. Ein schlichtes Siedlungshaus - das für ihn jetzt unbezahlbar wird. Denn die Miete hat sich nach einer Sanierung mehr als verdoppelt!

Aubing: Münchner soll nach Sanierung doppelt so viel Miete zahlen

Der Auszug wäre ein kleines Drama, denn die drei haben sich im Laufe der Jahre gut eingelebt, erzählt Winterfeldt. „Das ist vor allem für meine Töchter eine ganz große Katastrophe“, so Winterfeldt. Die beiden Mädchen hätten in der Rabensteinstraße viele Freundinnen gefunden und würden sich sehr wohl fühlen. Aber: Der Familienvater kann sich die drastische Erhöhung der Miete von 1.580 auf ungefähr 3.200 Euro im Monat nicht leisten.

Das WC während der Renovierung.
So sah das WC während der Renovierung aus. © Jens Hartmann

Winterfeldt ist entsetzt, dass es „mittlerweile auch Besserverdienenden unmöglich wird, im Münchner Umland zu wohnen“. Wenn es so weitergehe, würden Altmieter in ganz München nach und nach aus ihren Wohnungen gezwungen, um teuren Luxuswohnraum zu schaffen. Eine Untersuchung Anfang Dezember zeigte, dass die Mieten in München nahezu unaufhaltsam steigen.

Miet-Hammer in Aubing: Wohnung kostet plötzlich 3.250 Euro

Sein Vermieter begründe die Mieterhöhung mit einer Sanierung des Gebäudes, sagt Winterfeldt: „Die Arbeiten begannen im September 2021 und haben sich immer weiter verzögert. Zuerst hieß es noch, das Haus soll abgerissen werden, dann wurde uns mitgeteilt, dass der Dachstuhl ausgebaut werden soll, um sozialen Wohnraum für 300 bis 400 Euro im Monat zu schaffen.“ Nun wolle der Vermieter jedoch, dass Winterfeldt neben seiner jetzigen 100-Quadratmeter-Wohnung auch die kleinere, neu gebaute Partie im Dachstuhl für 850 Euro monatlich mietet. Zusätzlich soll die Miete für Winterfeldts bisherige Wohnung auf 2.400 Euro erhöht werden. „Mit zwei Kindern und den hohen Strompreisen kann ich 3.250 Euro im Monat einfach nicht stemmen“, erklärt der verzweifelte Familienvater.

Viele Arbeiten - wie hier neue Wasserleitungen - wurden sehr schlicht ausgeführt.
Viele Arbeiten - wie hier neue Wasserleitungen - wurden sehr schlicht ausgeführt. © Jens Hartmann

Doch nicht nur die Mieterhöhung, sondern auch die Sanierungsarbeiten selbst machen Winterfeldt zu schaffen. Die Renovierungen würden nur von einem einzelnen Handwerker durchgeführt. Dieser habe außerdem monatelang in einem Wohnwagen in Winterfeldts Garten gewohnt und seinen Stromanschluss für die Bauarbeiten genutzt. Winterfeldt prüft nun rechtliche Maßnahmen. Der Vermieter war für eine Stellungnahme in der tz nicht erreichbar. (Sophia Belliveau)

Experten erklären: Diese Regeln gelten für Preiserhöhungen

Hilfesuchend hat sich Winterfeldt an den Mieterverein München gewandt. Dieser gibt Mietern im Allgemeinen folgenden Rat: Vermieter dürfen die Miete bei Modernisierungen innerhalb von sechs Jahren nicht mehr als um drei Euro pro Quadratmeter erhöhen. Weiterhin müssen die Arbeiten drei Monate im Voraus angekündigt werden. „Der Mieter muss sich ein Bild machen können, was der Vermieter vorhat, wie lange es dauert und welche Mieterhöhung auf ihn zukommt. Ohne diese Ankündigung muss der Mieter die Maßnahme nicht dulden.“ Auch Stromkosten, die in diesem Fall durch Handwerker verursacht werden, müssten Mieter selbstverständlich nicht zahlen. Immobilienökonom Olaf Drehsen, der mit solchen Fällen ebenfalls vertraut ist, empfiehlt Mietern, bei Konflikten stets zuerst in den Mietvertrag zu schauen. So könne man prüfen, welche Handlungsmöglichkeiten der Vermieter im Einzelnen tatsächlich hat. „Je präziser ein Mietvertrag verfasst ist, desto weniger sind Missverständnisse zwischen Mieter und Vermieter in der Zukunft programmiert“, weiß Drehsen.

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