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Aus und vorbei: Austernkeller schließt nach fast 50 Jahren - „Es tut weh, alles aufzugeben“

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Von: Leoni Billina

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Alexander und Brigitte Knobl stehen im Gastraum des Austerkeller
Nach fast 50 Jahren: Alexander und Brigitte Knobl schließen den Austernkeller © Oliver Bodmer

Nach fast 50 Jahren schließt der Austernkeller seine Türen - die Gründe dafür sind vielfältig. Die Betreiber Alexander und Brigitte Knobl sagen Servus.

Alexander Knobl schaut sich um. Der Blick des Gastronomen zieht vorbei an den üppig dekorierten Wänden, fällt auf die leeren Stühle und Tische. Er steht im Gastraum des Austernkellers, der fast 50 Jahre lang sein Zuhause war. Wo sonst Austern geschlürft, Champagner getrunken und feine französische Küche serviert wird, herrscht nun Abschiedsstimmung. Tief enttäuscht sagt er: „Das war’s. Die 50 Jahre hätte ich gern noch vollgemacht. Aber so ist das Leben.“

Nach 49 Jahren Austernkeller schließt das Traditionslokal an der Stollbergstraße seine Türen. Am 1. Januar 2007 hatte Knobl das Lokal von seinem Chef übernommen, für den er bereits 30 Jahre lang gearbeitet hatte. Jetzt müssen er und seine Frau Brigitte die Reißleine ziehen – der Laden ist insolvent. Es ist ihr Lebenswerk, das sie aufgeben. Leicht fällt ihnen das nicht.

54 000 Euro Hilfszahlungen stehen noch aus

Gründe für ihren Entschluss gibt es viele. Da wären zum einen Corona-Hilfszahlungen von 2021, die noch nicht angekommen sind, 54 000 Euro. „Die beschäftigen uns ohne Ende“, sagt Brigitte Knobl. Sie müssen Belege einreichen, Stellungnahmen abgeben, warum sie im Sommer so wenige Einnahmen hatten. „Wir verdienen nur im Winter Geld. Wenn wir im Sommer aufsperren, sind wir im September pleite“, sagt Alexander Knobl. Wären die Zahlungen bis Anfang Januar gekommen, hätten sie sich nochmal überlegt, ob sie ihren Betrieb aufgeben. Aber ohne Geld geht es nicht weiter.

Auch die Preissteigerungen seien irgendwann nicht mehr tragbar gewesen. Lieferanten, die teils dreimal im Jahr ihre Preise erhöhten, machten ihnen zu schaffen. Und: Der Austernkeller ist sanierungsbedürftig. Der Hauseigentümer allerdings sei zur Renovierung nicht bereit, habe sich all die Jahre dagegen gewehrt, sagen die Gastronomen.

Selbst kann und will die Familie nicht noch mehr investieren. Nach der Übernahme 2007 habe Knobl bereits eine halbe Million in Baumaßnahmen gesteckt sowie Küche und Toiletten von Grund auf neu machen lassen. „Ich bin ja einfach froh, dass wir das über die Jahre abstottern konnten“, meint der Gastronom. Er und seine Frau seien mittlerweile in einem Alter, da überlege es man sich schon zweimal, ob man sich das nochmal antue.

Berühmtheiten gingen ein und aus

Fast 50 Jahre lang hat Alexander Knobl im Austernkeller gestanden. Einem Restaurant, in dem Phil Collins zu Gast war, Pierre Brice, Mario Adorf, Thomas Gottschalk, die Rolling Stones – die Liste ließe sich endlos weiterführen. Einem Restaurant, über dem einst Freddy Mercury wohnte, der sich über den Hinterausgang rein- und wieder rausgestohlen hat, mit einer Kappe tief ins Gesicht gezogen, um unerkannt zu bleiben.

Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt

„Es tut weh, das alles aufzugeben“, sagt Alexander Knobl. Aber für ihn und seine Frau beginne jetzt ein neuer Lebensabschnitt. Vor fünf Monaten sind sie Großeltern geworden. „Wir wollen das Leben genießen, mehr Zeit mit der Familie verbringen“, sagt Alexander Knobl

Wichtig sei den beiden, sich anständig von ihren Gästen zu verabschieden. „Wir hatten großartige Gäste. Es war eine tolle Zeit.“ Und so sagen Alexander und Brigitte Knobl leise Servus. L. Billina

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