Schilder in Kolonialstraßen bekommen neue Erläuterungen

Aus alten Helden werden Schurken

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Die Von-Trotha-Straße wurde umbenannt.

Sie galten als Helden des Vaterlands und sollten durch Straßenbenennungen geehrt werden.

Heute sieht man das Wirken vieler deutscher Militärs, Gouverneure und Kaufleute in den deutschen Kolonien als brutal und menschenverachtend an – und das soll zumindest auf den Namenserläuterungsschildern deutlich werden. Am Donnerstag steht das Thema „Straßen-Entkolonialisierung“ von 29 Straßen in Bogenhausen und Trudering im Stadtrat auf der Tagesordnung.

Als dort 2006 der Beschluss fiel, die Truderinger Von-Trotha-Straße umzubenennen, erhob sich ein Sturm der Entrüstung: Aus der Reihe der Anwohner, die sich an die neue Adresse Hererostraße gewöhnen mussten. Und vom Bezirksausschuss, der sich vom Stadtrat überrannt fühlte.

General von Trotha ist der Einzige, dessen Name wegen der Unterdrückung Eingeborener in Afrika ganz vom Stadtplan gestrichen wurde. Bei restlichen Personen reichen nun offenbar die Neuformulierungen der Namenserläuterungen. Einige Beispiele:

Rudolf von Benningsen(1859-1911), bisher nur als 1. Gouverneur von Deutsch-Neuguinea beschrieben. Künftig wird auf den Schildern vermerkt, dass er zu Strafexpeditionen gegen die einheimische Bevölkerung aufrief.

Hans Dominik(1870-1910) „verdient um die Forschung und Befriedung der ehemaligen Kolonie Kamerun“. Künftig heißt es: „Als Offizier für brutale Unterdrückungsmaßnahmen und Hinrichtungen der deutschen Kolonie Kamerun“ verantwortlich.

Theodor Leutwein(1849-1921), Gouverneur von Deutsch-Südwest-Afrika, Kommandeur der Schutztruppe. „Er wirkte an der wirtschaftlichen Erschließung“ der Kolonie bei. Neu: „Begründer der deutschen Oberherrschaft“.

Hermann von Wißmann (1853-1905), Afrikaforscher und Fachschriftsteller, bisher für das „Hissen der deutschen Flagge“ und die Übernahme von Sansibar gepriesen. Künftig wird daran erinnert, dass er „eine gefürchtete Söldnergruppe in der Kolonie Deutsch-Ostafrika aufstellte, wo er 1895/96 Gouverneur war“.

Friedrich von Erckert(1869-1908): „Hauptmann und erster Kamelreiterführer der Schutzgruppen der Bayernkompanie“: Neu: „beteiligt an der Niederschlagung der Aufstände der Herero und Nama“.

Auch Straßen, die nach früheren Kolonien oder dortigen Städten benannt sind, bekommen neue Erläuterungen. Aus den Orts-Erklärungen sprach bisher oft eine Verehrung der deutschen Kolonialherren.

Bei Groß-Nabashabe ein Gefecht gegen die Witboi-Hottentotten stattgefunden, „an dem die Bayernkompanie hervorragend beteiligt war.“ Die Huldigung wird zugunsten der nüchternen Nennung eines „Gefechts gegen Aufständische“ gestrichen.

Quelle: tz

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