Der Baby-Segen in München hält an

München - Seit Jahren klettern die Geburtenzahlen an der Isar in die Höhe: Heuer wird München wohl zum fünften Mal in Folge den Baby-Rekord vom Vorjahr brechen. Doch nicht in jedem Viertel herrscht Schnulleralarm.

Noch sind es ein paar Tage bis zum Jahreswechsel. Und noch ist der Rekord nicht sicher – aber er ist greifbar: 13 492 Münchner Kindl sind von Januar bis November 2011 auf die Welt gekommen. Damit gab es bisher 299 Geburten mehr als im gleichen Zeitraum 2010. „Wir liegen ganz gut“, sagt Sibel Aydemir vom Statistischen Amt der Stadt. „Wir müssen den Dezember abwarten, aber wenn der mit etwa 993 Geburten im Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegt, würden wir die Geburtenzahlen 2010 übertreffen.“

Die Schwerpunkte des Baby-Booms

Das wäre dann bereits das fünfte Mal in Folge, dass München den Baby-Rekord vom Vorjahr toppt. Schon 2010 lag die Stadt mit 14 366 Babys insgesamt (einschließlich Dezember) über der Geburtenzahl des Vorjahres. „Mehr Geburten gab es nur vor 1968, also vor dem Pillenknick“, erklärt Diplomstatistikerin Aydemir. Heuer stehen den 13 492 Babys bis November 9833 Sterbefälle gegenüber – ein Geburtenüberschuss von 3659 kleinen Neumünchnern.

Für Erstaunen sorgte der Juli dieses Jahres. 1411 Münchner Kindl wurden allein in diesem Monat geboren. Damit ist er nicht nur der geburtenreichste des Jahres, sondern auch im Vergleich der vergangenen zehn Jahre ganz vorne dabei. „Seit 2000 gab es nur einen Monat, der darüber lag – der Oktober 2008 mit 1440 Neugeborenen“, weiß Aydemir.

Doch nicht nur wann, sondern auch wo die meisten Münchner Kindl zur Welt kamen, können die Statistiker sagen. Eindeutiger Spitzenreiter bei den absoluten Geburtenzahlen war Neuhausen-Nymphenburg. Während der zweitgrößte Stadtbezirk 2010 noch an der Tausendermarke kratzte, brachten die Frauen aus Neuhausen-Nymphenburg heuer 1009 Babys zur Welt.

Betrachtet man aber die Bilanz, liegt der Bezirk Trudering-Riem weit vorne. Hier stehen 274 Sterbefällen bis November stolze 681 Geburten gegenüber – ein Plus von 407 Babys. „Viele Familien sind in die Messestadt gezogen“, erklärt Aydemir.

Ganz anders sieht es im Bezirk Altstadt-Lehel aus: Bis November kamen hier 181 Geburten auf 217 Sterbefälle. Als einziger Bezirk musste das Zentrum damit einen Überschuss an Sterbefällen verzeichnen. „Der Bezirk ist aber auch deutlich kleiner als die anderen. Außerdem gibt es hier viele Singlehaushalte“, räumt Aydemir ein.

Im bundesweiten Vergleich ist München ein echter Ausreißer, denn in Deutschland zeigt die Geburtenkurve seit Jahren abwärts. Bereits im ersten Halbjahr 2011 zeigte sich, dass die bundesweite negative Tendenz wohl fortgesetzt wird: Bis Juli wurden insgesamt 359 688 Babys geboren – 2,6 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Warum setzt sich die Landeshauptstadt davon so deutlich ab? Aydemir meint: „München profitiert vor allem von der Zuwanderung vieler junger Menschen, die dann hier ihre Kinder bekommen.“

In einem anderen Punkt liegen die Münchner Kindl aber voll im Trend: Sie werden immer größer und schwerer. „Vor zehn Jahren waren die Babys bei uns zwischen 50 und 52 Zentimetern groß. Mitterweile sind wir bei 54 Zentimetern“, erklärt Oliver Barske, Oberarzt der Frauenklinik München West. Zudem seien die Babys heute um durchschnittlich 300 Gramm schwerer als vor zehn Jahren. Mit diesen Maßen liegen die Münchner Kindl bundesweit betrachtet nur im Mittelfeld, sagt Klaus Friese von der Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität: „Die Geburtsgrößen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Bayern belegt einen Mittelplatz. Die größten Kinder gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, die kleinsten im Saarland.“

Trotz aller guten Nachrichten hat sich eines nicht verändert: Der Anteil der Singlehaushalte. Er liegt seit Jahren konstant bei über 50 Prozent. Haushalte mit Kindern machen dagegen nur 17 Prozent aus.

Dagmar Bartosch

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