Ewig in der Warteschleife

Auch nach IT-Panne: Weiter Ausnahmezustand im KVR

Weil’s drinnen so voll ist, warten Münchner vor den Bürgerbüros.

München - Die gute Nachricht zuerst: Die Computer im KVR und den Bürgerbüros funktionieren wieder. Die schlechte Nachricht: Elend lange warten – oft stundenlang – müssen die Kunden weiterhin.

Der gestrige IT-Totalausfall beim KVR ist behoben, Anträge können wieder bearbeitet werden. Doch nach wie vor herrscht der Ausnahmezustand: Der Andrang ist derzeit zum Teil so groß, dass Bürgerbüros zuletzt an Dienstagnachmittagen „aufgrund von Überfüllung vorzeitig schließen“ mussten, teilt das KVR mit. Auch zwei tz-Leserinnen steckten in der Warteschleife.

Im KVR ist der Warte-Wahnsinn bekannt. „Wir bedauern das. Aber wir haben jetzt im Sommer Hochsaison“, sagt Sprecherin Daniela Schlegel. Wartenummern-Ausgaben müssen vorzeitig geschlossen werden, weil das Personal nicht ausreiche. Schlegel: „Zum Teil sitzen unsere Mitarbeiter bis 20 Uhr da, um alles abzuarbeiten. Wären die Nummernausgaben bis Geschäftsschluss offen, müssten sie noch länger bleiben.“ Rund 900 000 Anliegen fallen in den Bürgerbüros pro Jahr an. Computerpannen hätten die angespannte Lage zudem verschärft, betroffen sind auch Kfz-Zulassung und Führerscheinstelle.

Computer-Ausfall im KVR: Neue Software macht Probleme

Manuel Pretzl und Alexander Dietrich von der Stadtrats-CSU richteten nun eine Anfrage an OB Reiter: Wie kann Bürgern in dringenden Fällen schnell geholfen werden?

Für den Personalmangel hat der Stadtrat vor zwei Wochen 70 neue Stellen genehmigt. KVR-Sprecherin Schlegel: „Die Kollegen müssen jetzt gefunden und eingelernt werden. Im Frühjahr soll das erledigt sein.“ Außerdem arbeitet das KVR dran, noch mehr Formulare übers Internet beantragen zu können.

Urlaub und schulfrei – nur für einen neuen Pass

Julia Bachmeier ist vom Warten genervt: „Das kann so nicht weitergehen!“

Julia Bachmeier (29) braucht für Tochter Jana (12) einen neuen Pass, das Mädchen macht mit den Großeltern Urlaub in der Türkei. Am Dienstag geht die 29-Jährige extra eine Stunde früher aus der Arbeit, sie ist Servicekraft im Café Westend. Kurz nach 16 Uhr steht sie im Bürgerbüro an der Forstenrieder Allee. Doch als sie eine Wartenummer ziehen will, hat sie Pech: „Es wurden keine mehr ausgegeben, dabei hat das Bürgerbüro doch bis 18 Uhr offen!“ Julia Bachmeier ist fassungslos. „Wenn bei mir jemand zwei Minuten vor Dienstschluss noch ein Bier bestellt, bekommt er das auch.“ Sie fragt einen Security-Mitarbeiter. „Der hat mir unfreundlich erklärt, dass ich morgen Früh wiederkommen soll. Das geht aber nicht, weil ich da arbeite.“ Der nächste Ratschlag lautet: „Kommen Sie eine halbe Stunde vor den Öffnungszeiten, also um 7 Uhr, damit Sie auch sicher eine Wartenummer bekommen.“ Jetzt hat sich die Münchnerin extra nächste Woche Urlaub genommen. Tochter Jana muss sie vom Unterricht befreien, denn die muss frühmorgens mit ins Bürgerbüro..

Drei Anläufe für einen Antrag

Anja Morgenroth (52) ist sauer: „Niemand konnte uns sagen, wie lange man warten muss.“

„Es ist eine Zumutung“, sagt Anja Morgenroth (52). Weil die Lerntherapeutin mit Kindern arbeitet, braucht sie ein polizeiliches Führungszeugnis. Das wollte sie im Bürgerbüro an der Leonrodstraße beantragen. Das erste Mal ist sie am 2. Juli gegen 12.30 Uhr da. „An Donnerstagen hat das Bürgerbüro bis 15 Uhr geöffnet, doch mittags wurden bereits keine Wartenummern mehr ausgegeben“, ärgert sich Anja Morgenroth. „Der Warteraum war so voll, dass die Leute vor der Tür standen.“ Ein Mitarbeiter rät, nächsten Donnerstag früher zu kommen. Am 9. Juli zieht Anja Morgenroth um 10.30 Uhr die Wartenummer 136 – Nummer 40 ist gerade dran. Die 52-Jährige sitzt auf ihrem Stuhl. Und sitzt. Und sitzt. Drei Stunden, 45 Minuten. Um 14.15 Uhr wird die Nummer 101 aufgerufen. Genervt gibt sie auf, muss in die Arbeit. Ihre Nummer schenkt sie einer verzweifelten Mutter und ihrem schulpflichtigen Sohn. „Die Frau war schon vier Mal hier – ohne Erfolg. Sie kann nur nachmittags kommen, außer sie befreit den Sohn einen Tag von der Schule.“ Am Montag ist Anja Morgenroth zum dritten Mal im Bürgerbüro. Dreieinhalb Stunden wartet sie, dann kann sie ihren Antrag abgeben. „Das sind doch keinen tragbaren Zustände“, sagt die Lerntherapeutin und schreibt einen Brief ans Rathaus. Jetzt wartet sie auf eine Antwort …

Martina Williams

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