Bahn montiert 30 Prozent der Automaten ab

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Streichkonzert: Ungefähr jeder dritte der bayernweit 1406 Ticketautomaten soll abgebaut werden.

München - Für viele Ticketautomaten der Deutschen Bahn (DB) kommt das Aus. Grund: Das Geschäft und der Verkehr mit Kunden verlagert sich immer mehr ins Internet.

Im Zeitalter des schnellen Internets, von Facebook und iPhone steht auch der Fahrkartenverkauf der Deutschen Bahn (DB) vor einem Wandel: Nachdem in den vergangenen 20 Jahren über 1000 Fahrkartenschalter in Deutschland geschlossen wurden, kommt jetzt bald auch für viele Ticketautomaten das Aus. „Das Smartphone wird perspektivisch der Reisebegleiter für den Bahnkunden sein“, prophezeit Karina Kaestner, Leiterin Marketing Onlinevertrieb der Deutschen Bahn. „Bis 2020 wird der Kunde den Automaten in der Hosentasche tragen. Wir werden deshalb rund 20 bis 30 Prozent unserer derzeit in Bayern 1406 regionalen Ticketautomaten abbauen, weil wir sie nicht mehr brauchen“, kündigt Bayerns DB-Vertriebschef Klaus Leven an.

Die Zahlen sprechen für die elektronischen Vertriebskanäle der Bahn: 6,7 Millionen registrierte Onlinekunden besuchen 1,5 Millionen Mal pro Tag die DB-Homepage und holen sich fünf Millionen Reiseauskünfte. Über Mobiltelefone laufen bereits 22 Millionen mobile Auskünfte und 118 000 Ticketbuchungen pro Monat. Der Onlinevertrieb generiert bereits 27 Prozent der gesamten Fahrkarteneinnahmen, beim Fernverkehr sind es sogar 44 Prozent. Die neue DB-Ticket-App für das iPhone wurde seit Einführung Anfang des Jahres 2,8 Millionen Mal, für Androids 2,5 Millionen Mal geladen.

Die DB setzt jedenfalls voll auf neue Medien: von der Verspätungs-Information per E-Mail bis zur Verkehrsmittelwahl-Werbung auf Routenplaner-, Airline- und Mitfahrportalen. Bald sollen flächendeckend Handytickets sowie Touch- und Traveltickets eingeführt werden. Das hat aber noch Tücken: Wenn der Handy-Akku leer ist und das Ladegerät zu Hause liegt oder man vergisst, sich beim Aussteigen am Zielbahnhof mit seinem Handy am Touch- und Travelticket-Registriergerät abzumelden, wird man ganz schnell zum Schwarzfahrer.

Schon im nächsten Jahr hofft die DB, ,die Probleme zu lösen und überall Handy- sowie Touch- und Traveltickets einzuführen“. Und so gehts: Handy am Start und am Ziel an ein Lesegerät halten und der Fahrpreis wird abgebucht. Die Zukunft der Bahn ist digital.

Karl-Heinz Dix

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