Automord: Mysteriöser Brief aufgetaucht

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Lorenzo (17) wurde ermordet

München/Fulda - Im Prozess um den Mord am 17-jährigen Lorenzo ist ein mysteriöser Brief aufgetaucht. Der Verfasser behauptet, er habe ein Messer gefunden.

Wie hält Lorenzos Mama das nur aus? Ihr 17-jähriger Sohn ist erschossen worden – und jetzt muss sie sich vor Gericht anhören, wie Lorenzo vom Opfer zum Täter gemacht werden soll. Ein an­onymer Briefeschreiber behauptet: Lorenzo und sein Kumpel Alin hätten beim Handel um einen VW-Transporter ein Messer gezogen und den Angeklagten Oliver P. damit erst zur Tat provoziert!

Der Brief ging vor einigen Wochen beim Polizeipräsidi­um Osthessen ein. Der Absender behauptete, am 11. Februar am Tatort in Fulda ein lautes Streitgespräch zwischen P. und den beiden Münchnern mitangehört zu ha­ben. „Zwei sprachen eine auslän­dische Sprache, ein dritter Deutsch.“ Plötzlich habe einer der jungen Männer ein Messer gezückt, dann seien Schüsse ge­fallen. Der Autor behauptet, er habe sich Wochen nach der Tat an der Kinderakademie Fulda umge­sehen und dabei tatsächlich ein Messer gefunden. Dies habe er in einen Briefkasten geworfen.

Münchner (17) bei Autokauf in Fulda erschossen

Münchner (17) bei Autokauf in Fulda erschossen

So weit, so rätselhaft: Tatsächlich war im Juni an der Kinderakade­mie ein Messer gefunden worden, das aber inzwischen auf mysteri­öse Weise verschwunden ist. Für Richter Josef Richter dennoch kein Grund für größere Ermitt­lungen: „Der Brief ist ein Fake!“ Wie der Verteidiger der mitange­klagten Freundin Oliver P.s zugab, stammt der Verfasser aus ihrem Umfeld. Er habe Oliver P. helfen wollen. Keine gute Idee: Staatsanwältin Christina Dern er­mittelt gegen den Ab­sender nun wegen versuchter Straf­vereitelung!

Auch für Oliver P.s Freundin Mareen S. (31) wird es eng: Bisher konn­te ihr keine Beteiligung nachgewiesen werden. Doch nun wackelt ihre Version, wonach sie davon ausgegan­gen sei, dass den beiden Münchnern lediglich Geld abgenommen werden sollte. In einem ab­gehörten Telefonat mit der Mutter von Oliver P. räumte sie im Fe­bruar ein, dass sie „das meiste, was er vorhatte, gewusst“ habe. In seinem Auftrag hatte sie sogar für denselben Abend noch zwei weitere potenzielle Autokäufer nach Fulda bestellt, die genauso abgezockt werden sollten.

Damit droht Mareen S. nun lebens­lange Haft wegen Beihilfe zum versuchten Raub mit Todes­folge. Zum Unverständnis von Lorenzos Familie bleibt sie zumindest vorerst weiter auf freiem Fuß.

tz

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