Deal bringt in Prozess die Wende

Baby fast tot geschüttelt: Milde Strafe

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Andreas S.: Für sein Geständnis gibt es eine milde Strafe

München - Er hat seinen 19 Monate alten Sohn Leon fast tot geschüttelt. Zunächst ließ Andreas S. die Tat vor Gericht bestreiten. Dann brachte ein Deal die Wende.

Er hat seinen 19 Monate alten Sohn Leon fast tot geschüttelt. Doch vor Gericht ließ der Vater Andreas S. (23) die Tat durch seinen Anwalt Timo Westermann hartnäckig bestreiten. Die schweren Verletzungen seien auf Impfschäden zurückzuführen. Am Mittwoch brachte ein Deal die Wende: Der Medienstudent legte ein Geständnis ab. Dafür kündigte der Richter ein mehr als mildes Urteil, eine Bewährungstrafe, an.

Zwischen Verteidiger, Staatsanwalt und Richter Stephan Kirchinger kam es am Mittwoch, am zweiten Prozess­tag, zu Gesprächen hinter verschlossenen Türen. Gegen 10.30 Uhr dann die Auflösung: Das Gericht schlug eine Einigung vor. Andreas S. sollte die Tat gestehen und sich zu einer Therapie bereit erklären.

Im Gegenzug werde das Urteil nicht strenger als zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung ausfallen. Zu Gunsten des Angeklagten spreche, so der Richter, der im Moment gute Gesundheitszustand des Kindes, das junge Alter des Vaters sowie seine bisherige Straffreiheit. Zudem habe S. direkt nach dem Übergriff einen Arzt gerufen. Man könne von „Augenblicksversagen“ und einer „Spontantat“ ausgehen.

Unter Tränen schilderte der Rabenvater dann, was im Juli 2011 passiert war: „Mir sind die Nerven durchgegangen. Der kleine Leon hat andauernd geschrieen und ließ sich nicht beruhigen“, schluchzte Andreas S. Der Student will seinem Sohn dann erst mal nur einen Klapps auf den Allerwertesten gegeben haben – der freilich für einen großen, blauen Fleck sorgte.

Der 23-Jährige: „Da hat er natürlich noch lauter geschrien“. Der junge Vater hielt seinen Sohn ein Stück von sich weg, sagte noch: „Leon, was ist los?“ – und schüttelte ihn dann hin und her. Zusätzlich schlug er dem Kind ins Gesicht. Insgesamt will er das Kind vier bis fünf Mal kräftig geschüttelt haben.

Dann drückte er das Baby wieder an sich – bis Leon etwa eine Minute später krampfte. „Er war plötzlich still und riss die Arme hoch. Ich dachte, er wäre tot. In diesem Moment habe ich gedacht: Was habe ich getan?“ Dann sei der Kleine leblos in sich zusammengesackt. Andreas S. begann, den Buben wiederzubeleben, rief den Kinderarzt und seine Verlobte an. „Im Krankenhaus habe ich nur gehofft, dass er es schafft.“ Warum, fragte der Staatsanwalt, habe er den Ärzten die Misshandlung verschwiegen? „Ich habe mich geschämt.“

Eiskalt behauptete An­dreas S. dann allerdings: „Leon ist durch die vielen Impfungen erkrankt.“ Frech veröffentlichte er im Internet sogar eine Videobotschaft unter dem Titel: „Krankgeimpft und totgeschwiegen.“

Die Gutachten der Haunerschen Kinderklinik und des Rechtsmediziners Prof. Randolph Penning kamen allerdings zu einem eindeutigen Ergebnis: Die schweren Verletzungen, die möglicherweise bleibende Schäden hinterlassen, sind eindeutig auf Misshandlungen zurückzuführen.

E. Unfried/K.H. Dix

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