Sie sollten die Münzschächte leeren – und stopften alles in die eigenen Taschen

Bahn-Mitarbeiter klauen Geld aus Schließfächern

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Die Münzen der Schließfach-Benutzer fanden sich später in den Taschen der Diebe wieder.

München - Die Bahn AG hatte über Jahre nichts geahnt. Erst ein anonymer Hinweis an das Polizeipräsidium München brachte einen dicken Betrugsfall ans Tageslicht.

Der Anrufer hatte Ende vergangenen Jahres seinen Nachbarn hingehängt: Der schmeiße mit Geld um sich. Sein Lebensstil passe irgendwie nicht zu seinem Gehalt als Schließfachentleerer bei der Deutschen Bahn AG. Da müsse doch was nicht mit rechten Dingen zugehen, sagte der Mann und legte auf.

Die Münchner Polizei schaute sich die Sache näher an – und stieß nach einigen verdeckten Ermittlungen auf sechs Männer der Schließfachaufsicht. Ihre Aufgabe war es, aus den 2700 Schließfächern am Hauptbahnhof, dem Ostbahnhof und dem Bahnhof Pasing regelmäßig das Münzgeld zu entnehmen und im Zählraum im Hauptbahnhof in so genannte Safebags zu verpacken.

Das Münzgeld allerdings landete zu großen Teilen in den Hosen- und Jackentaschen der Männer im Alter von 26 bis 52 Jahren. Wenn ein Kollege krank oder im Urlaub war, ging dieser nicht leer aus. Die anderen Kollegen gaben ihm seinen Anteil, sobald er wieder zurück in der Arbeit war.

Nach ersten Schätzungen der Ermittler des Dezernats Bandendiebstahl der Münchner Polizei „verdiente“ sich jeder der DB-Mitarbeiter auf diese Weise jedes Jahr um die 30 000 Euro zusätzlich hinzu. „Der Schaden für die Deutsche Bahn AG bewegt sich im hohen sechsstelligen Euro-Bereich“, sagte Kriminaloberrat Robert Weber.

Am vergangenen Dienstag wurden die sechs Schließfachentleerer in ihren Wohnungen in München und Emmering (Kreis Fürstenfeldbruck) festgenommen. Bei den Wohnungsdurchsuchungen fanden die Polizisten insgesamt etwa 150 000 Euro Bargeld. bei einem 49-Jährigen entdeckten die Beamten mehr als 30 000 Euro in Münzen und Scheinen. Das Geld war in einem Koffertrolley versteckt, den zwei Beamte wegtragen mussten. Ein weiterer Täter (49) hatte viele tausend Euro in seinem Arbeitsrucksack und in einer Tabakdose deponiert. Bei dem Mann aus Emmering stellten die Fahnder zudem ein ganzes Waffenarsenal sicher.

In einem Schließfach, das zwei Mitarbeiter (49 und 52) anonym angemietet hatten, waren ebenfalls etwa 30 000 Euro gebunkert. Bei allen sechs Festgenommen wurde außerdem auch Geldbanderolen, zum Teil noch aus DM-Zeiten gefunden.

Inzwischen haben drei Bahn-Mitarbeiter die Taten eingeräumt, sie sind wieder auf freiem Fuß. Die anderen drei sitzen in U-Haft in Stadelheim, sie schweigen zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die sechs Männer wegen schwerem Bandendiebstahls. Ihnen drohen bis zu zehn Jahren Haft.

Jacob Mell

Quelle: tz

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