Taxler wollte Streit schlichten – und stach 16-Jährigen nieder

Aus einem Helfer wurde ein Täter

Josef I. (57) ist in Südfrankreich vor 30 Jahren von einer Gruppe Jugendlicher so übel zusammengeschlagen worden, dass er unter den Folgen heute noch leidet.

Körperlich und seelisch – er hat seither „Angst vor jungen Leuten“. Trotzdem hat der Taxifahrer beim Heimradeln nach der Nachtschicht in der Nacht zum 14. Juli 2007 in einen Streit zwischen einem jungen Pärchen eingegriffen. Er wollte schlichten. Doch aus dem Helfer wurde ein Täter. Josef I. steht seit gestern wegen Mordversuchs vor dem Schwurgericht.

Die ganze Geschichte: Der 16-jährige Helmut Z. hatte auf der Heimkehr von der Disco mit seiner eifersüchtigen Freundin in der Laimer Unterführung lautstark gestritten. Da kam Josef I. vorbei – und mischte sich ein. Was genau der Taxler dem 16-Jährigen zufrief, konnte er nicht verstehen. Der Bursche lief demRadler jedenfalls hinterher und wollte ihn wegen seiner Einmischung zur Rede stellen.

„Er ist auf mich los“, verteidigte sich der Angeklagte Josef I.. „Ich hatte solche Angst, dass er mich zusammenschlägt, wollte nur, dass er von mir ablässt“. Der Staatsanwalt sieht es anders. Josef I. soll am Ende der Laimer Unterführung abgestiegen sein und völlig überraschend auf den Teenager eingestochen haben. Ohne ein Wort habe der Angeklagte das Messer gegen ihn gerichtet, so der Kaufmann-Azubi. Im Bereich der rechten Achselhöhle wurde ein Nerv durchtrennt, Helmut Z. kann den rechten Arm bis heute nur eingeschränkt bewegen, Dauerschäden sind nicht auszuschließen. Er hat damals zwei bis drei Liter Blut verloren und war in Lebensgefahr. Seine Anwältin Isabella Schulien verlangt für ihn ein Schmerzensgeld von wenigstens 20 000 Euro, 3000 Euro hat der Taxler schon freiwillig bezahlt.

Der Angeklagte hat damals keine Hilfe gerufen: „Ich war so durch den Wind, konnte nicht denken“. Weggelaufen ist er immerhin nicht: „Mir war klar, dass ich mich der Sache stellen muss“. Die „Sache“ tut ihm Leid, er findet es furchtbar, dass ihm das „passiert“ ist. Aber wenn ihn einer anschreie, sei er gleich „fix und fertig“ und zittere nur noch.

Der Sohn eines Bauarbeiters mit Nebenerwerbslandwirtschaft hat ein fleißiges Leben hinter sich, in dem er sich eine Eigentumswohnung erarbeitete.

Er lernte zunächst Lkw-Mechaniker, schulte später auf Lüftungsmonteur um, bevor er sich 1980 als Taxler selbstständig machte. Die Konzession hat er später wegen der steigenden Kosten verkauft und ist als Angestellter nachts gefahren. Da hat er auch einige unerfreuliche Erfahrungen insbesondere mit Betrunkenen gemacht, hat zwei Mal Prügel bezogen. „Ich habe schon so viel Schmerzen im Leben erlebt“, seufzte der Angeklagte. Der Prozess dauert an.

Quelle: tz

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