Seit 60er Jahre außer Betrieb

Warum diese Industrieruine in Aubing zum Opernhaus wird 

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Bis in die 60er-Jahre wurde hier Heizdampf erzeugt. Aktuell wird die Ruine für das viertägige Opern-Spektakel hergerichtet.

Es ist nicht das erste Projekt, das sich der Konzeptkünstler Mathis Nitschke für einen ungewöhnlichen Ort ausgedacht hat. Diesmal lädt der Münchner seine Zuschauer in das alte Heizkraftwerk in Aubing ein.

München - Groß und mächtig ragt der Bau aus roten Mauerziegeln an der Rupert-Bodner-Straße 5 in den Himmel. Bis in die 60er-Jahre hinein wurde hier für die Bahnwerke in Aubing und Pasing Heizdampf produziert. Seitdem stehen die Öfen in der letzten Industrieruine dieser Art in der Landeshauptstadt still. „Mich interessiert es, aus einem vorgegebenen öffentlichen Raum einen künstlerischen zu machen“, sagt Mathis Nitschke zu seinen Projekten, die er im Wechsel mit Auftragsproduktionen fürs Theater oder Fernsehen entwickelt. Ihn reize es außerdem, „aus etablierter Kultur herauszugehen“.

Zuletzt hatte der Klangkomponist einen interaktiven Hör-Parcours für Spaziergänger entlang der Isar konzipiert. Auf Aubing sei er nun über den Architekten und Stadtplaner Peter Haimerl aufmerksam geworden, der über die Idee, eine Philharmonie in das alte Heizkraftwerk zu holen, sinniert hatte. Auch der Eigentümer, die Allguth GmbH, kann sich laut derzeitigen Plänen dort einen Ort für Kunst und Kultur vorstellen. Ein erster Schritt dahin, soll nun „Maya“ sein, eine Mischung aus Live-Gesang und digitalen Stimmen.

Nitschke lädt ein zur „Mixed-Reality-Techno-Oper“

Konzeptkünstler Mathis Nitschke. 

„Was ist hier passiert, was will uns dieser Raum erzählen?“, beschreibt der 44-jährige Nitschke seine ersten Gedanken beim Betreten des 1942 errichteten Industriebaus, dessen Innenleben heute über und über mit Graffiti-Malereien besprüht ist. Um die Zuschauer an dem von ihm ausgedachten Szenario der „Mixed-Reality-Techno-Oper“ teilhaben zu lassen, in der ein Wesen aus der virtuellen Welt die reale Welt retten soll, bedient er sich der neuen, sogenannten Augmented-Reality-Technik – die die Niederländer Klasien van de Zandschulp und Luciano Pinna extra für die Maya-App entwickelt haben. „Sie vereinen künstlerischen Anspruch und Humor“, sagt Nitschke. Mittels der App erfahren die Zuschauer auf ihren Smartphones und Tablets an rund 20 Stationen im Raum, was die aus ferner Zukunft kommende Maya, gespielt und gesungen von der Münchner Altistin Martina Koppelstetter, dort bei ihrer Ankunft im Jahr 2050 vorfindet.

Der Kartenvorverkauf (25 Euro, ermäßigt 15 Euro) für die Science-Fiction-Oper in Aubing hat bereits begonnen. Gefördert wird das Projekt zu knapp zwei Dritteln durch die Landeshauptstadt. Vom Bezirksausschuss kommt ein Zuschuss von 6000 Euro für die Film- und Fotodokumentation.

Aktuell sucht der Münchner Konzeptkünstler noch Helfer, die sich an den vier Abenden als „eingeweihte App-Nutzer“ durch den Raum bewegen oder an Stellen aufhalten, die gesichert werden müssen. Beginn der rund 70-minütigen Oper ist jeweils um 18.30 Uhr, Einlass ab 18 Uhr. Es gibt keine Sitzplätze. Der Zugang ist barrierefrei. Weitere Informationen auch zum Herunterladen der App unter mayaoper.de. Karten gibt es unter anderem bei München Ticket.

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