Autokauf-Mord: Freundin führt Polizei zur Waffe

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Der Tatort.

München - Oliver P. (38) soll Lorenzo (17) kaltblütig erschossen haben. Der mutmaßliche Täter schweigt zu den Vorwürfen. Seine Freundin schildert die Flucht:

Hatte der Mann nicht alles? Eine Liebe, eine Leidenschaft, viele Freunde – auch an Wohnung, Auto und einem riesigen Ego mangelt es ihm nicht. Was macht Oliver P. (38) aus Grünberg in Mittelhessen zu dem Mann, dem die Ermittler den Auto-Mord an Lorenzo M. (17) aus Neuaubing vorwerfen?

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Auf seine Freundin konnte er sich verlassen. Oliver P. hatte sie von Anfang an eingeweiht. Sie nahm Anrufe von Kaufinteressenten für den erfundenen VWBus an, sie wusste, dass ihr Freund einem Interessenten den Kaufbetrag von zunächst 17 000 Euro abnehmen wollte. Sie war sogar in Fulda, als die tödlichen Schüsse auf dem Parkplatz des Kinderhauses fielen und Lorenzo starb. Das alles hat sie zugegeben. Ob sie von der Waffe wusste und von der mörderischen Entschlossenheit ihres Freundes Oli, weiß die Staatsanwaltschaft noch nicht.

Bilder vom Tatort

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Auch als die beiden am Freitag nach der Tat von Fulda zurück Richtung Grünberg fuhren, stand sie ihm zur Seite. Unterwegs warf das Pärchen die beiden Handys mit fingierter Registrierung aus dem schwarzen BMW, der auf Olivers Mutter in Konstanz zugelassen ist. An der Ausfahrt Homberg/Ohm fuhren sie ab und vergruben die Pistole gemeinsam an einem Feldweg. Auch das gab sie in ihrer Vernehmung zu, sagte der Fuldaer Staatsanwalt Harry Wilke der tz.

Ein Video zur Festnahme sehen Sie bei hna.de

Den ganzen Weg begleitete sie ihre Liebe – erst am späten Dienstag beantwortete sie den Ermittlern ihre Fragen. „Nach längerer Vernehmung“, wie der Staatsanwalt es formuliert. Die junge Frau war am Ende, sie führte die Polizei zur Waffe. Die Staatsanwaltschaft ließ die Freundin laufen, obwohl sie nun nicht nur wegen Beihilfe zum Raub, sondern auch wegen Strafvereitelung ermittelt.

Das Leben eines leidenschaftlichen Tauchers endete im Knast: Auch wenn Oliver P. den Mord an dem Münchner Lorenzo M. nicht gestehen will, sind die Indizien eindeutig.

Auch das Leben des mutmaßlichen Killers wird nicht mehr sein, wie es mal war. So schnell wird Oliver P. nicht mehr unter Wasser kommen. Tauchen war seine Leidenschaft. „Das Gefühl der Schwerelosigkeit, das Schweben und die Stille unter Wasser!“, schwärmt er auf seiner Internet-Seite. Als Trainer organisierter Ausflüge und Urlaube, am Samstag sollte es zum Tauchten in Siegburg gehen, im Sommer nach Norwegen. Jetzt sitzt er in U-Haft und schweigt zu den Vorwürfen. Als Fan des VfB Stuttgart gehört auch Fußball zu seinen Leidenschaften. Vor ein paar Jahren kickte er bei einem Verein im Nachbardorf. Aus dem Club kam der Tipp, der zur Festnahme führte. Sein Motto: „Lieber stehend sterben, als kniend leben!“

Am Freitag stand er, als er auf den am Boden liegenden Lorenzo gefeuert haben soll. Lorenzo, dessen große Familie rumänische Wurzeln hat, wird nach drei Tagen der Trauer heute auf dem Nordfriedhof beerdigt.

DAC

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