Aufbau von "Mae West" gescheitert

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Der Aufbau von " Mae West" musste in der Nacht von Samstag auf Sonntag abgebrochen werden. Festgefrorene Schrauben und die Kälte machten der Arbeitern zu schaffen.

München - Mae Wests Oberkörper hat den Arbeitern am Effnerplatz ein schlafloses Wochenende bereitet: Der Einhub in der Nacht zum Sonntag musste wegen der eisigen Kälte abgebrochen und am Sonntagabend wiederholt werden.

Eigentlich hätte ein Kran das Oberteil der Skulptur ab 1.30 Uhr auf das Unterteil heben sollen. Aber um 3 Uhr war es immer noch nicht soweit: Bei zehn Grad Minus und starkem Nebel mussten sich die rund 20 Arbeiter, die in 35 Metern Höhe auf den Montageplattformen werkelten, immer wieder aufwärmen. Zudem ließ sich das Gerüst im Unterkörper der Skulptur nicht wie geplant ausheben.

Aufbau von "Mae West" gescheitert

"Mae West" steht endlich - zweiter Anlauf geglückt

Um sechs Uhr morgens brach die ausführende Firma, die Carbon Großbauteile GmbH, den Einhub schließlich ab: „Die Arbeiter waren bereits 24 Stunden im Einsatz, weshalb die Firma eine noch längere Arbeitszeit nicht mehr verantworten konnte“, sagte Ingenieur Johann Witmann, Projektleiter beim Baureferat. Zusätzliche Kosten würden der Stadt dadurch nicht entstehen, das ausführende Unternehmen trage diese.

Zunächst lief alles nach Plan

Zunächst lief alles nach Plan: Bereits am vergangenen Mittwoch hatten Arbeiter begonnen, den 300 Tonnen schweren Raupenkran aufzubauen – das Spezialgefährt mit 500 PS stand am Sonntag, pünktlich um 1 Uhr bereit. Samt der 150 Tonnen Gegengewicht, die am Hinterteil des Krans angebracht worden waren, damit er beim Heben nicht umkippt. Die Polizei hatte die Baustelle in einem Radius von 60 Metern gesichert, der Verkehr auf dem Effnerplatz war ab 1.30 Uhr komplett gesperrt.

Schaulustige hatten sich bereits ein Plätzchen ausgesucht, von dem aus sie das Spektakel beobachten konnten. Sogar eine weiße Stretchlimousine war bis zur Absperrung vorgefahren, ihre Passagiere betrachteten mit einem Gläschen Sekt in der Hand das Geschehen. Rita McBride, die Künstlerin, die die Skulptur entworfen hat, lächelte in die Kameras der Fotografen, Johann Wittmann und sein Kollege Alfred Hitzler erklärten den Fernseh-Teams geduldig die Besonderheiten: Dass die 52 Meter hohe Skulptur das erste Carbon-Bauwerk der Welt sei, bislang habe man Carbon nur im Fahrzeug- und Schiffsbau verwendet. Dass die Skulptur in sich zusammensacken würde, wäre sie aus Stahl, der etwa sechs Mal so schwer ist wie Carbon. Und Norbert Friedrich von der Firma Schmidbauer erläuterte, dass der Kran den Oberkörper millimetergenau auf den Unterkörper hieven könne, weil das Gefährt über eine sehr feine Steuerung verfüge.

Montag um 6 Uhr sind Straßensperren aufgehoben

Arbeiter im Gerüst des Unterkörpers würden den Kranfahrer dabei über Funk lotsen. Auch windstill war es – während des Einhubs hätte der Wind eine maximale Geschwindkeit von neun Metern pro Sekunde erreichen dürfen: Mae Wests Oberkörper wiegt 70 Tonnen, der Kranhaken 23 Tonnen. Dieses Gewicht hievt der Kran beim Einhub 18 Meter hoch und schwenkt es dann über den Unterkörper. Aber soweit kam es in der Nacht zum Sonntag gar nicht: Die Arbeiten zogen sich immer länger hin und als dann noch Nebel aufkam, brachen die Ingenieure ab. Am Sonntagabend, 20 Uhr, griffen sie noch einmal an – erneut musste der Verkehr rund um den Effnerplatz gesperrt werden.

Info:

Der zweite Versuch, Mae West aufzubauen, beginnt am Sonntag um 20 Uhr. Es ist mit massiven Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Effnertunnel und Richard-Strauss-Tunnel werden in beiden Richtungen gesperrt sein. Der Verkehr wird an der Ifflandstraße bzw. Einsteinstraße umgeleitet. Bei Bussen und Trambahnen soll es auch zu Einschränkungen kommen.

Bettina Stuhlweissenburg

„Menschenleben gehen vor“

Am Sonntag um ein Uhr nachts war Projektleiter Johann Wittmann vom Baureferat der Stadt München noch zuversichtlich: „Ein enorm logistischer Aufwand, aber wir schaffen das. Zwar hat es zehn Grad Minus, aber immerhin ist es windstill“, sagte er.

Doch die eisigen Temperaturen machten einen Strich durch die Rechnung. Warum, erklärt Wittmann:

Was war Sonntagnacht das größte Problem?

Johann Wittmann: Die eisigen Temperaturen. Dadurch waren Schrauben festgerostet und die Monteure brauchten Schweißbrenner, um sie zu lösen. Das hat enorm Zeit gekostet. Kleinigkeiten, mit denen keiner gerechnet hat.

Warum mussten Sie um sechs Uhr früh abbrechen?

Wittmann: Die Monteure waren völlig erschöpft. Sie haben 24 Stunden in eisiger Kälte durchgearbeitet und sich zwar in den Pausen aufgewärmt, aber es ging nicht mehr. Traurig, aber Menschenleben gehen vor.

Wie geht es weiter?

Wittmann: Am Sonntag geht es ab 20 Uhr weiter. Zunächst wird die Mae West am Kran angehängt und dann auf ihr Unterteil gehoben. Das Heben dauert eineinhalb Stunden. Gegen Mitternacht wird sie aufgesetzt. Montagmorgen um sechs Uhr sind die Straßensperren wieder aufgehoben.

Interview: Susanne Sasse

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