Buch erzählt Geschichten starker Frauen

Neuer Roman: Wie in München Chefinnen die Geschichte der Augustiner-Brauerei prägten

Catherine Demeter steht vor der „Villa Wagner“ und zeigt den Roman über die Geschichte von Augustiner.
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Die „Villa Wagner“ ist Sitz der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, der Catherine Demeter vorsteht. Sie ist stolz auf den neuen Roman.

Schon seit Generationen prägen bei Augustiner Frauen die Geschichte der Brauerei. Mit einem Roman setzt die Edith-Haberland-Wagner Stiftung ihnen jetzt ein Denkmal – und erzählt von beeindruckenden Persönlichkeiten, tragischen Schicksalen und großen Träumen.

Therese Wagner leitetet nach dem Tod ihres Mannes Anton die Augustiner-Brauerei.

Es waren harte Zeiten für Therese Wagner: Ihr Mann Anton war gestorben, mit fünf Kindern musste sie sich alleine durchkämpfen. Seit 1845 leitete sie die Augustiner-Brauerei, auf Unterstützung der anderen Brauer konnte sie nicht zählen. Im Gegenteil: Beim ersten Brauertreffen wurde sie ignoriert, nicht einmal ein Stuhl stand für sie bereit. Viele Brauer rechneten damit – und hofften wohl auch –, dass sie aufgeben würde. Doch Therese Wagner war mutig, schlau, hartnäckig – und setzte sich durch in einer Welt, in der vor allem die Männer das Sagen hatten. Sie führte Augustiner an die Schwelle zur Großbrauerei. Die Witwe war es auch, die mit dem Kauf des Geländes an der Landsberger Straße den Grundstein für den Umzug der Brauerei an den heutigen Standort legte.

Seitdem waren es immer wieder die Frauen, die wichtige Rollen bei Augustiner spielten– bis heute. Seit 2013 ist Catherine Demeter erste Vorständin der Edith-Haberland-Wagner Stiftung, deren Ziel es ist, den Erhalt der Brauerei in Familienhand zu sichern. Außerdem werden verschiedene soziale Projekte unterstützt. Demeter ist eine Nachfolgerin von Therese und Anton Wagner in siebter Generation. Vor 25 Jahren hatte Edith Haberland-Wagner, eine Nachfahrin in vierter Generation, die Stiftung ins Leben gerufen.

Eine spannende Reise in die Vergangenheit

Zum Jubiläum erscheint jetzt der Roman „Thereses Töchter – Die Augustinerbräu-Gründerdynastie Wagner“, in dem die Geschichte der Familie und der Brauerei aufgearbeitet wird. Demeter hat dafür alte Koffer durchstöbert, Fotoalben durchsucht, private Briefe gelesen, Zeitzeugen befragt und Archive durchsucht. „Es war eine aufregende Reise zurück“, sagt sie. „Die Personen sind lebendig geworden.“ Auch wenn das Buch auf Anregung der Lektorin ein Roman geworden ist: „Es ist alles sehr nah an der Wahrheit dran“, sagt Demeter. Auch Anekdoten, wie zum Beispiel die Geschichte, als sich die Familie während der Bierkrawalle in München zur Rettung aus dem Fenster abseilen musste, haben sich wirklich so zugetragen.

Edith Haberland-Wagner, Gründerin der Stiftung Edith-haberland-Wagner-Stiftung mit Mann Edmund Haberland.

Und immer wieder geht es um starke Frauen: Da ist zum Beispiel Bertha, Tochter eines Hofbeamten, die durch ihre Einheirat in die Familie Wagner eleganten Glanz in das Augustiner-Stammhaus in der heutigen Neuhauserstraße gebracht hat. Oder Sophie von Trentini, eine Tochter von Bertha und deren Mann Josef Wagner, die eine Frauenrechtlerin der ersten Stunde war. Was besonders bemerkenswert ist für die Tochter eines Bier-Barons: „Sie setzte sich besonders für die damals nahezu schutzlosen Kellnerinnen ein“, erzählt Catherine Demeter.

Eine Würdigung für die Stiftungsgründerin

Auch die Geschichte von Stiftungsgründerin Edith Haberland-Wagner ist ungewöhnlich: Sie war Künstlerin, bereiste die Welt – und wurde 1981 Erbin der Hälfte der Brauerei. Denn der Vorbesitzer Rudolf Wagner starb ohne Nachkommen. Trotz ihres hohen Alters von 82 Jahren und der hohen Erbschaftssteuer kämpfte sie darum, dass Augustiner im Privatbesitz blieb. „Das Buch ist auch eine Würdigung für sie“, erklärt Catherine Demeter. „Sie war temperamentvoll und durchsetzungsfähig.“

Seit November 2013 steht Catherine Demeter der Stiftung vor. Für sie war es am Anfang ebenfalls zunächst nicht immer einfach. Sie erinnert sich noch an eine ihrer ersten Reden: „Ich hab in finstere Gesichter geblickt“, erzählt sie. „Am Anfang ist auch mir eine unterkühlte Brise entgegengeweht.“ Eine Österreicherin? Und auch noch eine Frau in dieser Brauerei-Position? So mancher Brauer und Gastronom hatte da erst einmal Vorurteile. „Ich wurde manchmal unterschätzt“, sagt sie.

Frauen sollten sich mehr zutrauen

Catherine Demeter

Doch sie ließ sich davon nicht beirren – und macht auch anderen Frauen Mut: „Frauen sollten sich mehr zutrauen“, appelliert sie. „Sie lassen sich noch zu oft einschüchtern.“ Für sie selbst ist auch Therese Wagner ein Vorbild. „Sie inspiriert mich“, sagte sie bei der Buchvorstellung im Augustiner Stammhaus. „Sie macht mir Mut, wenn manch Ewiggestrige Frauen doch lieber am Herd, als an der Spitze einer Brauerei sehen.“ Der Roman sei deshalb ein Denkmal für die „tatkräftigen, durchsetzungsstarken, mutigen und großherzigen Frauen“, „die die Augustiner-Brauerei groß gemacht haben“.

Der Roman „Thereses Töchter – Die Augustinerbräu-Gründerdynastie Wagner“ ist im Volk Verlag München erschienen und kostet 24,00 Euro. ISBN: 978-3-86222-357

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