Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich Aubing-Freiham

Möbel und Figuren: Restaurator Ulrich Grams arbeitet im ehemaligen „Zeilmayr-Hof“

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München - München wächst. In Aubing entsteht mit Freiham sogar ein ganz neuer Stadtteil. Doch gewerkelt wird auch abseits großer Baugruben - man muss bloß genau hinschauen. In Hinterhöfen, Werkstätten und Garagen sind sie (noch) zu finden: Münchens Handwerker. Doch leider passen sie oft nicht mehr in unsere Zeit: Der Run auf günstige Massenware bricht vielen das Genick, andere werden raussaniert. Wo Altes wegbricht, kommt Neues. Schöner wohnen an der Würm - für die alten Bewohner weniger schön. Traditionshäuser gehen, Verkehr kommt. Welche Viertel aufgemöbelt werden, wo mit zarter Hand saniert wird und wo sich Bürger alte Zeiten zurückwünschen, lesen Sie im letzten Teil des tz-Stadteilchecks.

Seine Werkstatt – ein alter Stall

„Das war mein Sechser im Lotto“, sagt Ulrich Grams. 2001 wurde der Bildhauer und Restaurator aus seiner Werkstatt an der Marsstraße (Ludwigsvorstadt) raussaniert. Noch im selben Jahr zog er um – in den früheren Kuhstall des ehemaligen „Zeilmayr-Hofs“, erbaut 1682, Faistenlohestraße 44. „Wir haben den Stall in Eigenarbeit umgebaut“, sagt der 69-Jährige. Auch von außen (kleines Foto) trägt der Eberlhof, wie er heute heißt, die Handschrift des Meisters: In der ehemaligen Strohluke thront der Heilige Florian, links hängt ein Arma-Christi-Kreuz, das er selbst gefertigt hat; an den Balken des Kreuzes sind die Leidenswerkzeuge Christi dargestellt. Rechts die handgemachte Sonnenuhr eines Freundes. Grams ist in Obermenzing fest verwurzelt. Er wohnt in dem denkmalgeschützten Bauernhaus neben seine Werkstatt, organisierte jahrelang das Eberlhoffest. Der Restaurator liebt seine Arbeit, auch wenn die Wertschätzung für antike Möbel abgenommen hat. „In den Wohnungen ist schlichtweg kein Platz mehr. Viele Leute ziehen heute oft um, sie brauchen keinen Ballast.“

Vom Acker zum Vorzeige-Stadtteil

In Freiham entsteht momentan das größte Neubaugebiet der Stadt. Merle Bald ist im Planungsreferat die Projektleiterin für das Mammut-Vorhaben. Im tz-Interview spricht die Architektin über die Herausforderungen.

Chef-Planerin Merle Bald: „Auf 350 Hek­tar Freifläche sollen lebendige Nachbarschaften entstehen“

Frau Bald, wann haben die Planungen begonnen?

Merle Bald: Die Planungsgeschichte reicht bis in die 60er-Jahre zurück. Das Projekt ist immer wieder nach hinten geschoben worden, weil andere Vorhaben in den Fokus gerückt sind – wie die Messestadt Riem und die Nachnutzung ehemaliger Kasernenflächen. Freiham als Wohn­standort zu entwickeln, wurde ab 2008 wieder verstärkt verfolgt.

Wann war Baubeginn?

Bald: Für den ersten Realisierungsabschnitt in Freiham-Nord mit rund 4400 Wohneinheiten erstellt das Baureferat seit 2015 die notwendige technische und soziale Infrastruktur. Straßen und zwei Grundschulen wurden bereits fertiggestellt. Grünanlagen, der Bildungscampus und der Sportpark sind im Entstehen. Der Baubeginn für die ersten Wohngebäude ist für 2018 vorgesehen. Im zweiten Realisierungsabschnitt sollen noch einmal bis zu 6000 Wohnungen gebaut werden. Gerade hat das Preisgericht für die erste Stufe des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs getagt und mehrere Entwürfe ausgewählt, die dann noch einmal überarbeitet werden sollen. Vorher sollen die Arbeiten mit der Öffentlichkeit am 17. November in einem Bürgerdialog in Neuabing diskutiert werden.

Was sind die Herausforderungen bei der Planung?

Bald: Die Größe des Gebiets. Es sollen ja nicht einfach nur Wohnungen und Infrastruktur entstehen, sondern ein attraktiver Stadtteil mit lebendigen Nachbarschaften.

Wie schafft man das?

Bald: Ganz wichtig ist eine abwechslungsreiche Struktur. Freiham ist kleinteilig geplant. Da die Flächen in städtischer Hand sind, können die Grundstücke nach wohnungspolitischen Kriterien vergeben werden. München strebt einen Mix aus unterschiedlichen Wohnungsgrößen und -bauarten an.

Hat man aus Fehlern, die man bei Riem gemacht hat, gelernt?

Bald: Die Messestadt Riem ist besser als ihr Ruf. Aber in Freiham werden viele Dinge anders geplant: Wir haben keine Gebäudezeilen, sondern offene Blockstrukturen. Außerdem wird mit unterschiedlichen Gebäudetypologien und Höhenentwicklungen gearbeitet. Der gesamte Städtebau ist vom öffentlichen Raum aus gedacht, um ihn gruppieren sich die ­Gebäude.

D. Schmitt, S. Köstler

Lesen Sie auch:

So verwandelt sich Untergiesing

So verwandelt sich Harlaching

So verwandelt sich Hadern

So verwandelt sich Laim

So verwandelt sich Sendling

So verwandelt sich die Maxvorstadt

So verwandelt sich das Glockenbach

So verwandelt sich das Westend

So verwandelt sich Feldmoching-Hasenbergl

So verwandelt sich Moosach

So verwandelt sich Milbertshofen

So verwandelt sich Neuperlach

So verwandelt sich Haidhausen

So verwandelt sich Berg am Laim

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn München: Probleme bei der S2
S-Bahn München: Probleme bei der S2
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen

Kommentare