David Garrett spielte in der Olympiahalle

Backstreet-Geigenboy David Garrett

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Geigen-Beau David Garrett.

Der Bogen-Beau begeisterte die Olympiahalle. David Garrett, mutmaßlich feschester Geiger der Welt, bewies vor gut 7000 Fans, dass er weit mehr ist als nur ein David Beckham mit Stradivari.

Über sein waghalsiges Programm zwischen AC/DC und Hummelflug lässt sich zwar trefflich streiten. Und Domenico Modugnos Nel blu dipinto di blu (Volare) muss nach wie vor nicht zwingend direkt nach Bachs zweitem Violinkonzert gegeben werden. Aber wenn schon Klassik, Pop und Rock zünftig verquirlt werden, dann bitte so lässig, charmant und hochklassig wie beim 28-Jährigen aus Aachen, dem Backstreet-Geigenboy.

Dass er eine coole Socke ist, demonstriert Jung-David von Beginn an – als er zum Soundtrack aus Fluch der Karibik mit Hut, Zopf, Jeans und Schlamper-Sakko als Underdressman auf die Bühne schlappt, das deutlich aufgebrezeltere Publikum kess duzt und seine Stücke in der Folge ein bisserl arg penetrant mit „Here we go!“ ankündigt. In Sachen Outfit sind die Fans ganz offenbar zwiegespalten: Die einen reagieren hingerissen. Die anderen wünschen Garrett zumindest eine anständige neue Hose, bitte möglichst eng.

Das Repertoire passt zum Auftritt und den sympathischen und lockeren Ansagen, mit denen der Chartstürmer jeden Titel präsentiert: Er spielt, unterstützt vom meist dezenten Orchester der Neuen Frankfurter Philharmonie und der sehr präsenten und rhythmusbetonten Rockband, einfach nur, was ihm in den Kram passt. Seine Lieblingsmusik eben.

Dabei glänzt er besonders, wenn er die ausgelatschten Pfade des Kaffeehaus-Geigens und der Gassenhauereien verlässt. Carmen-Fantasie, Queens Who Wants To Live Forever oder Paganinis Carneval in Venedig (berühmt-berüchtigt als Mein Hut, der hat drei Ecken) müssen nicht unbedingt sein. Dagegen kommen wuchtige Versionen von Michael Jacksons Smooth Criminal oder von AC/DCs Thunderstruck ziemlich frisch und aufregend daher.

Auch eine Action-Variante vom letzten Satz aus dem Sommer der Vier Jahreszeiten, bei dem Antonio Vivaldi zum groovenden E-Gitarren-Tony mutiert, hat ihre Reize. Und bei den komplizierten Zigeunerweisen von Übergeiger Pablo Sarasate beweist der junge Meister technische Brillanz – die Fans sehen live über eine Mini-Kamera am Kopf von David Garrett, wie seine Finger im Mördertempo zu vertrackten Griffen und Läufen übers Instrument flitzen.

Ach ja: Die düstere Schwermetall-Poesie von Metallicas Nothing Else Matters kam auch verdammt cool. Wie eigentlich der ganze Typ – der ohnehin nur einmal grinsen und sich die blonde Strähne neckisch hinters Ohr streichen muss, um die Zuschauer(innen) an einem unterhaltsamen Abend mindestens genauso zu entzücken wie mit jedem Pizzicato-Bravourstück.

Quelle: tz

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