Für Durchblick bei der Verbrecherjagd

Augen-OP: Polizistin verklagt Freistaat

Oberkommissarin Birgit Ligotzky (38) beim Prozess vor dem Verwaltungsgericht.

München - Oberkommissarin Birgit Ligotzky war extrem kurzsichtig. Um bei der Verbrecherjagd besser sehen zu können, hat sie sich die Augen lasern lassen. Jetzt fordert sie vom Freistaat Geld für die OP.

Wie sollen Polizisten uns schützen, wenn sie nichts sehen?

Weil Oberkommissarin Birgit Ligotzky (38) extrem kurzsichtig war (minus 4,25 Dioptrin) und ohne Brille nicht mehr auf Streife gehen konnte, ließ die Dienstgruppenleiterin aus Bad Aibling sich im Januar 2013 operativ die Augen lasern. Die Kosten von 3290 Euro bezahlte zur Hälfte ihre private Krankenkasse. Ihr Dienstherr aber weigerte sich, die andere Hälfte zu bezahlen. „Da blieb mir nichts anderes übrig als gegen den Freistaat zu klagen“, sagt die Beamtin, die seit 21 Jahren im Dienst ist. Gestern verhandelte das Münchner Verwaltungsgericht den Rechtsstreit.

ohne Brille vor der OP: Nur schemenhaft ist auf dem linken Bild eine Person zu erkennen. Vermutlich ein Mann – er trägt ein weißes Hemd oder Pullover und eine dunkle Hose. Der Raum um ihn herum ist schlecht zu erkennen. So sah Birgit Ligotzky ohne Brille vor der OP. Und das war im Dienst für die

„Bei brenzligen Einsätzen habe ich als Vorgesetzte regelmäßig die Leitung übernommen. Wir mussten uns mit Gewalttätern auseinandersetzen – gegen uns wurde geschlagen, getreten, gekratzt, gespuckt und gebissen“, sagt die Oberkommissarin vor Gericht. „Mit einer Brille bin ich auf Streife gefährdet – wenn ich sie verliere, sehe ich nur 20 Zentimeter weit. Und sehe nicht mal, wenn jemand ein Messer zückt! So war ich auch eine Gefahr für die Kollegen.“

Gericht schmetterte die Beihilfe-Klage eiskalt ab

Im Dienst sei eine Brille nicht praktikabel, auch Kontaktlinsen könne sie nicht tragen. „Meine Augen sind zu trocken.“ Mehrfach lässt sich Birgit Ligotzky von Augenspezialisten untersuchen, da sich ihre Sehfähigkeit über die Jahre verschlechterte. Um ihren Dienst weiter ausüben zu können, entschließt sich die Polizistin letztlich zu einer chirurgischen Hornhautkorrektur.

nach der OP: Polizistin lebensgefährlich! Denn das rechte Bild zeigt in Brillenschärfe: Neben dem Mann liegt ein Messer auf dem Küchentisch. Greift er damit an, hätte die Oberkommissarin die Situation nicht von einem harmlosen Überreichen eines Stifts oder eines Handys unterscheiden können.

Die anteiligen Kosten muss der Freistaat aber nicht tragen, entschied das Gericht und schmetterte die Beihilfe-Klage eiskalt ab. Ob die Laser-Methode wissenschaftlich anerkannt sei oder nicht, spielt keine Rolle, erklärte der Vorsitzende Richter Albrecht von Fumetti. Gewichtiger sei, dass eine Beihilfe nur gewährt werde, um die Heilung einer Krankheit zu unterstützen – dazu gehöre die Kurzsichtigkeit aber nicht! Selbst dann, wenn Beamte minus vier Dioptrin haben. Deshalb sei die Polizistin nicht zur Beihilfe berechtigt.

„Ich bin sehr enttäuscht über das Urteil und werde weitere Rechtsmittel prüfen“, sagt Birgit Ligotzky. Für sie und ihre Kollegen in ganz Bayern gleicht das Urteil einer Ohrfeige. Denn das Verwaltungsgericht stellte klar: Um ihren Beruf ordnungsgemäß ausüben zu können, müssen Beamte selbst sorgen. Daran beteiligt sich der Dienstherr nicht. Auch dann nicht, wenn Polizisten so schlecht sehen, dass sie Kriminelle nicht mehr erkennen können!

Andreas Thieme

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