Vor Gericht

Autopanne: ADAC-Mitglied verklagt Automobil-Club

+
Vor Gericht: Stefan Bretthauer mit seinem Anwalt

München - Als Stefan Bretthauer im Urlaub mit seinen Freunden in Italien eine Autopanne hat, wähnt sich das ADAC-Mitglied zunächst gut abgesichert. Doch für einen ausreichend großen Mietwagen muss er 1800 Euro draufzahlen. Dagegen klagt er jetzt. Die Chancen stehen aber schlecht.

Als Stefan Bretthauer vergangenen Sommer mit acht Freunden im Auto nach Italien aufbricht, fühlt er sich eigentlich auf der sicheren Seite und gegen alle Eventualitäten geschützt. Denn im Gepäck hat er eine Plus-Mitgliedschaft des ADAC. Die, so glaubt er, würde ihn und seine Freunde im Fall des Falles auch im europäischen Ausland allumfassend absichern. Kurz vor Mailand tritt dieser Fall des Falles tatsächlich ein: Das Lenkgetriebe des Mercedes Vito geht kaputt. Die Reise endet vorerst am lombardischen Straßenrand, denn der Wagen muss in die Reparatur. „Kein Problem“, denkt Bretthauer, sichern ihm doch die ADAC-Plus-Bestimmungen für solche Fälle ein Mietauto zu.

Bei einem Telefongespräch mit dem ADAC wird allerdings klar: Der Autoclub übernimmt diese Kosten nur bis zu maximal 52 Euro am Tag und höchstens für 7 Tage. Das steht so auch in den Mitgliedschafts-Bedingungen. Doch so kurzfristig ist in Italien im Sommer für diese Summe nur noch maximal ein Auto für vier Personen zu haben. Für die Gruppe ist das nicht wirklich eine praktikable Lösung. Auch steht sie für Bretthauer im Widerspruch mit dem vom ADAC ausgegeben Geltungsbereich des Versicherungsschutzes. Hier heißt es: „Bei Fahrten mit einem geschützten Fahrzeug sind die [...] Insassen des Fahrzeugs, höchstens 9 Personen einschließlich des Fahrers, mitgeschützt, soweit dies in den einzelnen Leistungen bestimmt ist.“

Bretthauer mietet vorerst auf eigene Kosten ein größeres Fahrzeug. Mehr als 2000 Euro zahlt er für den Mietwagen mit Platz für neun Leute. „Fünf Personen hätten sonst ja buchstäblich auf der Straße gestanden“, sagt er. Er hofft auf eine spätere Einigung mit dem ADAC. Die kommt allerdings nicht zustande. Die Gelben Engel überweisen ihm insgesamt 208 Euro, den Höchstsatz für vier Tage Mietauto. Bretthauer reicht Klage ein. Er findet: „Die Versicherungsbedingungen sind widersprüchlich, wenn auf der einen Seite eine Absicherung aller Personen im Auto versprochen wird, die dann aber auf der anderen Seite auf 52 Euro am Tag beschränkt wird.“

Bei der Verhandlung vor dem Münchner Amtsgericht am Freitag macht man ihm allerdings wenig Hoffnung. Die Deckelung der Versicherung sei in Ordnung und stehe nicht im Widerspruch zu den Bestimmungen im Geltungsbereich, so das Gericht. Gleichzeitig räumt die Richterin aber ein, dass 52 Euro am Tag für einen Mietwagen in vielen Fällen wohl nicht ausreichend seien und auch nicht zum Rundum-Sorglos-Image des ADAC passen würden. Um der Klage stattzugeben, reiche das aber nicht. Stattdessen schlägt das Gericht einen Vergleich „zur Kundenpflege“ vor. Denn seine ADAC-Plus-Mitgliedschaft hat Bretthauer nach wie vor. Doch das lehnt der Anwalt des Autoclubs ab. Eine endgültige Entscheidung des Falles steht erst Mitte April an.

Nach dem vorläufigen Ende der Verhandlung zeigt sich Stefan Bretthauer „nicht begeistert“, aber kämpferisch. Mit seinem Anwalt will er prüfen, ob man, je nach endgültigem Ausgang des Verfahrens vor dem Münchner Amtsgericht, den Fall noch vor die nächsthöhere Instanz, das Landesgericht, bringen könnte.

Annika Schall

Auch interessant

Meistgelesen

Ärger über die Bayern-Party: Der grantige Rest vom Fest
Ärger über die Bayern-Party: Der grantige Rest vom Fest
München top, München flop: Das gefällt uns - und das nicht
München top, München flop: Das gefällt uns - und das nicht
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Schäferhund reißt Sechsjährige zu Boden und beißt zu - Halterin flüchtet
Schäferhund reißt Sechsjährige zu Boden und beißt zu - Halterin flüchtet

Kommentare