Axel Berg: Die neue Energie eines Ex-Politikers

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Kraft durch Veränderung: Früher war Axel Berg Bundestagsabgeordneter, jetzt arbeitet er als Energieberater. Ein Comeback in Berlin strebt er allerdings trotzdem an.

München - Er galt bis 2009 als der rote Klecks auf der tiefschwarzen Bayernkarte. Der einzige SPD-ler, der es geschafft hat, die CSU beim Rennen um die Bundestags-Direktmandate zu besiegen: Axel Berg.

Der heute 52-Jährige genoss selbst bei seiner Abwahl im Stimmkreis 218 München-Nord mehr Sympathien als die SPD. Der Sozialdemokrat erkämpfte sich bei der persönlichen Beliebtheit im Vergleich zu seiner Partei Platz 3 in Deutschland hinter Ex-Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg und Hans-Christian Ströbele, der Ikone der Grünen in Berlin. Berg war ein Star im immer kleiner werdenden Haufen der Sozialdemokratie.

Einer, der sich bundesweit vermarkten ließe, wäre die SPD eben nicht die SPD. Die Partei hat Berg geopfert. Doch der ist mit sich mittlerweile im Reinen, der Zorn ist verraucht. „Wenn es die Partei will, stehe ich 2013 wieder bereit“, sagt er. Axel Berg in seinem Stammcafé, daheim in Schwabing. Den Nimbus des Unbesiegbaren hat er bei der Erdrutsch-Niederlage der SPD 2009 trotz glänzendem persönlichen Ergebnis verloren. Er ist zum Opfer geworden eines Nominierungskriegs seiner Münchner Genossen, einer fatalen Mischung aus Intrigen und Selbstzerstörung. Sie wollten ihr Zugpferd nicht über die Landesliste absichern. Dann verlor er knapp gegen Johannes Singhammer (CSU). Das Spiel war aus.

Und seitdem steht die SPD-Hochburg München ohne Vertreter im Bundestag da. Doch das ist Schnee von gestern. „Mir geht es super, der liebe Gott meint es gut mit mir“, sagt der 52-Jährige. Allein das Lachen verrät seine Zufriedenheit. Er arbeitet in einem kleinen Büro in seiner Wohnung, beschäftigt sich mit seinem Lieblingsthema, der nachhaltigen Energiepolitik. Hier war er schon in der Fraktion im Bundestag von 1998 an gefragter Experte. „Bezahlbare, umweltfreundliche Energie ist die wichtigste Zukunftsfrage auf der Welt.“

Heute ist Berg Deutschland-Vorsitzender von Eurosolar, der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien. Er hat in München die Energiewerk Stiftung mitbegründet. Sie soll der Stadt Wege aufzeigen, wie der Abschied von Atom- und Kohlekraftwerken gelingen kann. „Die Engergiewende findet zu Hause statt“, betont Berg. Er will überzeugen, dass München und die Umlandorte gemeinsam die Wende schaffen können. „Die Stadt hat das Geld, draußen ist der Platz für solche Projekte“, lautet der Leitgedanke. Mit Eurosalar verfolgt er aber auch große Ziele. „Wir haben Pläne für ein Projekt an der A7 in der Schublade. Auf den 1000 Kilometern von Dänemark bis Österreich sollen entlang der Autobahn bis zu 1500 Windräder und Photovoltaikmodule angebracht werden.“

Utopien oder Spinnereien? „Sicher kostet das Milliarden“, gibt Berg zu. „Aber es kostet auch nicht mehr als neue Atom- oder Kohlekraftwerke. Doch die Politik ist noch nicht soweit. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat uns um Jahre zurückgeworfen auf diesem Weg“, sagt Berg. Der Aufschwung der Grünen sei ein Spiegelbild dafür. Dass „seine“ SPD aus der Schwäche der Regierung kein Kapital schlagen kann, macht Berg Kopfzerbrechen. „Dabei stehen doch die Chancen nicht schlecht, dass das rot-grüne Modell 2013 wieder an die Macht kommt.“

An die Macht mit Berg als Abgeordnetem? „Die SPD-Delegierten vom Bundeswahlkreis haben mich bereits gefragt. Die Nominierung ist schon im nächsten Jahr“, weiß Berg. Doch von Münchens SPD-Bossen hat er nichts gehört. „Es ist wahrscheinlich schwerer von der Partei nominiert als von den Bürgern gewählt zu werden“, wundert sich Berg. „Ich will aber keine schmutzige Wäsche waschen. Das nutzt doch nur den Schwarzen.“ Berg ist nach wie vor SPD-ler. „Das kann man nicht ablegen, in dieser Partei bin ich daheim.“ Dann flackert wieder das zufriedene Lächeln auf. Hier strotzt die neue Energie eines Ex-Parlamentariers. Einer, der mehr war als ein roter Klecks auf einer Polit- Landkarte.

Stefan Dorner

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