Skandal-Kalender der Polizei: Alle Motive

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Lustig oder grenzwertig? Die Karikaturen im Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft sind umstritten.

München - Immer mehr Polizeipräsidien distanzieren sich von dem Karikaturen-Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Die Meinungen dazu gehen allerdings weit auseinander. Hier sehen Sie alle Motive.

Nach München gibt es auch in den meisten anderen Polizeipräsidien die Anordnung, den umstrittenen Karikaturen-Kalender nicht mehr aufzuhängen. “Die Inhalte könnten als problematisch angesehen werden“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord am Mittwoch. Der Kalender macht sich unter anderem über Ausländer, Alte und Selbstmörder lustig.

Auch im niederbayerischen Präsidium dürfen die Kalender nicht mehr an der Wand hängen. Die zugehörigen Dienststellen seien ebenfalls informiert worden, sagte ein Sprecher. Es liege aber in der Verantwortung der jeweiligen Dienststelle, ob der Kalender bleiben dürfe oder nicht. Die ersten beiden Monatsblätter seien nicht zu beanstanden gewesen, sagte der Sprecher. Erst der jetzt anstehende März habe Missfallen erregt. Die Karikatur zeigt einen festgenommenen Farbigen mit überzeichneten dicken roten Lippen, der sich gegen den Griff eines Polizeibeamten wehrt und in gebrochenem Deutsch schreit: “Was heiß' hie' Ve'dunklungsgefah'....?!“

Im oberfränkischen Präsidium sei man schon vor rund einem Monat auf den Kalender aufmerksam geworden, sagte ein Sprecher. Kollegen aus Dienststellen hätten das Präsidium darüber informiert. Es gebe zwar keine schriftliche Anordnung, aber einen “Konsens, man möge vermeiden, dass der Kalender in Polizeidienststellen hängt“. Der Kalender sei “nicht mit unseren Leitsätzen zu vereinbaren“. Seit Anfang Februar hänge er deshalb schon nicht mehr an den Wänden. In Mittelfranken ist der Kalender nach Angaben einer Sprecherin seit einer Woche auf Anordnung aus den Diensträumen verschwunden, in den unterfränkischen Dienststellen seit Dienstag. “Es ist angeordnet worden, sie in den Dienststellen abzunehmen und auch nirgendwo anders wieder aufzuhängen“, sagte ein Sprecher.

Auch in den beiden schwäbischen Präsidien ist der Kalender nicht gern gesehen, wie die jeweiligen Sprecher sagten. In Schwaben/Nord hänge er darum nicht mehr an den Wänden. In Schwaben Süd/West sei er aus den Räumen mit Publikumsverkehr entfernt worden. Im Polizeipräsidium Oberbayern Süd werde das Thema diskutiert, sagte ein Sprecher. “Wir bemühen uns jetzt um eine bayernweite Abstimmung zwischen allen Präsidien.“ Das bayerische Innenministerium hat den Präsidien freigestellt, wie sie in ihrem Zuständigkeitsbereich mit dem Kalender verfahren.

Der bayerische Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft hat die Kritik an dem Kalender deutlich zurück gewiesen. Er sei nicht rassistisch und auch nicht diskriminierend. “Da steckt nichts dahinter“, sagte der Chef des Landesverbandes, Hermann Benker. Es handle sich lediglich um “Polizistenjargon“.

dpa

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