Das sagen Münchner

Autos raus aus der Innenstadt: Hier wird's konkret!

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Alyssa Reiher (21), Studentin

München - Autos raus aus der Innenstadt? Die Grünen wollen dazu die Münchner befragen und haben jetzt ihr Bürgergutachten offiziell beantragt, die Regierung von Oberbayern prüft den Plan – und Wirtschaft wie Rathaus drehen am Rad!

Handwerkskammer-Präsident und CSU-Stadtrat Georg Schlagbauer hält die Idee für eine „mutwillige“ Schädigung des Standorts. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl geißelt „grüne Augenwischerei“. Was beide aufregt: Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) mache einen Vorschlag für Verkehrsbeschränkungen in der Altstadt öffentlich, ohne ihn mit Politik und Wirtschaft abgestimmt zu haben – die Studie über das Hackenviertel!

Hier wird es konkret: Das Gutachten für das Gebiet zwischen Sonnenstraße und Sendlinger Straße wurde 2010 erstellt und liegt jetzt erstmals in der Ausstellung des Planungsreferats „Innenstadt weiterdenken“ aus: Die Architekten und Verkehrsplaner schlagen vor, nur noch zwei Schleifen aus Einbahnstraßen offen zulassen – im Westen zu den Parkhäusern, im Osten für Lieferanten. Den übrigen, verkehrsberuhigten Bereich könnten nur noch Anwohner befahren. Die Fußgängerzone in der Sendlinger Straße würde verlängert. Diese Studie befinde sich „in Abstimmung“, heißt es in der Ausstellung, sie ist also nicht im Rathaus abgesegnet.

Das wird wohl nicht geschehen: CSU-Stadtrat und Handwerksboss Schlagbauer bezichtigt das Planungsreferat der „Stimmungsmache“. Die Studie sei nicht mit der Wirtschaft abgestimmt. Die 350 Handwerksbetriebe innerhalb des Altstadtrings seien darauf angewiesen, dass die Kunden sie erreichen können: „Aktionismus bringt uns nicht weiter!“

Für SPD-Fraktionschef Reissl stellt sich das Problem gar nicht: „Die Mega-Verkehrslawine in der Altstadt gibt es längst nicht mehr.“ In Wahrheit müsse es so viele Ausnahmen für Anwohner, Lieferanten, Behinderte geben, dass die Innenstadt nie und nimmer autofrei würde.

Die Meinung der Münchner

Dieter Bramberger (71), Marketingberater

Ungestört flanieren: Ich fahre vor allem im Winter oft mit dem ­Auto in die Altstadt, weil es einfach bequemer ist. Ich fände es dennoch okay, wenn Autos raus müssten. Wenn es alle betrifft, würde ich mich fügen. Das Stadtbild würde dadurch gewinnen und man könnte ungestört flanieren, Außerdem würde die Feinstaub-Belastung besser. (Dieter Bramberger (71), Marketingberater)

Andrea Sieber (44), Lederhosen Wagner

Wäre gut fürs Tal: Die Stadt hat viel Geld in die Neugestaltung des Tals gesteckt – da wäre ein ­Fußgängerbereich nur sinnvoll. Hier gibt’s ein unglaubliches Gedränge, so dass Autos eh kaum mehr vorwärtskommen. ­Wegen der Abgase müssen wir außerdem alle paar Jahre die Fassade neu streichen. Viele unsere Kunden sind ­Touristen und damit eh Fußgänger. (Andrea Sieber (44), Lederhosen Wagner)

Max Riederer (44), Schreinermeister

Autos gehören dazu: Als Ladenbauer bin ich beruflich ständig in der Altstadt. Der Verkehr ist hier zwar chaotisch, aber das gehört in der Großstadt dazu. Ich fahre immer extra mit nem kleinen Transporter rein. Meinetwegen müssen die normalen Autos hier nicht raus. Außer vielleicht in der Sendlinger Straße, da geht machchmal gar nichts mehr. (Max Riederer (44), Schreinermeister)

Gertraud Johannes (75), Inhaberin Uhrengeschäft

Ich bin dagegen: Für uns im Hackenviertel wäre ein Autoverbot katastrophal. Wir sind seit 40 Jahren hier. Das Geschäft läuft immer schlechter, da sich Anwohner und große Firmen die Mieten nicht mehr leisten können. Händler in kleinen Seitenstraßen wie wir leben nur von altenStammkunden, die oft mit dem Auto kommen. Ich bin dagegen! (Gertraud Johannes (75), Inhaberin Uhrengeschäft)

Alyssa Reiher (21), Studentin

Idee ist prima! Eine autofreie Altstadt – das wäre prima! Der Verkehr ist hier viel zu hektisch. Ständig wird man angehupt oder fast zusammengefahren. Das Shoppen wäre dann viel entspannter. Und vielleicht bekämen die Straßencafés dann noch mehr Plätze … Ich bin noch nie mit dem Auto ins Zentrum gefahren. Normale Menschen können sich die Parkgebühren doch nicht leisten – und man braucht ewig. (Alyssa Reiher (21), Studentin)

David Costanzo, Nina Bautz

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