Traditionsreiche Eisenwarenhandlung muss einem Hotel weichen

Aus nach 40 Jahren: Kaplonski macht zu!

+
"Hier gibt es alles": Doch dieser vertraute Blick ist bald Vergangenheit.

Die Fassade ist grau, die Schaufenster sind vollgestellt, die Leuchtschrift wirkt ein wenig altersschwach.

Dieses Geschäft stammt aus einer anderen Zeit – aber gerade das macht es so sympathisch! Vor 40 Jahren hat Norbert Kaplonski (73) zunächst seinen Installationsbetrieb und dann das Geschäft gegründet. Eisenwaren Kaplonski war erst in der Matthäser-Passage und hat seit mehr als 30 Jahren seinen Platz in der Schwanthalerstraße. Damit ist es jetzt vorbei, das Traditionsgeschäft steht vor dem Aus. Ein spanischer Investor hat das Gebäude gekauft, will es abreißen und danach neu bauen, wahrscheinlich als Hotelkomplex.

Norbert Kaplonski und Ehefrau Gerlinde (66) wissen seit vier Monaten von den Plänen. An die erste Reaktion kann sich das Ehepaar noch genau erinnern: „Um Gottes Willen, wie geht es jetzt weiter?“ Sie suchten nach anderen Standorten, vergeblich. „Es gab zwar Angebote“, sagt Norbert Kaplonski, „aber das war alles zu klein.“

Denn das Sortiment, das von Alarmanlagen und Dichtungen über Pumpen und Drahtseile bis zu Wasserzählern und Wagenhebern reicht, braucht Platz. Viel Platz! In einer Ecke des Verkaufsraums hängen die Hämmer, in einer anderen Zangen, Schraubenschlüssel, Sägen. Jede Ecke, jeder Winkel ist optimal genutzt, an jedem Artikel hängt ein Preisschild, fein säuberlich per Hand beschriftet. Und in der „Schatzkammer“, dem Bereich, wo sich nur die Mitarbeiter auskennen, tut sich ein Paradies für Heimwerker auf. Hier türmen sich die Regale bis an die Decke, in den Gängen kann man sich kaum umdrehen. In kleinen und großen Pappschachteln lagern Schrauben, Nägel und Dübel, hier liegen Türbeschläge, Kohlebürsten und Hobel, hier hängen Drahtseile und Sägeblätter. Das Geschäft ist bis in die oberen Stockwerke und in den Hof gewachsen. „Und nur einmal hat der Hausherr – mit einem Schmunzeln – gesagt: A bisserl Platz brauchen wir auch noch“, erinnert sich Norbert Kaplonski.

Trotz der Baumärkte, die sich seit Jahren ausbreiten, haben sich die Kaplonskis behauptet. Sie leben von den Stammkunden. Früher waren das die Jugoslawen aus dem Viertel, heute kommen sie von überall her: aus München, aus dem Umland, zu Messen sogar aus Köln und dem Ruhrgebiet. „Die sagen immer: So ein Geschäft gibt es bei uns nicht“, lacht der Senior-Chef. Kein Wunder also, dass die Kunden enttäuscht sind: „Der Kaplonski hat immer alles“, sagen sie, und zwar nicht nur im Zehnerpack, sondern auch einzeln, egal, wie klein die Schraube ist.

Am 1. April startet der Räumungsverkauf. Ab Juni gibt es Eisenwaren Kaplonski nur noch im Internet (www.werkzeug-kaplonski.de). Anton Kaplonski (36), einer der drei Söhne, will sich aber auf Reparatur und Verkauf gebrauchter Werkzeuge konzentrieren. Für Gerlinde Kaplonski hat die Geschäftsaufgabe auch etwas Gutes: „Müssten wir nicht raus, wir würden ewig weitermachen“, sagt sie verschmitzt. Jetzt will sich das Ehepaar seinen Hobbys widmen: Er erforscht Wünschelruten, sie pflegt den Garten des kleinen Hauses am Pilsensee, in das sie jetzt ziehen werden. In ihrer jetzigen vier Wänden können sie nämlich nicht bleiben: Die Kaplonskis wohnen direkt über ihrem Geschäft.

fla.

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Münchner Polizei stoppt Hochzeitskorso mit 70 Fahrzeugen - einige Teilnehmer bleiben uneinsichtig
Münchner Polizei stoppt Hochzeitskorso mit 70 Fahrzeugen - einige Teilnehmer bleiben uneinsichtig
Streit zwischen Paar (66 und 27 Jahre) eskaliert - Polizisten bringen Baby in Sicherheit
Streit zwischen Paar (66 und 27 Jahre) eskaliert - Polizisten bringen Baby in Sicherheit
Münchnerin hört nachts Hilferufe - dann macht sie eine schlimme Entdeckung im Aufzugschacht
Münchnerin hört nachts Hilferufe - dann macht sie eine schlimme Entdeckung im Aufzugschacht
Verkehrsinfarkt! Anwohner in beschaulichen Vierteln verzweifelt - die Stadt bekommt nichts mit
Verkehrsinfarkt! Anwohner in beschaulichen Vierteln verzweifelt - die Stadt bekommt nichts mit

Kommentare