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Herbst-Stau in München

Baustellen-Koordinator: Autofahrer sind selbst schuld

München - Die Klagen der Pendler sind groß: Wer nach München fahre, steht derzeit permanent im Stau. Münchens Baustellenkoordinator bestätigt das. Aber seine Erklärung ist dann doch überraschend.

Schuld seien die Autofahrer selbst - weil sie nicht im Urlaub sind.

„Es gibt viel mehr Staus, der Ring und die Zufahrtstraßen sind dicht.“ - „Früher brauchte ich eine halbe Stunde in die Stadt, jetzt dauert es manchmal doppelt so lange.“ Zuschriften wie diese erreichen unsere Redaktion derzeit einige, und die meisten Autofahrer können die Beobachtung bestätigen: Es geht zäh voran auf Münchens Straßen. Ratlos und genervt fragen viele Autofahrer: „Woran liegt’s?“

An Baustellen jedenfalls nicht, betont Richard Bartl, Baustellenkoordinator der Stadt. Die Ingolstädter Straße, die Dachauer, Landsberger, Grünwalder und Rosenheimer Straße - alle baustellenfrei, zählt er die wichtigen Einfallstraßen auf. Desgleichen Würmtal- und Effnerstraße. Lediglich die Wolfratshauser Straße ist noch bis Ende November in Höhe Schmiedberg verengt, und auf der Prinzregentenstraße fehlt am Vogelweideplatz eine Fahrspur. Auch der Mittlere Ring, so Bartl, sei baustellenfrei bis auf den Luise-Kiesselbach-Platz, und dort funktioniere der Verkehr „erstaunlich gut“.

Das Problem, so Bartl, liege primär nicht an den Straßen, sondern an den Autos: Es sind zu viele. „Zwischen Ende der Sommerferien und Weihnachten macht kaum jemand Urlaub.“ Gleichzeitig steigen mit Beginn des Schmuddelwetters auch noch viele Radler auf andere Verkehrsmittel um, manche auch aufs Auto. Deshalb sei die Verkehrsbelastung gerade jetzt so hoch wie zu keiner anderen Jahreszeit.

Dabei sind die Zahlen schon in normalen Zeiten beachtlich, wie Thorsten Vogel vom Planungsreferat erläutert. 150 000 Fahrzeuge rollen an einem durchschnittlichen Wochentag über die Donnersbergerbrücke, 116 000 über die Brudermühlbrücke und immer noch 33 000 über die Landsberger Straße.

Dass wenige Prozent Unterschied deutlich spürbar sind, zeigen die Ferienzeiten: Um 10 bis 15 Prozent sinkt dann das Verkehrsaufkommen. Die Lage auf den Straßen entspannt sich. Nur in diesen Zeiten werden große Straßenbaumaßnahmen terminiert, weil Teilsperrungen dann gerade noch möglich sind, ohne den Verkehrsinfarkt auszulösen.

Auch außerhalb der Ferienzeiten, so erläutert Bartl, sei immer ein - zwar kleinerer, aber doch spürbarer - Anteil der Münchner im Urlaub. Nur eben jetzt nicht, und deshalb werde es eng. „Es ist mehr Verkehr, das können wir auch feststellen, bestätigt auch ein Sprecher der Verkehrspolizei.

In diesem Gedränge reichen schon kleine Störungen, um Staus zu verursachen - und diese Störungen schafft sich das System selbst: Je dichter der Verkehr, um so mehr Unfälle gebe es, sagt Bartl. Vor allem kleinere Blechschäden häufen sich. Während die Zahl der schweren Unfälle seit Anfang Oktober stagniert, ist die Tendenz bei den Bagatellunfällen leicht steigend.

Was passiert, wenn es auf ausgelasteten Straßen kracht, schildert Bartl am Beispiel eines Unfalls vergangene Woche an der Einfahrt des Brudermühltunnels am Mittleren Ring: Um 15 Uhr schepperte es auf der rechten Spur Richtung Westen. Rettungsfahrzeuge engten die Fahrbahn zusätzlich ein, erst nach drei Stunden war die Unfallstelle geräumt. „Der Rückstau reichte auf dem Ring bis zur Balanstraße und auf der Autobahn fast bis Taufkirchen“, berichtet Bartl. Alles in allem 7,5 Kilometer Stau - mehrspurig.

Gerade die Candidstraße sei extrem belastet und daher stauanfällig, sagt Bartl. „Beim Polizeieinsatz am Sechzger-Stadion letzten Mittwoch stand der ganze Ring.“ Auch dass Bushaltestellen zunehmend ohne Haltebuchten angelegt werden, könne den Verkehr empfindlich stören. Und je weiter man in die Innenstadt kommt, umso häufiger gibt es Stau durch Lieferwagen, die in der zweiten Reihe parken. „Wenn der Wäscheservice vor einem Hotel steht, ist eine Spur eine Viertelstunde lang dicht“, schimpft Bartl. „Ein Großteil des Lieferverkehrs passiert so, und niemanden interessiert’s.“ Aber Rettung naht: Ab 23. Dezember, wenn die Weihnachtsferien beginnen, wird es auf den Straßen wieder ruhiger.

Peter T. Schmidt

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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