"Gegen den Strich"

Ausstellung: Harings Weg aus dem Untergrund zum Weltstar

München - Ein Vierteljahrhundert nach dem Tod Keith Harings sind seine Strich-Motive noch immer überall zu finden. Eine Ausstellung in München dokumentiert das umfassende Werk des New Yorkers, dem nur wenige Jahre für seine Kunst blieben.

Es gibt bellende Hunde, unzählige Penisse, die typischen Strichmännchen - und das alles knallbunt. Mit solchen, oft metergroßen Motiven wurde Keith Haring in der Kunstwelt bekannt. 25 Jahre nach dem Tod des New Yorker Graffiti-Künstlers wird nun in München eine umfassende Ausstellung mit seinen Werken gezeigt.

Die Schau „Gegen den Strich“ soll den Besuchern einen Überblick über das gesamte Schaffen des Ausnahmekünstlers präsentieren. Es sind neben Bildern in allen Formaten und auf verschiedensten Materialien auch Skulpturen zu sehen. Der Künstler protestierte damit gegen Rassismus, atomare Aufrüstung, kapitalistische Exzesse und Umweltzerstörung.

Von Freitag bis 30. August ist die Ausstellung in München zu sehen, danach wird sie in Rotterdam präsentiert (17. September bis 8. Februar 2016). In der Schau werden mehr als 160 Werke gezeigt. Einige der Exponate sind nach Angaben der Ausstellungsmacher erstmals seit Harings Tod 1990 zu sehen.

Haring hat Einfluss auf moderne Künstler

Eine Generation danach sei es wichtig, den Künstler historisch zu betrachten, sagte der Direktor der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Roger Diederen, am Donnerstag. „Seine Themen sind alle noch aktuell.“ Haring sei einer der politischsten Künstler seiner Zeit gewesen, ergänzte Kurator Dieter Buchhart. Viele jüngere Künstler würden sich heute auf ihn beziehen. Der Einfluss Harings sei fast überall zu sehen. Buchhart meint, Computerprogrammen wie Smartphone-Apps und dem Internet sei deutlich anzusehen, dass sich die Kreativen der digitalen Welt an Harings Symbolik orientierten.

Dabei sind auch Harings Motive seit Jahrzehnten omnipräsent - als Postkarten, Kühlschrankmagnete oder Uhren. Doch die Ausstellung zeigt, dass solche oft nur wenige Zentimeter großen, reproduzierten Bilder kaum die Kraft der Originale haben. Haring liebte die Größe, er bemalte Planen - Tarp genannt - die es dann auch schon einmal auf 16 Quadratmeter bringen. Eine riesige Fläche zum Bemalen fand er 1986 in Berlin - die Betongrenze zwischen den beiden deutschen Staaten. Es sei „ein Versuch, die Mauer durch Bemalung psychologisch zu zerstören“, schrieb die „New York Times“ damals.

Polizisten baten um Autogramme

Haring protestierte mit Collagen, die er aus Zeitungsüberschriften zusammensetzte, gegen den konservativen US-Präsidenten Ronald Reagan und provozierte Ende der 1970er Jahre mit Penis-Zeichnungen, die er in seiner Heimatstadt auf offener Straße fertigte. Zwischen 1980 und 1985 malte er seine typischen Strichmännchen in Tausenden Bildern illegal auf Plakatwände in der U-Bahn New Yorks.

Für Buchhart waren die Subway-Bilder eines der größten jemals realisierten Kunstprojekte. „Es war natürlich illegal und er ist ja auch ein paar Mal festgenommen worden“, sagt der Kurator. Die Polizisten hätten den Künstler dann aber manchmal sogar um Autogramme gebeten.

Durch seine U-Bahn-Kunst wurde Haring einer der prägendsten Künstler der Gegenwart. Viel Zeit blieb ihm für seine Kreativität damals nicht mehr. Er starb im Februar 1990 an den Folgen einer Aids-Erkrankung; Haring wurde nur 31 Jahre alt.

dpa

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