Betrüger sorgen für Millionen-Schaden

Die Bahn jagt die Bayern-Ticket-Schlepper

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Am Automaten sucht sich der Schlepper seine ersten vier Mitfahrer. Sobald sich die Gruppe ändert und er weiterhin Geld für dasselbe Ticket kassiert, macht er sich strafbar

Krumme Geschäfte mit dem beliebten Bayern-Ticket der Bahn! So genannte Fahrgast-Schlepper richten einen Millionenschaden an und machen ehrliche Bahnkunden zu Schwarzfahrern. Jetzt schreitet die Bahn ein.

 Mit Schwerpunktaktionen versucht die Bahn jetzt den Banden Herr zu werden. Zum Jahresende werden deshalb die Fahrkarten geändert: Dann muss jeder Teilnehmer auf dem Bayern-Ticket seinen Namen eintragen.

Das Bayern-Ticket ist die beliebteste Fahrkarte im Freistaat. 100 Millionen wurden bereits verkauft. „Pro Jahr sind es vier Millionen, davon die Hälfte Gruppentickets“, weiß Reinhard Saß, Leiter der Abteilung Fahrgast-Marketing bei DB-Regio. Der Erfolg lockt Betrüger an, die von der illegalen Benutzung der Fahrkarten leben.

Der Trick: Zunächst blockiert der Schlepper an großen Bahnhöfen wie München oder Nürnberg einen Fahrkarten-Automaten und fragt Fahrgäste, ob sie mit seinem Bayern-Ticket beispielsweise von München nach Nürnberg mitfahren wollen. Der Mann verlangt in der Regel acht Euro pro Person. Damit kommt der Reisende deutlich billiger weg – seine Alternativen sind das Einzelticket (22 Euro) oder das Zweier-Gruppenticket (22 plus vier Euro für jede weitere Person). Hat der Schlepper vier Mitfahrer gefunden, kann die Reise schon losgehen. Saß: „Das ist noch legal. Denn jeder darf eine Gruppe bilden.“ Allerdings darf er die Fahrgäste der Gruppe während der Fahrt nicht wechseln.

Aber das genau machen die Schlepper. Saß weiter: „Am Ziel angekommen, sucht der Betrüger wieder vier Mitreisende für die Rückfahrt.“ Die Einnahmen sind Nettoverdienst. Der Betrüger pendelt den ganzen Tag mit immer neuen Fahrgästen, aber einem inzwischen ungültigen Ticket durch Bayern. Auf diese Art sind bis zu 122 Euro pro Tag drin. Ein lukrativer Zuverdienst – vor allem für Menschen, die Zeit haben. Die Bahn glaubt, dass inzwischen 30 bis 50 gewerbsmäßige Schlepper unterwegs sind, die einen Schaden zwischen 430 000 und knapp 1,4 Millionen Euro angerichtet haben. Aufgetreten sind die ersten im Frühjahr.

Im August fahndeten Bahnschützer elf Tage nach Schleppern. Peter Bierling von DB-Sicherheit: „Uns sind acht Betrüger ins Netz gegangen. Sie wurden wegen Betrugs angezeigt. Unter ihnen waren auch einige, die Unterstützungsleistungen erhalten.“ Allerdings mussten auch 18 ahnungslose Mitfahrer büßen und je 40 Euro Strafe zahlen, da sie kein gültiges Ticket hatten. DB-Marketing-Chef Saß: „Sollte einem Fahrgast die Mitfahrt am Bayern-Ticket angeboten werden, sollte er auf dem Ticket prüfen, ob es tatsächlich erst kurz vorher gekauft wurde, oder ob da schon jemand den ganzen Tag mitgefahren ist.“

Neben weiteren Fahndungsaktionen will die DB die Fahrgäste nun mit einer Infokampagne über das Schlepperunwesen aufklären.

Karl-Heinz Dix

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