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Aus Altenheim werden Luxus-Wohnungen

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So soll der Altbau des Spitals nach dem Umbau aussehen. Die Dachgauben sind viel größer als vorher.
So soll der Altbau des Spitals nach dem Umbau aussehen. Die Dachgauben sind viel größer als vorher.

Das Heilig-Geist-Spital in Gern blickt auf eine 800-jährige Geschichte zurück.

Gegründet als eine Stiftung von Herzog Ludwig dem Kelheimer, ist es sozusagen die Mutter aller Seniorenheime in München. Genau hier entstehen jetzt aber Wohnungen der Luxus-Kategorie. Und das stößt auf Kritik.

Der jetzige Bau des Heilig-Geist-Spitals stammt aus dem Jahre 1907, nachdem die Einrichtung zwei Mal umgezogen war. Das Gebäude, in dem zuletzt 325 Senioren lebten, war in die Jahre gekommen. Eine Generalsanierung stand an. Obwohl die Heilig-Geist-Stiftung 800 Hektar Wald mit dem beliebten Ausflugslokal Forsthaus Kasten im Münchner Süden besitzt, konnte der laut Münchenstift-Chef Gerd Peter 28,4 Millionen Euro teure Umbau nur mit dem Verkauf großer Teile des Seniorenheims finanziert werden. Der Rest des Heims wird jetzt zwar saniert, doch danach werden dort 90 Senioren weniger wohnen können als zuvor. Dabei wächst der Bedarf an Pflegeplätzen in München ständig.

Der Rest des Grundstückes wurde an die städtische gemeinnützige Wohnungsfürsorge AG (kurz: GEWOFAG) verkauft. Die errichtet dort in den nächsten drei Jahren 196 Wohnungen. Nur 22 davon werden im Rahmen des München Modells für Durchschnittsverdiener errichtet, acht nach dem Modell Wohnen im Viertel für Menschen mit Behinderungen.

Auf der anderen Seite entstehen unter dem Stichwort „Herrschaftlich Wohnen im Denkmal“ im Altbau des Seniorenheims 17 bis zu 410 Quadratmeter große Nobelbehausungen. Im Garten nördlich des Heims werden zudem 54 Design-Wohnungen gebaut. Die bis zu 213 Quadratmeter großen Luxus-Bleiben haben bis zu 3,70 Meter Raumhöhe im Dachgeschoss.

Im Hof des Heimes, wo man die denkmalgeschützten Wirtschafsgebäude des Münchner Stadtbaumeisters Hans Grässel abgerissen hat, werden 103 Wohnungen geschaffen – vom Zwei-Zimmer-Apartment bis zum 200-Quadratmeter-Reich. Wer sich hier einkaufen will, muss viel Bares hinblättern: Die eigenen vier Wände mit 210 Quadratmetern kosten knapp 1,4 Millionen Euro, eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 53 Quadratmeter immer noch 200 000 Euro. Das entspricht einem Quadratmeterpreis zwischen 3774 und 6423 Euro. Zum Vergleich: Der Durchschnittspreis für Neubauten liegt in München bei 3800 €.

Bezirksausschussvorsitzende Ingeborg Staudenmeyer (SPD) ist entsetzt. „Wir dachten, die GEWOFAG baut hier Sozialwohnungen. Doch nur zehn Prozent davon sind tatsächlich für untere Einkommensschichten gedacht.“ Die Stadt schreibt eigentlich 30 Prozent geförderten Wohnungsbau vor. Der Trick: Hier wurden einfach die Betten im Heilig-Geist-Spital zu 20 Prozent angerechnet.Ingeborg Staudenmeyer fürchtet, dass es künftig Konflikte mit den betuchten Käufern geben wird: „In den Prospekten wird verschwiegen, dass es in unmittelbarer Nähe einen Abenteuerspielplatz, zwei Sportplätze, den Taxis-Biergarten, einen Jugendtreff, eine Kirche mit Gemeindesaal, das Kolpinghaus, die Frauenklinik, die viel befahrene Landshuter Allee, bald auch noch das wiedereröffnete Pflegeheim sowie einen Kinderhort und Kindergarten gibt.“

An GEWOFAG-Chefin Gordona Sommer perlt die Kritik ab: „Es entstehen Wohnungen für alle Käuferschichten.“ Der Bau der Luxus-Wohnungen diene zur Querfinanzierung der gemeinnützigen Zwecke der GEWOFAG.

Quelle: tz

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