Ausbeutung mitten in München

München - Mitten in München haben 40 bulgarische Arbeiter zum Nulltarif geschuftet. Sie haben seit zwei Monaten kein Geld mehr bekommen. Jetzt ist das Hauptzollamt eingeschritten.

Seit Wochen wunderten sich die Milbertshofener Bäcker in der Umgebung der Großbaustelle für das Vier-Sterne-Hotel „Leonardo Royal Hotel München“ an der Moosacher Straße über ausgehungerte Arbeiter, die abends um Brotreste bettelten. Montagfrüh lüftete das Hauptzollamt München dieses empörende Geheimnis. Mitten in München schufteten 40 bulgarische Arbeiter zum Nulltarif. Sie hatten seit zwei Monaten kein Geld mehr bekommen. „Die Männer hatten seit drei Tagen nichts mehr gegessen. Da haben die Kollegen erst mal reichlich Schokolade und Wurstsemmeln besorgt“, berichtete der sichtlich erschütterte Zoll-Sprecher Thomas Meister.

Bereits im Sommer hatte sich der Zoll auf der Baustelle umgesehen. Damals erhielten die Männer wenigstens noch 900 bis 1000 Euro pro Monat – bei wöchentlich 60 Stunden harter Arbeit. In ihrer Heimat waren ihnen noch 1500 Euro versprochen worden. Angesichts der Notlage in Bulgarien hatten sich die Männer nicht gegen diesen Dumping-Stundenlohn von vier Euro pro Stunde gewehrt. Tatsächlich hatte sich der bulgarische Subunternehmer zu einem Nettolohn von elf Euro verpflichtet. Stattdessen verweigerte ihnen ihr Chef sogar medizinische Hilfe, schickte einen Verletzten ohne Behandlung heim. Ein Vorarbeiter wurde gestern wegen Lohnwuchers festgenommen. Die Ermittlungen dauern an.

dop

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