Konzern bestätigt Umplanung

Bahn bringt „Optimierungen“ bei der zweiten S-Bahn-Röhre auf den Weg 

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Eine Grafik zeigt die geplanten Optimierungen.

Keine Fehlplanung, Zeitplan und Kosten eingehalten – die Bahn stellt ihre Version zu den Umplanungen an der zweiten S-Bahn-Stammstrecke vor. Deutlich wird, welche Dimension der Bau hat – allein am Hauptbahnhof sind 75 000 Lkw-Fahrten geplant.

„Optimierungen“ – diesen Begriff verwendete der Projektleiter der Bahn für die zweite Stammstrecke, Markus Kretschmer, gestern öfter. Die Bahn also optimiert die zweite S-Bahn-Röhre – und das in mehrfacher Hinsicht. Sowohl am Hauptbahnhof als auch am Marienhof werden Bauabläufe und -zuschnitte geändert, am Ostbahnhof ist das noch nicht absehbar. Die „Optimierungen“ im Einzelnen:

Markus Kretschmer (hier auf einem Archivbild vom Januar) ist der Projektleiter der zweiten Stammstrecke. Der 51-jährige Münchner hat unter anderem den U-Bahn-Bau in Doha (Katar) mit verantwortet. Er wird beim Bau der zweiten Stammstrecke unter anderem von einem Spezialisten-Gremium beraten, sechs Professoren mit den Fachgebieten Bauwesen, Hydrologie und Geologie.

Hauptbahnhof: Wie durch einen Bericht unserer Zeitung bekannt geworden, wird der Bahnsteig des neuen Stammstrecken-Bahnhofs um 80 Meter nach Westen verschoben, der Zugang Schützenstraße Richtung Stachus entfällt. Ein Grund ist, dass so eine Überschneidung mit dem Bahnhof der U1/U2 vermieden wird. Dies wäre zwar bautechnisch machbar, aber „relativ teuer“, sagte der Projektverantwortliche. Wichtig sei, dass durch die Umplanung aus zwei Baugruben eine werden könne. Weiterer Bestandteil der Umplanung: Das oberirdische Parkdeck am Hauptbahnhof wird jetzt nicht wie zunächst geplant erhalten, sondern abgerissen. Auch das erleichtere die Bauarbeiten. Insgesamt könne wohl „ein zweistelliger Millionenbetrag“ eingespart werden. Auch die Zahl notwendiger Lkw-Fahrten, um Material anzuliefern und den Erdaushub zu beseitigen, wird reduziert – um 25 000 auf jetzt 75 000. Ende 2018/Anfang 2019 soll mit dem Abriss des Empfangsgebäudes begonnen werden. Danach wird über 40 Meter tief ausgebaggert.

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Marienhof: Größte „Optimierung“ an der Baustelle Marienhof ist, dass die Bahn jetzt eine große Baugrube aushebt, die praktisch von der Diener- bis zur Weinstraße reichen wird. Bisher waren eine größere und drei kleine Baugruben geplant. Auch hier sollen die Lkw-Fahrten reduziert werden – um 3000 auf dann 38 500 Fahrten. die Belastungen für die Anlieger würden also reduziert. Eventuell werden Elektro-Lkw eingesetzt. Den Plan, Förderbänder einzusetzen, um den Aushub wegzuschaffen, hat die Bahn allerdings aufgegeben: Das sei zu teuer und zu kompliziert. Die nächsten Bau-Schritte sind nun der Bau einer Schallschutzwand im Herbst und ein drei Meter tiefer Vor-Aushub.

Ostbahnhof: Entgegen der Hoffnung vieler Anlieger hält die Bahn bisher am Bau eines neuen Tunnelbahnhofs unter dem Orleansplatz fest. Die Variante, den Bahnhof unter das Gleisfeld bei den Autoreisezügen zu verlegen, sei ernsthaft geprüft worden. Doch sei die „Entwidmung von Bahnanlagen“ zu kompliziert. Kretschmer: „Von einer Verlegung des Bahnhofs gehe ich momentan nicht aus.“

3,8 Milliarden Euro - „Das ist unsere Schallmauer“

Trotz aller Umplanungen würden die maximalen Kosten von 3,8 Milliarden Euro eingehalten, betonte Kretschmer. „Das ist unsere Schallmauer.“ Eigentlich seien es derzeit sogar nur 3,2 Milliarden – der Risikopuffer von 600 Millionen Euro werde momentan „noch nicht angetastet“. Auch der Zeitplan bleibe: Wie geplant könnte die zweite Röhre Ende 2026 in Betrieb gehen.

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Die Darstellung in einem kürzlich von den Grünen präsentierten Gutachten, wonach sich durch die Umplanung der Zeitplan bis 2030 oder sogar 2032 verschieben könnte, dementierte Kretschmer. „Das entbehrt jeder Grundlage.“ Denn der planungsrechtliche Aufwand sei viel kleiner, als vom Landtagsabgeordneten Martin Runge behauptet. „Eine erneute Planfeststellung ist nicht notwendig“, eventuell werde sogar der sogenannte „Planverzicht“ festgestellt. Dann würde eine offizielle Anhörung der Träger öffentlicher Belange nicht stattfinden.

Runge oder ein Pressebeauftragter der Grünen hätten gestern gerne an der Pressekonferenz teilgenommen. „Aber wir durften nicht.“ So blieb er gestern bei seiner Darstellung: Der Bau werde teurer und gerate in Zeitnot.

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