Auto-Rambo rast auf Polizisten zu

München - Das war knapp! Mit 107 km/h raste Mohammed F. (31) über den Wintrichring, als Polizistinnen ihn blitzten. Sie wollten ihn anhalten, doch er gab Gas, steuerte auf sie zu! Nun landete der Fall vor Gericht.

Die beiden Beamtinnen mussten zur Seite springen, um nicht verletzt zu werden. Die Quittung bekam der Auto-Rambo am Mittwoch vom Amtsgericht.

Auf sage und schreibe elf Vorstrafen bringt es der angehende Fremdsprachen-Korrespondent: Körperverletzung, Betrug, Diebstahl und immer wieder Drogendelikte. Er stand unter offener Bewährung, musste seinen Führerschein abgeben. Dennoch setzte er sich am 18. Juni 2009 ans Steuer des Audi A 4 seiner Freundin, fuhr damit zur Uni.

Nach einer Prüfung unternahm er eine Spritztour durch die Stadt – mit überhöhtem Tempo. Auf dem Wintrichring übersah er das Laser-Messgerät, mit dem die Polizeibeamtinnen Anja K. (34) und Kathrin D. (25) die Raser blitzten. Anja K. trat auf die linke Fahrbahn, um mit erhobener Kelle Mohammed F. zu stoppen. Doch der dachte nicht daran, ihm drohte schließlich der Knast wegen des Führerschein-Delikts. „Er hat hörbar Gas gegeben“, erinnerte sich die Beamtin am Mittwoch im Zeugenstand. Er sei zunächst nach rechts ausgewichen, dann jedoch wieder voll auf sie zugefahren. Richterin Sabine Kehl: „Was wäre passiert, wenn Sie stehen geblieben wären?“ „Er hätte mich voll erwischt“, antwortete Anja K. „Dann hätten zwei Kinder keine Mama mehr.“

Ihre Kollegin Kathrin D., die das Messgerät bedient hatte, wollte den Raser ebenfalls noch stoppen. Doch auch sie musste eilig von der Fahrbahn springen, um nicht erfasst zu werden. Zwei Handbreit entfernt sei der Audi an ihr vorbeigerast. Sie sah noch, wie der Täter in die Dachauer Straße abbog: „Zum Glück ist kein Radfahrer gekommen.“ Der Schock saß bei beiden Beamtinnen noch tief. „Ich halte seither keine Fahrzeuge mehr an“, sagt Anja K.

Der Angeklagte gab sich vor Gericht reumütig und gab die Raserei ohne Führerschein zu. „Ich hatte das Verlangen, Gas zu geben“, sagte er. Durch den Anblick der Beamtinnen sei er in Panik geraten. In diesem Augenblick, behauptete sein Anwalt allen Ernstes, habe er nichts anderes mehr tun können: „Jede Reaktion wäre falsch gewesen.“ Er plädierte auf eine Bewährungsstrafe.

Angesichts der Vorstrafen folgte das Schöffengericht dem allerdings nicht: Zwei Jahre und vier Monate Gefängnis! Richterin Kehl: „Er hat schon viele Chancen bekommen und nicht genutzt.“

Eberhard Unfried

Rubriklistenbild: © dpa

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