Ausländer-Report: Zahlen für Bayern & München

München - Bayern ist beliebter denn je. Auch bei unserern ausländischen Mitbürgern. Wer warum von woher zu uns kommt,  wer die neuen Einwohner sind, wie sie leben und was  sie sich von uns erhoffen, zeigt der große tz-Report auf.

In Deutschland, Bayern und München leben immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund. Fast jeder fünfte Einwohner im Freistaat und sogar mehr als jeder dritte Münchner hat ausländische Wurzeln – 37 Prozent. Das geht aus dem neuen Report des Statistischen Bundeamts und den Zahlen der Statistikämter hervor. „Ich bin mit der Integration in München ziemlich zufrieden“, sagt die Vorsitzendes des Ausländerbeirats, Nükhet Kivran (44). Vor allem im Vergleich mit anderen Städten schneide München besser ab. Und dabei verzeichnet die Stadt den höchsten Migranten-Anteil in den Großstädten der Republik.

Fast 16 der 82 Millionen Menschen in Deutschland haben ausländische Wurzeln – rund 600 000 mehr als 2010. Auch in München steigt die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund seit Jahren, obwohl die Zahl der Ausländer in etwa stagniert: In Deutschland geborene Kinder von Ausländern bekommen oft einen deutschen Pass, haben aber statistisch gesehen einen Migrationshintergrund. Mittlerweile gibt es unter den minderjährigen Münchnern mehr mit als ohne Migrationshintergrund.

Übersicht: So viele Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland

Dennoch unterscheiden sich die Migranten bundesweit immer noch deutlich von den Deutschen ohne Migrationshintergrund: Sie sind jünger (35 Jahre gegenüber 46 Jahre) und häufiger ledig (46% gegen 39%). Migranten haben aber seltener einen Schulabschluss als Deutsche (15% gegen 2%) und einen Berufsabschluss (45% gegen 20%). Daher sind sie häufiger ohne Job (12% gegen 6%) und leben häufiger von Hartz IV (9% gegen 4%).

Viele Ursachen dafür sieht die Ausländerbeiratsvorsitzende in der zweiten Generation der Migranten, der sie selbst angehört. „Ich ging bis zur 8. Klasse in der Türkei in die Schule und kam mit meinen Eltern nach Deutschland. Dann musste ich mich selbst um die Schule kümmern“, sagt Nükhet Kivran. Sie hat es zur Bürokauffrau bei einem Münchner Dax-Konzern gebracht, viele ihrer Altersgenossen aber hätten keinen Abschluss, waren Fabrikarbeiter. Nachdem in München kaum noch produziert wird, stehen sie ohne Job da. „Oft eine verlorene Generation.“

Sie weiß, dass manchmal der Wille zur Integration fehlt. Aber sie sagt auch: „Integration ist keine Einbahnstraße.“ Sie selbst trägt kein Kopftuch, ist aber tolerant gegenüber den Trägerinnen. Und sie weiß, dass immer noch viele Kinder Mischmasch sprechen und fordert die Förderung der Mehrsprachigkeit: „Integration dauert.“ Sie ist auf einem guten Weg. Sohn Metehan (24) lernte Bürokommunikation und macht das Abi nach, Tochter Gizem (22) studiert Internationales Management.

David Costanzo

Woher die Ausländer stammen

Nationalität Zahl
Türkei 40 860
Kroatien 23 740
Italien 21 038
Österreich 20 814
Griechenland 20 506
Bosnien-Herzegowina 15 588
Serbien 15 511
Polen 14 697
Irak 9 931
Rumänien 7 971

Verzeichnet sind die größten Gruppen in München

Was bedeutet Migrationshintergrund?

Migration bedeutet wörtlich (Zu-)Wanderung oder Umzug. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund besteht aus den seit 1950 nach Deutschland Zugewanderten und deren Nachkommen. Das sind also nicht nur Ausländer, sondern etwa auch deren Kinder, die einen deutschen Pass haben, Eingebürgerte, Spätaussiedler oder Deutsche mit zweiter ausländischer Staatsangehörigkeit. Migrationshintergrund hängt also nicht direkt mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit zusammen: Tatsächlich haben die meisten Migranten einen deutschen Pass – 8,6 Millionen gegenüber 7,1 Millionen Ausländern. Und rund ein Drittel der Migranten sind gar nicht migriert, sondern in Deutschland geboren.

Beeindruckende Bilder: So sieht München vom ADAC-Turm aus

Beeindruckende Bilder: So sieht München vom ADAC-Turm aus

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion