Studentinnen mussten mitten in der Nacht aussteigen / Bahn gesteht Fehler ein

Auch wir wurden aus der S-Bahn geworfen

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Vom Lokführer rausgeschmissen: Für Rebecca B. (li.) und Katharina S. endete die S-Bahn-Fahrt nach München unfreiwillig in Großhesselohe

Pullach - Kundenfreundlichkeit Fehlanzeige: Schon wieder haben Bahn-Mitarbeiter Kunden zum Aussteigen gezwungen.

Zwei junge Münchnerinnen mussten mitten in der Nacht die S7 verlassen. Selbst Proteste von Fahrgästen halfen nichts!

Samstag, 1. November, gegen 24 Uhr: Rebecca B. und Katharina S. (beide 22) steigen in Höllriegelskreuth in die vorerst letzte S7 in Richtung München (der nächste Zug fährt erst zwei Stunden später). Die Freundinnen wollen in die Nachtgalerie. Um sich die Fahrzeit zu vertreiben, schaltet Rebecca ihr Handy ein und spielt einen Comedy-Beitrag ab. „Die S-Bahn war fast leer und wir hatten das Handy nicht laut. Wir waren sicher, dass wir niemanden stören“, erzählt die Studentin der tz.

Den Frauen schräg gegenüber sitzen zwei Männer. „Der eine hat uns angeschrien, dass wir sofort das Handy ausmachen sollen“, erzählt Rebecca B. „Ich habe ihn gefragt, was er überhaupt will und angeboten, das Handy noch leiser zu stellen.“ Die Männer stehen auf, bauen sich vor den Freundinnen auf. „Macht das aus, oder es setzt was“, habe der eine gesagt. Den jungen Frauen wird die Situation unheimlich. Dann weist sich einer der Männer als Bahnmitarbeiter aus. Die Mädchen schalten das Handy ab und setzen sich weg. „Wir wollten keinen Stress“, sagt Rebecca. Doch der Mann folgt ihnen. „Er hat uns beschimpft und den Lokführer gerufen, dabei hatten wir das Handy längst ausgeschaltet.“

Beim Halt Großhesselohe kommt der Fahrer dazu. „Wenn ihr nicht aussteigt, fahre ich nicht weiter und rufe die Polizei“, habe dieser gedroht. Erklärungsversuche seien umsonst gewesen, auch von anderen Fahrgästen habe er sich nicht erweichen lassen. Rebecca und Katharina müssen aussteigen. „Es war dunkel und kalt und es war kein Taxi da“, erzählt Rebecca. Die beiden irren umher, dann halten sie ein Auto auf. „Wir hatten Glück. Der Fahrer war nett und hat uns zu einem Taxistand gebracht.“

Am nächsten Tag schickt Rebecca B. eine Beschwerde an die Bahn. Wie schon bei der 12-jährigen Martina und ähnlichen Fällen reagiert hier das Unternehmen aber professionell (siehe auch unten): Die Bahn entschuldigt sich. Als kleine Wiedergutmachung bekommen Rebecca und Katharina Thermen-Gutscheine.

„Die Mitarbeiter haben sich eindeutig falsch verhalten“, betont ein Bahnsprecher auf tz-Ansprache. Sie wurden ermahnt. Über Konsequenzen wird noch entschieden. Die Bahn will nun die Kundenfreundlichkeit verbessern. „Richtiges Verhalten gegenüber Kunden steht bei anstehenden Schulungen ganz oben auf der Tagesordnung.“

Marion Bischof

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Martina R. (12) hat am Freitag Besuch bekommen. S-Bahn-Geschäftsleiter Michael Wuth kam nach Perlach, um sich für das Verhalten seiner Mitarbeiter zu entschuldigen. Kontrolleure hatten die Schülerin aus der S-Bahn verwiesen. Obwohl laut Bahn nicht alle Details geklärt werden können, sei man „zu dem Eindruck gelangt, dass unsere Mitarbeiter sich falsch verhalten haben“. Sie seien derzeit vom Dienst befreit, über arbeitsrechtliche Konsequenzen sei noch nicht entschieden.

Wuth hatte sich bereits telefonisch entschuldigt. „Wir waren mit der ersten Entschuldigung schon zufrieden“, sagt Martinas Vater. „Dass Herr Wuth noch persönlich gekommen ist, hat uns sehr gefreut.“ Als Wiedergutmachung darf Martina mit Freunden das S-Bahn-Werk in München-Steinhausen besuchen.

mb.

Sarah (10) musste MVV-Bus verlassen

Sie war aus Versehen in einen Linien statt in den Schulbus gestiegen und hatte deshalb keine gültige Fahrkarte dabei. Die Kontrolleure interessierte das nicht: Auch sie setzten die zehnjährige Sarah K. einfach auf die Straße.

Die Fünftklässlerin war vor der Realschule in Puchheim in den Bus gestiegen, der dort stand – so wie immer. Doch nach der fünften Stunde fährt kein Schulbus, sondern ein Bus der MVV-Regionallinie 854.

Als Sarah das merkte, war es zu spät –drei Kontrolleure stiegen ein. Sarah zeigte ihr grünes Kärtchen vor, das das Landratsamt für Benutzer der Schulbusse ausstellt. Doch die Schülerfahrkarte gelte nicht in MVV-Bussen, wurde dem Mädchen erklärt.

Die Zehnjährige bekam eine Zahlungsaufforderung über 40 Euro und musste an der nächsten Haltestelle aussteigen. Später fuhr sie der Vater einer Freundin nach Hause. Sarahs Mama Corinna K. erinnert sich: „Sarah hat geweint, hatte einen Schock.“

Die Mutter beschwerte sich beim Landratsamt – erfolglos. Die Eltern seien dafür verantwortlich, dass ihre Kinder in den richtigen Bus steigen, habe ihr ein Mitarbeiter pampig mitgeteilt. Mehr Erfolg hatte die Familie beim MVV: Kinder unter 14 Jahren dürfen nicht aus dem Bus geworfen werden, bestätigte der Sachbearbeiter. Die 40 Euro muss Familie K. nicht zahlen. Der MVV will sich außerdem mit dem Kontrolleur in Verbindung setzen.

fla.

Quelle: tz

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