Offener Brief

Ausbildung für Flüchtlinge: OB Reiter schreibt Seehofer

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Zur Vorbereitung auf die Handwerksausbildung haben Awet Afewerki (l) und Esmael Mahmud aus Eritrea das Projekt "Perspektiven für junge Flüchtlinge im Handwerk" in Dresden durchlaufen.

In Bayern haben Flüchtlinge kaum Chance auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter bittet Ministerpräsident Horst Seehofer, das zu ändern.

München - Ministerpräsident Horst Seehofer setzt auf eine restriktive Asylpolitik in Bayern. Aufenthaltsbeendigung steht vor Ausbildung. Das bayerische Innenministerium hat den Ausländerbehörden dementsprechend „Vollzugshinweise“ für das Bundesintegrationsgesetz gegeben. Flüchtlinge mit negativer Asylentscheidung sollen nur in besonderen Einzelfällen eine Beschäftigungserlaubnis und Ausbildungsduldung erhalten. 

Reiter appelliert an Seehofer

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter sieht den restriktiven Kurs in Bayern kritisch. Laut Bundesintegrationsgesetz wäre es möglich, dass Flüchtlinge mit der „3 plus 2“-Regelung nach ihrer Ausbildung zwei weitere Jahre in Deutschland leben und arbeiten dürfen. Reiter appellierte nun in einem offenen Brief an Seehofer, diese Regelung zur Ausbildungs- und Arbeitsaufnahme für Geflüchtete nach dem Bundesintegrationsgesetz auch in Bayern umzusetzen. Dort erhalte laut Reiter kaum ein Asylbewerber diese Anspruchsduldung. „Diese unklare und unsichere rechtliche Situation hat nicht nur bei den jungen arbeits- und ausbildungsfähigen Geflüchteten zu großer Unruhe geführt, sondern auch Unmut und Verunsicherung bei den Unternehmen und Ausbildungsbetrieben hervorgerufen“, schreibt Reiter.

Oft fehlen Azubis - Potential der Flüchtlinge nutzen

Laut Reiter blieben in München im Jahr 2016 über 4800 Ausbildungsstellen unbesetzt. Über 60 Prozent der Flüchtlinge in München seien unter 25 Jahre. „In der Mehrheit zeigt sich diese Personengruppe arbeitsfähig, lernmotiviert und ehrgeizig.“ Viele von ihnen würden in Berufsintegrationsklassen auf die Arbeitswelt vorbereitet und die Stadt engagiere sich, ihnen den Übergang von Schule in Beruf zu ermöglichen. Da München allerdings inzwischen hauptsächlich Flüchtlinge mit niedriger Bleibewahrscheinlichkeit zugewiesen würden, erschwere die restriktive Haltung die Integration der Menschen. Denn: „Trotz Ausreisepflicht wird eine größere Anzahl abgelehnter Asylsuchender erfahrungsgemäß jedoch längerfristig in München bleiben.“ Daher brauche München die Möglichkeit, die Potentiale der Flüchtlinge für sich zu nutzen. „Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der Metropolregion München ist aufnahmefähig und weist einen hohen Bedarf an Fachkräften auf.“

Hier können Sie den offenen Brief im Wortlaut lesen

Lesen Sie hier: Arbeitsverbot für Flüchtlinge - Asylhelfer und Gemeinderäte schicken Protestbriefe

scw

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