Auch in Todesangst blieb Poschinger ruhig

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Dirk von Poschinger-Camphausen

München - Mit bewaffneten Verbrechern hat Dirk von Poschinger-Camphausen schon im Jahr 2000 seine Erfahrungen gemacht. Auch vor seiner Ermordung dürfte er ruhig geblieben sein.

Der Investment-Manager, der am 14. Januar Opfer eines bizarren Raubmordes wurde, war 2000 während eines Urlaubes in Venezuela zusammen mit seinem Studienkollegen Stefan C. (34) Opfer eines Raubüberfalls geworden. Stefan C. am Donnerstag im Zeugenstand: „Er reagierte ruhig und gefasst.“

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Nach dem Abschluss ihres Studiums an der European Business School waren die beiden Freunde zu einem Urlaub nach Südamerika gestartet. Nach ihrer Landung in Caracas stiegen sie in ein Taxi. „Wir waren überrascht, dass noch ein weiterer Mann zustieg“, so Stefan C. Während der Fahrt habe dieser plötzlich eine Pistole aus dem Handschuhfach gezogen und die Passagiere bedroht. „Dirk konnte Spanisch. Er hatte immer mit dem Räuber gesprochen und beruhigend auf ihn eingeredet“, so der Zeuge.

Das Geld war den Überfallenen nicht wichtig: „Wir gaben den Räubern alles.“ Auch die PIN-Nummern für die Kreditkarten, mit denen einer der Täter Bargeld abhob. Hauptsache, sie kamen lebend raus. Stefan C.: „Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn wir uns anders verhalten hätten.“

Der Vorfall von damals hat Bedeutung im Mordprozess gegen Rainer H. (40). Auch dieser hatte laut Anklage das spätere Mordopfer mit einer Pistole bedroht, um dessen Audi A8 zu rauben. Poschinger dürfte genauso ruhig und besonnen reagiert haben wie ein Jahrzehnt zuvor in Caracas. Ohne Widerstand hatte er sich vermutlich die Handschellen anlegen lassen, wenn er sich die Fesseln nicht sogar selbst unter der Drohung angelegt hatte.

Doch anders als die südamerikanischen Straßenräuber hatte es der Täter nicht nur auf das Eigentum, sondern auch auf das Leben des Opfers abgesehen. 13 Schüsse feuerte der Mörder auf sein hilfloses Opfer ab. Die meisten Treffer waren nicht tödlich, der Todeskampf ist wahrscheinlich grausam gewesen.

Am Donnerstag traten mehrere Bekannte des Mordopfers in den Zeugenstand. Sie alle schilderten den Manager als fleißigen, warmherzigen und humorvollen Menschen. „Er war sehr selbstbewusst und zielstrebig“, sagte seine Sekretärin Jutta S. (44). Kollege Axel M. (39): „Es hat Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten.“ Heute berichtet DNA-Expertin Katja Anslinger über die Spuren am Tatort.

Von E. Unfried

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